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sollen sich überhaupt nie daS Predigtamt anmaßen, denn Christus hat nicht Frauen,sondern seine Apostel zur Verkündigung seiner Lehre anscrwählt; sie sollen sich derGottesfurcht und Eiugezogenheit befleißen und vom Altare fern bleiben (6). EineWittwe sey ernst und ehrbar, gehorsam in Allem dem Bischöfe und den Priestern;denn das find keine wahren Wittwen, welche die Häuser der Reichen belagern undvon fremdem Gute schwelgen, oder ihr Herz an irdische Güter und Genüsse bangen;sie sollen wie die frommen Wittwen veS alten und dcS neuen Bundes ihren Lebens-unterhalt so viel als möglich selbst erwerben und für die Kirche fleißig beten (7),Am wenigsten soll eine Wittwe oder sonst Jemand von solchen eine Gabe nehmen,deren Erwerb ein unehrlicher ist, denn er befleckt sich damit und sein Gebet für denWohlthäter betrübet Gott (8). Wie die Frauen aber nicht predigen dürfen, so sollensie auch keiue Taufe voruehmen, das streitet nämlich gegen das göttliche Gesetz, nurvon den Heiden sind den Frauen priesterliche Verrichtungen gestattet (9). Ucberhauptsoll sich kein Laie daS Priesteramt anmaßen, dieses wird nur durch die HändeauflcgungdeS Bischofs ertheilt (l9); ebenso sollen Minoristen nicht die Funktionen der Diaconen,und diese nicht die der Priester vornehmen; dem Bischöfe allein aber steht die Ordina-tion zu (11). Die Wittwen sollen sich in Allem nur daran halten, was ihrem Standegeziemt, Neid unv Mißgunst, Schmähsncht und Hader ziemen sich wie für keinenChristen, so auch nicht für die Wittwen (12); sie haben die besondere Verpflichtung,für ihre Wohlthäter zu beten (13). Ist dagegen eine Wittwe in so günstigen Umstän-den, daß 'sie nicht nur selbst keine Unterstützung bedarf, sondern auch noch Almosengeben kann, dann soll sie sich nicht vor aller Welt rühmen und Andere geringschätzen(14). DeS SchmähenS und Verlenmdens aber sollen Witlwen sich gänzlich enthalten,wie dieses keinem Christen gnt ansteht, und die Bischöfe haben darüber zn wachen, daßsolche in der Kirche nicht vorkommen; die Bischöse sollen ferner nur Windige zn ihrenGehilfen und zn Diaconissinen wählen, denn letztere sind deö Anstandes halber noth-wendig — z, B. bei der Taufe von Frauen (15). Der Bischof salbt nämlich dasHaupt deS Täuflings, nnd er oder seine untcrgcordneten Gehilfen, die Priester, sprechenüber ihn den Namen und die Anrufung GottcS des Vaters, deö SohneS nnd desheiligen Geistes aus und taufen ihn mit Wasser, während ihm, wenn er ein Mannist, dabei ein Diacon, wenn eine Frau, eine Diaconisiin beisteht, nachher salbt derBischof den Gelanflen mit dem heiligen Chrisam (Ilz). Die Taufe wird somit auf diedrei göttlichen Personen ertheilt, auf den Vater, den Urquell alles Guten, auf denTod Jesu Christi und die Gnade deS heiligen Geistes, daS Kreuzzeichen sinnbildet dasLeiden, das Wasser die Bec>räbniß, das Oel die Gnade und das Chrisam die Bestär-kung der Bekehrung (17). ' Der Getaufte betet im Namen der gläubigen Gemeindedas Gebet deö Heirn; er soll sich von nun a» aller Gottlosigkeit und aller WerkedcS Satans enthalten und ein keusches, reiueS und heiliges Leben führen; wie wirauch als Kinder Gottes beten: Vater uuser, der du bist .... vou allem Uebel. Deinist daS Reich, und die Macht und die Herrlichkeit deö VaterS und des Sohnes unddes heiligen Geistes, jetzt unv immer nnd in alle Ewigkeit, Amen (18). Die Diaconenseyen rein und ohne Makel, wie der Bischof selbst. Ihre Zahl richtet sich nach demBedürfniß und ihnen liegt ob, die Männer zn bedienen, wie den Diaconissinen dieFrauen; sie haben die Botendienste zn versehen und am Allare zn dienen; sie sollenihre Geschäfte mit Eiser und Liebe verrichten, und die Dürfn'gen versorgen (19). DerBischos werde wenigstens von zwei Bischöfen vrbinirt, die Priester und die übrigenKleriker von einem Bischöfe; den Priestern kommt daS Predigen, Taufen, daS heiligeMeßopfer und die Segnungen zu, die Diaconen aber sollen dem Bischöfe und denPriestern im heiligen Dienste beistehen (20).
Viertes Auch.
Von den Waisen.Die Gläubigen sollen besonders der armen Waisen sich annehmen, und diejenigenwerden sich Perdienste vor Gott sammeln, welche, wenn sie kinderlos sind, solche