Ausgabe 
14 (24.12.1854) 52
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seyn, daß eS also ganz besonders verdient, unsere Aufmerksamkeit aus sich gelenkt^ zusehen. Keinem Gebildeten ist es wohl unbekannt, daß Rußland bis jetzt alle Augsichthat, eine Weltmacht zu werden; mag eS auch im Westen einstweilen noch zurück-gewiesen werden, so hat eS doch an seinem nichts weniger als bedeutungslosen Sibirien (man vergleiche hierüber die osteuropäischen Thesen in den histor. polit. Blättern) denSchlüssel zu Hochasien, und gelangt eS da zur Herrschaft, dann ist nicht abzusehen,wie weit es seine eisernen Arme ausstrecken, welche Kämpfe eS insbesondere der katho-lischen Kirche bereiten werde.

Wir sind nun freilich nicht im Stande, die Plane der Vorsehung zu erforschen;aber es ist unsere heilige Pflicht, drohenden Uebeln nach Kräften vorzubeugen. Daskann und soll nun auch im vorliegenden Falle geschehen. Wenn eS mit GotteS Gnadegelingt, den katholischen Glauben in Ost- und vielleicht auch Hochasiens Boden festeinzupflanzen, ehe noch der Riese eS an seinen ehernen Busen drückt, so ist seine Kraftgelähmt, wenn nicht ganz gebrochen. Eine andere Frage ist freilich die, ob dieß auchmöglich sey? Darauf antworten wir mit Thatsachen . Schon der heilige FranciscuSvon Zcavicr wollte sich mit allem Ernste der Bekehrung des sogenannten himmlischenReiches widmen, da er aber im Angesichte dieses Landes aus diesem Leben hinwcg-genommen ward, übernahmen andere Missionäre aus dem Orden deS heiligen JgnatiuS,DominicuS und FranciScuS das apostolische Werk. Ihrem Wirken folgte reichlicherSegen; leider aber litt daS kaum ausblühende Christenthum bald unter den bekanntenverhängnißvollen Streitigkeiten. Auch blutige Verfolgungen kamen hinzu, und dabesonders die Jesuiten sich zu wenig mit der Heranbildung eingeborner Priester befaßten,auch der Errichtung von BiSthümern und apostolischen Vicariaten viel zu sehr entgegenwaren, so war diese Hecrde jedesmal verwaist, so oft die europäischen Missioncne indie Verbannung oder zum Martertode gehen mußten. Erst dem hochseligen PapstGregor XVI . war eS vorbehalten, die Kirche Chinas neu zu organisiren; Corea,Hukuang, Kiangsi, die Mandschurei, die mongolische Tatarci und Amman erhieltenin den Jahren 1833 u. 1839, Honan , Kuectscheu, Schcmgtong, Scheust und Tsche-kiang im Jahre 1846 apostolische Vicare mir bischöflicher Würde. Das gleiche Glückwurde um 1846 den Provinzen von Mittel- und Süd-Tonking, so wie Unter-Cochin-china, und 1852 den Missionen von Ober-Cochinchina und Cambodja zu Theil, sodaß gegenwärtig für ganz China 3 Bisthümer (wovon aber 2 Peking und Nan-king nur administrirt werden),' 22 apostolische Vicariate und die 1848 errichtetePrüfectur von Hongkong für Canton (Stadt und Provinz), Kuangsi und Hainan bestehen, und die Coadjuloren eingerechnet die Zahl der Bischöfe sich auf circa37 gehoben hat. Fast jede Diöcese hat ihr Seminar znr Heranbildung inländischerPriester, die freilich im eigentlichen China meist noch auf ziemlich schwachen Füßenstehen, in Tongking aber wirklich blühen, wie man auS dem Umstände ersehen mag,daß Weft-Tongking im I, 1852 67 eingeborne Priester, 9 Diaconen, 5 Snddiaconen,8 Minoristen, 4 Tonsuristen, 33 andere Theologen und in 5 Collegien 240 Latein-schüler zählte. Freilich stand diese Mission von jeher unter spanischen Dominicanern,die frühzeitig schon auf Heranbildung inländischer Priester bedacht waren, weßhalbauch heutzutage noch unter den 15 Millionen Bewohnern Anoms sich mehr Christen(über 600,000) befinden, als unter den 300 Millionen des übrigen Chinas, obgleichdie Verfolgungen bis auf unsere Tage herab sicherlich nicht minder heftig wütheten.

Ein wichtiges Institut, dem menschlicher Weise die Erhaltung des Christenthumsin China wohl größtentheils zu verdanken seyn möchte, ist der Stand der Katechisten.Zu dieser Würde werden gewöhnlich die tüchtigsten, rechtschaffensten und eifrigstenNeubekehrten auserlesen, wenn nicht schon eigene Anstalten zu ihrer Heranbildungbestehen. Die Katechisten sind die gewöhnlichen Stellvertreter der Missionäre in deneinzelnen Gemeinden, sie unterrichten die Katechnmenen, verrichten Meßnerdienste,halten mitunter auch Schule, sind die verläßigsten Täufer u. s. w., kurz sie leisten imAllgemeinen wirklich sehr viel, und ersetzen vielfach die ohnehin so übermäßig inAnspruch genommenen Priester. Daher wird auch auf ihre Ausbildung große Sorgfalt