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ein schädlicher Wurm zerstört sie die stille Wohnung ehelichen Glückes. An Chn'stinensollte man solches gar nie erfahren müssen; eine christliche Ehefrau wird ihren Gattendurch den reichen Schatz ihres Herzens gewinnen und an sich fesseln, nicht durch künst-lichen Flitter, und ein lasterhaftes Weib ist trotz ihrer Schönheit auch in Purpur undSeide ein furchibares Scheusal (8). Schamhaftigkcit vor den Männern ist somit desWeibeS schützender Engel und hält auch von Andern die Versuchung fern (9), Wieendlich eine sittsame, bescheidene Hausfrau deS Maunes kostbarste Perle ist, so ist cmzänkisches, geschwätziges Weib seine Plage; wehret deßhalb, christliche Frauen, eurerZunge alle Streitsucht und Rechthaberei, denn wie leicht könntet ihr schuld tragen andem Unmuthe, an der Gotilästerung eureS Mannes. Befolget diese Lehren und ihrwerdet euch dadurch Gottes Wohlgefallen erwerben und seiner Glorie euch würdig machen.
Zweites Such.
Von dem KleruS.
Zum Bischöfe werde ein verständiger und gebildeter, dabei aber herablassender,mildthäiiger und friedliebender Mann gewählt; auch sein früherer Lebenswandel sollrein seyn vou aller Ungerechtigkeit (1); er muß ein tüchtiger Hausvater seyn, dennwie kann er im Hause deS Herrn gur regieren, wenn er seiner eigenen Familie schlechtvorstand (2)? Dabei lasse er sich nicht von Zornsucht und Verschwendung leiten, ersey im Gegentheile liebevoll und gefällig gegen alle Menschen (3); seine Mildthätigkeitberücksichtige besonders jene Wittwen, welche sich nicht den nöthigen Unterhalt erwerbenkönnen und die der Unterstützung vorzüglich würdig sind; Liederlichkeit und Trägheitaber soll von ihm nickt gepflegt werden (4). Vor ihm gelte kein Ansehen der Person,er schmeichle weder den Vornehmen, noch verachte er die Armen; fern von Aufwandund Vergnügensucht soll sein Sinn stets darauf gerichtet seyn, wie er die ihm anver-traute Heerde mit aller Schonung nnd Geduld ihrem Heile entgegenführe (5), Ersey deßhalb nicht nur selbst frei von allen bösen Leidenschaften und weltlichen Gelüsten,von Habsucht, Schmähsucht, Rachsucht, Herrschsucht u. f. w, er bemühe sich auchdiese Laster bei seiner Gemeinde durch Wort und Beispiel auszurotteu (6); denn diesollen heilig seyn, welche der Kirche Christi angehören (7). Wird Jemand ungerechterWeise von den Ungläubigen verleumdet, der tröste sich, daß Gott seine Unschulv kenne;ist er aber eines Verbrechens überführt und will sich durchaus nicht bessern, den sollder Bischof von seiner Gemeinde ausschließen (8); dabei lasse er sich aber nicht durchdas Ansehen oder den Reichthum der Person bestimmen, diejeS soll sein Urtheil nichtblenden und bestechen (9); denn dadurch würde er die Strafe, welche dem Verbrechergebührt, auch über sich herabruseu, er würde zum Verräther an seiner Würde an derKirche und sein Respect wäre dahin (10). Er, der die Stelle Christi auf Erden ver-tritt, sell auch seine Gerechtic-keit sich zum Vorbilde nehmen (ll), ebenso aber GottesLangmuih und Erbarmung (12), welche zuvor AlleS versucht, den Ucbel-Häter zubessern und nur an dessen Bekehrung, nicht an der Strafe eine Freude hat (13). Ernehme somit den reuigen Büßer in Gnaden auf, ohne sich um jene zu kümmern, welcheda sagen, man solle sich nicht durch den Umgang mit Sündern beflecken; Gott ver-bietet ja nur an ihren sündhaften Handlungen Theil zu nehmen und verdirbt nie denGerechten mit dem Sünder, er rechnet nie die Schuld des Einen dem Andern an (14).Soll er nun den bereits dem Ertrinken Nahen nicht ins Wasser zurückstoßen, so darfer doch nicht blind und nachlässig seyn gegen die Sünden des Volkes, er verbindeLangmuth mit weiser Gerechtigkeit (15). Hat also Einer wirklich gefehlt, dann seyer vom Gottesdienste ausgeschlossen, auf Buten der Diaconen lasse ihn der Bischofvor sich kommen, und zeigt er Reue, so werde ihm eine Buße von längerer Zeit,etwa Fasten, je nach dem Verhältnisse des Vergehens, auferlegt, denn der Bußfertigesoll nie gänzlich verstoßen werden (16). ES ist klar, daß der Bischof selbst rein seynmuß, wenn er zu Gericht fitzen will, damit er nicht Aergerniß gibt und seine Laster-hastigkeit nicht die ganze Heerde anstecke; denn das HauS GotteS soll keine Räuber-