Ausgabe 
14 (29.10.1854) 44
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folgen, wie auf jede heftige vom Schmerz veranlaßte Aufwallung, und diese seineSeelenlage hat man mit dem NamenRuhe" geschmückt. Herr Tronchin, der jedemIrrthum hierüber vorbeugen wollte, verbreitete persönlich als unverwerslicher Zeugealle jene Umstände, wie ich sie in Ihrer Darstellung der Wahrheit getreu nacherzähltfinde." Den Philosophen schien ein solches Zeugniß doch zu wichtig, um eS geradezufalsch zu erklären; man schlug also einen Seitenweg ein. Wognit-re bat einen NetterdeS verstorbenen Tronchin um Auskunft, welcher auch so gefällig war und ilnn am25. Jänner 1737 antwortete,im schriftlichen Nachlaß seines Verwandten habe sichkeine Spur von dergleichen Aeußerungen gefunden, auch habe Tronchin ihm nie münd-lich etwas AehnlicheS mitgetheilt " Das beweiset aber weiter nichts, als waS buch-stäblich in den Worten liegt; denn daraus, daß ich Zc, V oder Z eine Sache nichtanvenraut, folgt doch keineswegs, daß ich sie darum auch A, B oder C habe ver-hehlen müssen, und daß Tronchin über seine Erfahrungen an Voltaire'S Sterbebettnichts Schriftliches hinterließ, bedingt rben so wenig die Wirklichkeit dieser Erfahrun-gen als ihre Mittheilung an dritte Personen. DaS Verfahren von Voltaire'S Adeptenin Betreff dieses Puncts war also um so unlogischer, da sie selbst die Aechlheit derbestrittenen Facta am besten kannten, und als Gelehrte auch Einwürfe voraussehenmußten, wie die unsrigen. Zwei Jahre hatten sie geschwiegen, das war klug; daßsie dieses kluge Stillschweigen nachher brachen, zeugt von ihrer Verwirrung, und daßsie, die ersten Köpfe Frankreichs , so tölpisch verfuhren, von einer faulen Sache, dieman um jeden Preis retten wollte, weil man sie zu der seinigen gemacht hatte. UnsernLesern aber versprechen wir für nächstens zwei Beweisstücke, die jedem Angriff trotzen;es sind dieß ein eigenhändiger Brief TronchinS an Bvnnet und die von einem katho-lischen Bischof verbürgte Erklärung der Wittwe Marquise de Billette, in deren HotelVoltaire seinen Geist aufgab.

(Schluß folgt.)

Eine Jubelfeier in Ornbau .

Ornbau , 15. Oct.Ehre, wem Ehre gebührt!" Diese Worte fandenheute bei einer eben so seltenen, als festlichen Veranlassung ihre Deutung. Der hoch-würdige Herr Decan und Stadtpfarrer zu Ornbau , Jgnaz Königsvorfer, hat nämlichheute 15. October fast am nämlichen Tage, an welchem er vor fünfzig Jahrendem Herrn die Erstlinge im hochheiligen Opfer dargebracht, nunmehr seine Secundizgefeiert. An Geist uud Leib gleich rüstig, schritt der ehrwürdige Jubelgreis den Opfer-altar hinan, um dem Allerhöchsten für die in langer Jahresreihe empfangenen Gnadenseinen Dank und seine Anbetung im heiligsten Geheimnisse auszudrücken.

Sämmtliche Capitularen des Capitels Ornban nur zwei waren zu ihremBedauern wegen Krankheit und zu weiter Entfernung zu erscheinen verhindert,mehrere Priester auS der Ferne, darunter nahe Verwandte und ehemalige ZöglingedeS Gefeierten, und eine äußerst zahlreiche Masse deS gläubigen Volkes auS allenTheilen des Capitels und der Umgegend waren herbeigeeilt, um dem hochwürdigenJubelpriester ihre Verehrung, Liebe und Freude kund zu geben.

Seit vielen Jahren wirkte der Jubilar als Landralh des Kreises Mittelfranken ,geehrt und geliebt als AlterS-Präsident, und wie sehr man seine Verdienste um Kirche,Thron und Vaterland allerhöchsten OrteS anzuerkennen wußte, dessen ist Zeugniß,daß Seine Majestät ihn zum Ritter deS Verdienstordens vom heiligen Michael zuernennen geruhten.

Aber auch sein hochwürdigster Bischof glaubte den verdienstvollen Greis fürsein Wirken im Gebiete der heiligen Kirche auszeichnen zu müssen. Die Ernennungzum bischöflichen geistlichen Rathe, eine in der Diöcese Eichstädt seltene Ehre wurdedem greisen Decan mit einem ehrenden Beglückwünschungsschreiben von Seite deSbischöflichen Ordinariates zu Theil, und um die FesteSfeier zu erhöhen, hatte sich als