Ausgabe 
14 (26.11.1854) 48
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Hot, welch Letzterer keine geringe Mühe hat, die in Front aufgestellte Heerde in Ord-nung zu erhalten. In andächtiger Stille steht daS Volk da, der Geistliche lieSt dieBenediction, gibt den Segen mit dem St. LeonhardSpartikcl, während der alte Meßnerihn leise aufmerksam macht und wi'Spelt zc. Nach der Segenscrthcilung öffnet sich derKreis, in sausendem Galopp eilen die Reiter der Kirche zu, dumpf grollt die Erdeunter den mächtigen Hufschlägen der flüchtigen Nenner, immer schneller fliegen dieReiter dahin und nur selten gelingt eS Einem dem Andern vorzukommen, der felsigeFußboden um die Kirche eutseudel durch die Schläge des Eisenö nicht selten Funken;denn dreimal muß die Kirche umritten werden, und was keine Kleinigkeit im Galoppist, der Hut vor dem Eingänge der Kirche herabgethan werven. Früher waren dieReiter sehr zahlreich erschienen und nahmen sich, da der Landmann noch auf seinegewohnte Tracht stolz war, in ihren scharlachrothen Feiertagswesten und dreifachemSpitzhute (und dreifacher Versicherung, wie eS ehemals hieß) sehr gut aus, zudem hatteauch jeder einen Zwerchsack vor sich auf dem Pferde, der mit Getreide gefüllt deinheiligen Leonhard zum Opfer bestimmt war, und nach dessen Füllung der ReichthumdeS Reiters bemessen wurde. Diese verzeihliche Großthuerei gereichte dem hl. Leoahardzum größlen Nutzen, seit ein paar Jahren hat die Ausklärung dieß abgebracht, unddaS ohnehn knappe Röcklein deS heiligen Leonhard wird immer mehr zugestutzt, mansieht nur hie und da noch ein andächtiges Bäuerlcin vor dem vor der Kirche vomMeßner schon am grauen Morgen auf einem mit weißen Linnen bedeckten Tischchenaufgestellten schon gezierten Bildstöckchen deS heiligen Leonhard ein Gclvopfer in dieBüchse legen.

Ist der Zug wieder in die Kirche zurückgekehrt, und haben die indessen in derKirche Zurückgebliebenen ihre Gebete vollendet, so kehrt alles wieder nach Hauseund die alte Stille tritt im Dörfchen wieder ein. Von einem Unfälle vernahm mannie etwas.

Die Concilien des ersten christlichen Jahrhunderts.

Die apostolischen Constitntionen.

Drittes Buch.

Von den Wittwen.

Als wahre und eigentliche Wiltwen sind von der Kirche nur jene Frauen zubetrachten, welche nach dem Tode des ersten MauneS geloben, ihre Tage dem Herrnzu weihen, ihre Kinder gotiessürchtig zu erziehen und den Werken der christlichenLiebe ganz zu leben, nach dem Vorbilde der Wittwe von Sarepta und der Anna,PhanuelS Tochter. In den eigentlichen Witlwenstaud sollen deßhalb nur Frauen vonscchz'g Jahren ausgenommen werden, welche ihrem Stande Ehre machen und ihr heil.Gelöbnis) nicht leichtsinnig brechen (l). Eine zweite Ehe ist aber nichts sündhaftes undist auch gestattet, wenn dadurch kein Gelöbniß gebrochen wird, eine dritte cder vierteEhe wüne indeß schon von nicht gar großer Enihaltsamkcit zeugen; deßhalb sollenauch jüngere Wittwen, wenn sie dessen bedürfen, unterstützt werden, damit sie nichtauS Noch zu unehrbarem Lebensunterhalt greifen (Z). Die eigentlichen Wittwen abersollen wie Gotlgeweihle betrachtet und vom Bischöfe unterstützt werven, wie Alle,welche seiner Hilfe bedürfen (3); denn der Bischof hat die gespendeten Gaben unterjene, welche eS am meisten bedürfen, zu vertheilen und er wird Gott für seine Ver-waltung Rechenschaft ablegen müssen (^i). Eine wahre Wittwe aber ist mäßig, ent-haltsam, sanft, ohne Bosheit und Zorn, weder verleumderisch noch geschwätzig, siewird die Fehler Anderer nicht herumtragen, und wenn Jemand über GlaubeuösachenAusschluß w-inscht, ihn an die Vorsteher weisen; am wenigsten wird sie die heiligenGeheimnisse verrathen; denn den Ungläubigen soll keine Gelegenheit gegeben werden,über die Menschwerdung und daS Leiden Christi zu spotten und zu lästern (5). Frauen