Vierzehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Po Leitung.
26. November ^8. 1854.
Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Gonutage. Der halbjährige Abo»uement«prel<
^0 kr wofür e« durch alle köuigl. bayer. Poüämter und alle Buchhandlungen bezogen werden k--uv.
Eine Feier des Tt. LeonhardStageS.
Ij Am südwestlichsten Abhänge des Frankenjura, eine Stunde links von derDonau , erhebt sich 1630 Fuß über die Meereöfläche, auf einer von Buchenwaldungenumkränzten Hochebene, das zur Pfarrei Vellheim cingepfarrte Dörfchen GermerSfeli',mit 29 von Söldnern bewohnten Häusern, und einem dem heiligen Leonhard gewid-meten Kirchlein. Ueberraschend ist das Panorama, das sich nach allen Seiten aufdieser von mächtigen Feldern umgebenen Kuppe darbietet. Gegen Norden erblickt »ianauf wellenföimigen, mit dunkeln Waldungen bedeckten Bergen, auS denen hie und dahellgraue Felsenmassen hervorschauen, die hochgelegenen fränkischen Dürfer EberSwang,HaunSseld, Schcerenfeld, Haart, und auf hohem Bergkegel die Beste WildSburg.Gegen Osten schweift der Blick die Donau entlang, über die weite Ebene JngolstadtSund einen Theil Altbayerns , während oberhalb, wie auf Wolken thronend, das hoch-gelegene St. WolfgangSkirchlein sich zeigt. Gegen Süden verliert sich über die Donau und dem Lcche aufwärts das Auge in dem von den Allgäuer Alpen und ihren mitewigem Schnee bedeckten Gipfeln gebildeten Hintergruud; während westlich die waldige,mit anmulhigen Ortschaften z. B. Biberbach, Klosterholzen gekrönten Anhöhen deSSchmnttcrtha eS, j,.: selbst die Kirchthürme von Höchstädt und Dilingen die Blickebrechen. Mitten im Dörfchen auf freiem Platze erhebt sich daö Kirchlein mit seinemüber 10t) Fuß hohen Thurme, unter dessen runder Knppel sich der Blick in unermeß-liche Ferne erweitert und diese Stelle deßhalb häufig zu trigonometrischen Vermessungendiente. DaS ganze Jahr herrscht große Sülle im Dvrse. Wie bei einem tüchtigenLandregen von den Bergen herab Gießbächlein fließen, zusammenströmen und endlichin einen Fluß sich mündend, diesen zum Strom anschwellen, so sendet in der Umgegendf.!st jedes Hc-.uS seinen Stellvertreter. Deßhalb sieht man am St. LeonhardStage amsrüheu Morgen von allen Seiten her, von Nah und Fern, Schaarcn Andächtiger herbei-waUcn, um die Fürbitte dcö heiligen Leonhard anzuflehen. nm Erhaltung desViehstandeö, da schon häufige Seuchen die Menschen nöthigien, den Blick nach Obenzu richten. Dieses Tageö Fn'cr zu schildern soll das Folgende bestimmt seyn, wenigerdieß ansehend als ein wichtiges Weltereigniß, als vielmehr einen alttn frommen Ge-brauch darzustellen, der von Jahr zu Jahr mehr abnimmt.
Grauer Wolkenschleicr hing an den Bergen und im Thale lag dichter Nebel,eine wahre Arnienseelen-Witternng, nnd nur dann und wann ließ der Himmel seinblaneS glänzendes Festkleid sehen, sonst war er allenthalben grau und wolkenbedeckt,es fingen an sich Schneewolken zu bilden und frostig strich der Wind über die frischzugebauten Felder, als ich den steilen Felsenberg erstieg, um mich bei diesem Festeeinzufinden; der Herbst halte die Blätter deS WaldeS, durch den mich mein Weg führte,gefärbt, großenteils herabgestreift, den Boden mit gelbem, rothem und braunem Laub