Ausgabe 
14 (19.11.1854) 47
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Erstes Auch.Von den Laien.

Gnade und Friede Euch Allen, die ihr durch das kostbare Blut unsers HerrnJesu Christi erlöset, Erben und Kinder GolteS seyd; höret aber und befolget auchseine heilige Lehre und strebet in Allem den Willen GotteS zu erfüllen; denn werdagegen handelt, der ist vor seinen Augen wie ein Heide und Verächter deS Gesetzes.

Suchet vor Allem die Selbstsacht und Bcgierlichkeit, die Quelle aller Ungerech-tigkeit, auS dem Herzen zu reißen; das Gesetz lauiet: Du sollst nicht begehren, und imneuen Reiche ist schon die Begierde Sünde; überhaupt ist daS lebendige Gesetz einfachund wahr in deS Menschen Brust geschrieben: Was du nicht willst, das von Anderndir geschehe, dessen enthalte dich gegen Andere (t). Beleidiget und kränket einandernicht, denn der Fluch, welchen du über den Nächsten schleuderst, kehrt über dein Hauptzurück; ertraget einander und seyd versöhnlich, übet den christlichen Heroismus gegenEure Feinde, wie es Kindern Gottes geziemt. Besonders gilt dieses jenen, welchesich in der menschlichen Gesellschaft näher stehen, dem Gatten und der Gallin ; ausungelheilte hingebende Liebe soll der Ehebund gegründet seyn (2). Hüte dich, deinemNächsten auch nur durch dein AeußereS, z. B. durch sreche Kleidung, Veranlassung zurSünde zu werden, indem du in ihm die Begierde erregst; kleide dich anständig undnaturgemäß, so wie Gott AlleS zum Besten deS Menschen geschaffen hat; bemühe dichnicht, durch äußern Aufwand und Ziererei dich vor Golt und den Menschen beliebtzu machen, es wird dir besser durch die Schönheil und den Schmuck der Seele gelin-gen (3). Verschwende deine Zeit nicht, mir lieblosem Vergnügen den Fehlern undSchwächen Anderer nachzuspüren; suche vielmehr dein Leben dem göttlichen Gesetzeconform zu machen, forsche daher seinen ewigen Wahrheiten nach (4), wie du siefinvest in den heiligen und ehrwürdigen Büchern, welche unS die Propheten undGesandlen Gottes hinterlassen haben (5). Ober sollen bei dir die verkehrten fal-schen Ideen der Heiden mehr gelten als die göttliche Wahrheit, sollen ihre Gesetzeund Einrichtungen die Richtschnur deiner Grundsätze und deines Handelns werden?Hast du in unsern heiligen Büchern nicht eben so viel Poesie und Ledenssrische, ebenso viel philosophische Tiefe und Wahrheit; dürstet dich darnach, dann stille deinenDurst aus dem göttlichen Borne der Weisheit, dazu eben ist er unS gegeben; auchda findest du die sich immer wiederholende Lehre der Geschichte, daß ein demoralisirteö,verkommenes Geschlecht der Zuchtruihe des ewigen Richters verfällt und seinem Unter-gange entgegeneilt, während ein gotlesfürchtigeS und gesittetes Volk mit Glück undWohlstand gesegnet ist; übermüthige Tyrannen werben gestürzt und tugendhafte undgerechte Fürsten sind der Stolz ihrer Völker- Hieraus findest du Nahrung für deinenGeist und für das Herz. Hüie dich olm vor Verweichlichung des Körpers, denn sieverdüstert den Geist und macht das Herz schlaff (6). Fliehe ein srecheS, wollüstigesWeib und scheinen ihre Worte dir auch süßer als Honig, du wirst das bittere Ver-derben ihrer Umarmung erst dann gewahren, wenn ihr Netz dich umstrickt hat unddu ihr zur schändlichen Beute geworden bist, wenn Fie Schlange dein jugendsrohesGemüth ertödtet und dein Lebensmark vergiftet hat (7), Die einzig rechtmäßige Ver-bindung deS WeibeS mit dem Manne ist in der Ehe. Wie aber Gott den Drangder ausopfernden Hingebung in das weibliche Herz gelegt hat, so wollte er auch, daßdas Weib alsvann dem Manne ganz und allein gehöre; die Ehefrau soll nicht nochandern Männern zu gefallen suchen, sondern ihr Leben sey, wie unS Salomon dasBild einer treuen, bescheidenen Hanssrau entwirft: sie lheilt des Lebens Last mit demManne und sucht die rauhen Dornenwege ihm zu versüßen, der einzig sie beseelendeGedanke ist, deS Gatten Erdenglück zu bauen. Dazu nun wird eine würdige Ehefrauvor Allem Ehrbarkeil und Sictsamleil zu wahren wissen; sobald aber ein Weib sicheinmal so weil vergessen hat, daß sie andern Männern gegenüber gefallsüchtig undkokett ist, ihre Augen auf sich zu ziehen sich Mühe gibt; dann stürzt sie der Lawinegleich von Abgrund zu Abgrund und Schande und Schmach folgt ihrer Ferse, wie