Ausgabe 
14 (8.10.1854) 41
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dem Hochamt ertheilte der Erzbischof den versammelten Gläubigen den Segen und sehtesich, nachdem das Veni Lrestor gesungen war, vor dem Altare nieder; Dr. Newmankniete vor ihm und legte mit vernehmlicher und fester Stimme in der üblichen Weisedas Glaubensbekenntniß ab. Darauf bestieg der Erzbischof die Kanzel und hielt einekurze, in Inhalt und Form meisterhafte Anrede an die Versammelten. Er begann,an das Fest anknüpfend mit einer Schilderung des Waltens des heiligen Geistes inder Kirche, wies dann darauf hin, wie die Kirche zu allen Zeiten die Lehrerin derVölker und die Beschützerin und Pflegerin der ächten Wissenschaft gewesen und schloßmit folgenden Worten:

Die Kirche hat stets die Unwissenheit bekämpft, sie hat stets wahre Wissen-schaft gefördert. Zwar ist sie unveränderlich in ihrer Lehre und gestattet nicht diegöttliche Wahrheit anzugreifen und in Frage zu stellen: aber ist daS nicht ihre Pflicht?sind nicht ihre Lehren die Lehren der Offenbarung, die ihrer Hut als eine heiligeHinterlage von ihrem göttlichen Stifter anvertraut sind, und ist nicht sie zur Säuleund Grundfeste der Wahrheit gemacht? ES ist wahr, sie verdammt Schriften undverbietet ihren Kindern, sie zu lesen; aber ihre Verbote sind nur gegeu schlechte Werkegerichtet, die das Herz verderben würden, wie unsittliche uud unanständige Romane,oder die sie Grundlage des Glaubens durch Verbreitung des Unglaubens und Jrr-glaubeus untergraben würden. Die Kirche hat die Aufgabe, ihre Kinder zur ewigenSeligkeit zn führen, und darum muß sie dieselben vor der Pest der Sünde und vorder Finsterniß des JrrthnmS schützen . . . Die katholische Kirche kämpft auch gegengewisse Schulen und Erziehungssysteme: aber thut sie nicht auch dieses darum, weildieselben dem Glauben und den Sitten gefährlich sind? Und wenn sie die fleischlicheWissenstaft verdammt und verwirft, welche der heilige Jacobus als irdisch sinnlichund teuflisch bezeichnet, fördert und unterstützt sie nicht alle nützlichen Künste und alleZweige der Wissenschaft, welche den großen Zweck unserer Erschaffung fördern können?Ist sie nicht die Lehrerin der Völker gewesen? Haben wir nicht ihr die allgemeineVerbreitung der Bildung zu danken, die wir unter allen Ständen der Gesellschaft injedem christlichen Lande finden? Sie hat Schulen errichtet zur Erziehung der Armen,Eollegien und Universitäten gegründet für die Reichen uud Höherstehenden. Alle Uni-versitäten in Europa mit wenigen Ausnahmen verdanken ihr das Entstehen. Selbstdie jetzt der kalholischcn Kirche feindlichen Universitäten, wie Orford uud Cambridge,wurden von unsern kalholischen Vorfahren gegründet und dotirt uud von den Nachfol-gern VeS heiligen PetniS geschützt nnd unterstützt. Diejenigen, welche jetzt von derKirche getrennt sind, mögen den Glanz und die Herrlichkeit der Institute rühmen, diesie besitzen: aber wäre es nicht billig, zn gestehen, daß der Rnhm nicht ihnen gebührt,daß das, worauf sie stolz sind, das Werk katholischer Hände und daS Erzeugnißkatholischer Geister ist. Wenn man diese Thatsachen beachtet, wie kann dann einUnparteiischer der katholischen Kirche vorwerfen, sie sey eine Feindin des Fortschritts?

Für Irland gab cs eine Zeit, sie ist noch nicht lange verflossen, wo die Erziehunggeächtet, wo es Hochverrath für einen Katholiken war, ein Lehrer zu werden odersein Kind in eine katholische Schule zu schicken. Und doch gibt eS Menschen, die vonihrer Liebe zur Wissenschaft und Aufklärung sprechen und die Rückkehr dieser Tage derFinsterniß und Verfolgung wünschen. Als die Strafgesetze etwas gemildert wurden,war es der erste Gedanke der irischen Katholiken, für die Erziehung ihrer Kinder zusorgen. Sie bedeckten das Land mit Schulen nnd Kanten Kollegien, und viele ihrerErziehuugSinstitute lassen sich denen aller andern Länder kühn an die Seite stellen,nnd daö alles hat das Volk mit seinem Eifer ohne fremde Unterstützung vollbracht.

Wir hatten allerdings manche ErziehnngSsysteme zu bekämpfe», aber nur darum,weil ihnen die Absicht zu Grunde lag, unseren Glauben zn zerstören und uns vonder katholischen Kirche loszureißen. Wir sind verpflichtet, Reich und Arm vor solchenSystemen zu warnen, wir fordern sie auf, ihre Kiuder vor vergifteten Weiden zubewahren, aber wir ermähnen sie, ihnen die Segnungen einer guten Erziehungzuznwcndtn und sie zu den Quellen wahrer Wissenschaft zu führen. Auch jetzt geben