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bedeckt und den ganzen Wald gegen daS einförmige Grün der Föhren und Fichtenbunt und lebendig schattirt; die Freuden deS Sommers gehen zu Ende, ohne daß dereigentliche Winter begonnen hätte; die Holzart schallt in den Wäldern, und Brenn-holz in Klaftern aufgeschichtet steht links und rechts, und der bunte Nnßhäher krächzteunverschämt nahe. ES ist ein erquicklicher Anblick, wenn man ans dem Walde herausschreitet und plötzlich ein Dörfchen vor sich sieht, wo jedes HanS seinen mit herbstlichgesärwcn Tannen und Dornenhecken umzäunten Garten hat und die braunen Ba kenfreundlich aus dem Weiß der Wände hervortreten. Fortwährendes Glockengeläutedurchschallt die Luft und bnngt etwas Leben in die Sülle des Morgens, andeutendschon in die Ferne, daß hier ein festlicher Tag angebrochen sey; waö auch die Leutedurch die fröhliche Darbringung deS Morgengrußes anzeigen und die große Versamm-lung um die Kirche.
Allmälig füllt sich das Kirchlein; die Mannsleute mit spitzzulaufenden Filzhüten,in dunkelgrane tnchene Mantel gehüllt, mit bcblümten Westen zn beiden Seiten mitstachen silbernen Knöpfen, unter denen bei Manchen eine breite silberne Nhrkctle, oderin der sckwarzlcderuen Hose ein silberbeschlagener Griff eines Messers mit abgeknickterSpitze hervorguckt, mit hohen Kniesticfeln, beiden Jüngern glänzend gewichst, nehmenden Platz aus der rechten Seite ein. Die WcibSleute "mit dunklem Spenzer, schwarzerSckürze auf buntem Rocke, denn eö ist Seelenzeit, nnd schwarzer Haube, mit gleich-farbigen am Kinn geknüpften Bändern, daS volle rolhe oder auch blasse Gesicht ein-schließend, nehmen die linke Seite der Kirchenstühle ein. Die Glocken läuten zusammen,das Hochamt mit Predigt beginnt, alles ist gespannt, wer wohl daS Wort GolteSvortragt; endlich tritt der Fcstpredigcr ans die Kanzel und dießinal war es die GestaltcincS ehrwürdigen CapucinerS in der Person des verehrten P. Cyprian Radam, ausdem Kloster zn Eichstädt, zur großen Freude der Landleute; denn diese halten garviel auf die Benediction eines solchen Ordenspriesterö. Nachdem der Redner im Ein-gange eine kurze LebenSbkschreibnng des heiligen Leonhard gegeben, fuhr er fort, daßdieser Heilige nicht deßhalb so berühmt geworden, weil er Alles verlassen habe, waSauch heidnische Weltweise gethan hätten, sondern weil er dem Herrn nachgefolgt sey.Er hätte sich dnrch sein Ansehen und Vermögen wohl in der Nähe einen Namenmachen können, aber durch sein frommes Leben sey er heilig und weit über seineHeimat berühmt geworden, wie denn besonders in Frankreich sein Fest vielfach gefeiertwerde. Da er jedoch auch als Fürsprecher für Erhaltung des Viehstandes angerufenwerde, so wolle er hente die Pflichten darstellen, die der Christ gegen die Thiere, nochmehr aber für seine eigene Seele und sür daS Heil seiner Mitmenschen habe. Inangenehmem Vortrage und ans die faßlichste Weise stellte er nun den Nutzen der Thieresür die Menschen dar, führte den Salomonischen Spruch: „der Gerechte erbarmt sichseines NicheS, aber das Herz des Gottlosen ist grausam," weiter ans. Es sey aberkein Wunder, wenn Gott öfters die Menschen mit dem traurigen Anblicke einer Vieh-seuche strafe, da nicht allein die Sünde der Thierqnälerei vielfach verübt, sonderndurch Fluchen und allerlei Sünden in Stallen der Segen Gottes vertrieben werde.Man solle auf schonende reinliche Behandlung der Thiere sehen, und an den Dienst-boten kein sündhaftes Benehmen dnlden. Wie man aber hierin besondere Pflichtenhabe, so soll man mich diese nicht zu weit ausdehnen, seine Mitmenschen nicht hilfloslassen, kranke arme Dienstboten nicht auS dem Hause verstoßen und schonender mitden Thieren als mit den Menschen umgehen. Man soll sür sein und seiner Mit-menschen Seelenheil und christliche Vervollkommnung trachten, dann wird auch dieFürbüte deS heiligen Lcouhard Nutzen gewähren. — Ich hätte gewünscht, diese prak-tische und brauchbare Predigt gedruckt zu haben, sie wäre mir lieber, als so manche,nur auf vielseitiges Verlangen gedruckte Predigt. — Aufmerksam und gespannthatte Alles zugehört und zog nach dem Hochamte paarweise processionalüer auf dengeräumigen Wiesplatz östlich vom Dorse und der ganze Zug schloß sich in einen engernKreiS; während bereits die Reiter mit ihren schön geputzten Pferden, die wohlgenährtenOchsen paarweise an Ketten geführt und der Hirt mit der Kühheerde sich aufgestellt