Ausgabe 
14 (22.10.1854) 43
Seite
337
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Vierzehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

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Augsburger Mostzeitung.

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Kirchen und kirchliche Banwerke an den heiligen Stätten des

Morgenlandes.

Von Prisac.

I. Jerusalem .(Schluß.)

Ein trauriger Anblick ist es, wenn man vor die Kirche deS heiligen Grabestritt. Man gelangt, wenn man von dem lateinischen Kloster kommt, auf einerengen abschüssigen Straße zuerst an ein kleines Pförtchen, womit fast alle Klöster imMorgenlande, wahrscheinlich zur Deckung gegen feindlichen Ueberfall, versehen sind,auf einen viereckigen Platz von etwa dreißig Schritten Länge und Breite. Der Platzhat ehemals als Porhof gedient, und noch stehen einzelne Basen von den schönenSäulen, womit derselbe geschmückt und abgesperrt war. Kommt man zu der Stunde,wo die Kirche geschlossen ist, Morgens von etwa zehn Uhr bis Nachmittags vier Uhr,so ist eS nur mittels eines enormen BakschiS, den man an die Türken verabreicht,möglich, hinein zu gelangen. Denn diese sind thatsächlich die Wächter deS heiligenGrabes und werden es wohl noch so lange bleiben, bis sich Europa wieder zu EinerKirche bekennt und das SchiSma derart gedemüthigt ist, daß eS nicht mehr auf fremdeHilfe rechnen kann. Ist die Pforte offen (und die heilige Grabeskirche hat nur EinenEingang), so erblickt man gleich, zum Aerger der christlichen Welt, auf einer miteinem bunten Teppich belegien Pritsche vier bis fünf Türke» aus ihren langen Pfeifenrauchend und immer neigen Kaffee schlürfend. Der Eintretende hat dann zunächst denSalbuugsstein vor sich, zur Rechten den Kalvarienberg. Zur Linken gehl es in derDiagonale hinüber zur Capelle des heiligen Grabes, diesem gegenüber in gerader Linieist das Chor der Griechen und in der DurchschnittSlinie zuerst die Stelle, wo dergöttliche Heiland der heuigen Magdaleua als Gärtner erschienen, der Altar der heiligenMagdalena und endlich die Capelle der Laleiner mit einem Theile der GeißelungSsäuleiu dem FranciScaner-Kloster. Gebt man nun weiter an der Sacristei vorbei in demUmgange, so folgen hier der Reihe nach erst die Capelle deS Kerkers, dann die deSLonginuS , die der Kleidervertheilung, der heiligen Helena und der Krcuzausfiudung,etwa dreißig bis vierzig Stufen unter der Erde, wiederum über der Erde die Capelleder Spottsäule und endlich der Kalvarienberg, etwa zwanzig Stufen gegenwärtig überdem Boden der Kirche. Von dem Kalvarienberge gehört die Stelle der Kreuzausrichtungden Armeniern, der Kreuzannagelung aber den Katholiken. Die sämmtlichen Capellensind mit Altären versehen, woran Messe gelesen wird, und bloß die hl. GrabeScapellehat als solche keine besondere Tumba vonnöthen, weil das heilige Grab selbst dazudient, so daß über diesem selbst die heilige Messe gefeiert wird. Daö heilige Grab