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Stellvertreter deS hochwürdigsten Herrn Ordinarius Herr Domkapitular und General-Vicar Fricß eingesunden, und er, so wie der tonigl. Landrichter Dennefeld von Her«rieden, gaben der Gemüthsstimmung aller Anwesenden den sprechenden Ausdruck, nach-dem ehcvor Herr Stadtpfarrer und Kammerer Bernhard von Herrieden in der Festprcdigtdie hohe Bedeutung dieser Feier in Beziehung auf die Würde deS PriesterthumS her-vorgehoben hatte. In Wahrheit, eS bestätigte sich auch hier die ächt katholische Liebeund Theilnahme bei diesem Feste, das so recht in katholischem Geiste gefeiert wurde.Noch möchte ich eine» Blick hinrichten auf den gefeierten JubilariuS.
ES gewährt einen herrlichen Genuß, den tieferfahrnen Mann am Abende seinesLebens eine Rundschau anstellen zu sehen, auS seinem beredten Munde die vielfachenErlebnisse seines bewegten Lebens, die Freuden und Leiden während seiner Studienzeitin Augsburg , Dillingen und in dem herrlichen Stifte Ottobeuern schildern zu hören.Mit hoher Begeisterung spricht der dankbare Schüler noch von seinen ehemaligenLehrern in diesem Stifte, deren Ruf wohl noch in spätern Zeiten nicht verklungenseyn wird, — von einem MauruS Feyerabend, Prior und Schulvräfect, dessen in<t Octavbänden geschriebene Geschichte des ehemaligen Rcichsstiftes Ottobeuern bekanntist; von dem berühmten Mathematiker und Astronomen Ulrich Schicgg, dieser Zierdeseines Ordens, dessen Kenntnisse und Verdienste auch die Negierung Seiner MajestätMar Josephs zu schätzen wußte u. f. w.
Freude und Schmerz wechseln auf der Stirne deS Verehrten, als Ausdruck deStief bewegten GemücheS, wenn er von seinem Aufenthalle erzählt in der ehemalsgefürsteten Benedictinerabtei St. Blasien im Schwarzwalde, wo ehedem Jahrhundertelang die Wissenschaft ihre Beförderer und ihre sorgsame Pflege fand. Wir erinnernnur on einen Abt Wernher, den biblischen Philologen und Literaten des 12ten Jahr-hunderts; an Kaspar I und II., Geschichtschreiber des töten Jahrhunderts; Franz I. ,in der hebräischen Literatur und vaterländischen GeschichtSkenntniß besonders bewandert,im I7ten Jahrhundert, und die Geschichtsforscher und Quellensammler Aemilian Usser-mann und Neugari; die Hiftoriographen Kreuter und Eichhorn im 18ten Jahrhundertund Andere. Aber in den weitläufigen Hallen der Klostergebäude rasseln und klappernjetzt Spinn- und Baumwollmaschinen; und in eine Fabrik sind, als sprechendes Zeichenunserer materiellen Zeit, die nur für das Dießseits zu leben und zu ringen scheint,die Räume verwandelt, in denen ehedem die Andacht, die heilige Begeisterung und diefromme Muse, fern von der Welt und des Marktes feilschendem Gelärme ihren Wohnsitzaufgeschlagen und segnend gewaltet hatten.
Mit zarter Liebe gedenkt der Jubelpriester seiner beiden Onkel, deS hochverehrtenletzten StislsabtcS zum heil. Kreuz in Donauwörth, Cölestin Beuchend Königsdorfer,und dcö beliebten VolkSrcdners Martin KönigSdorfer, dessen Christenlehren und Homilienselbst jetzt noch so geschätzt sind, daß dieselben bis in die jüngste Zeit viele Auflagenerlebt haben. Bei Letzlerem begann Jgnaz seine scelsorgliche Laufbahn in Lutzingen ,königl. Ldg. Höchftädl, und halte die Gelegenheit, während eines Decenniums sich ander Seite des wackern LandpsarrerS praktisch heranzubilden. Wie der Wanderer beimnahen Scheiden der Sonne sich noch einmal auf steiler Hohe die blühende Landschaftüberschaut, die sein Fuß durchschritten, an der sein Auge sich geweidet, so ist dasAngesicht deS Jubilars gleichsam ganz verklärt, wenn er nun im Geiste schaut, waöihm GotteS heilige Vorsehung in 73 Lelensjahren FrohcS und TrübeS beschicken, undwenn er im Dränge seines Herzens seine Gefühle hierüber im Kreise seiner trautenFreunde eröffnet.
Möge der hochwürdige Jubelgreis sich noch lange, lange erfreuen der frohenErinnerung an seine festliche Sccundizfeier, und möge ihm dann St. Michael, dessenBild jetzt seine Brust schmücket, den Verdienstorden deS ewigen Lebens erflehen I!
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