Ausgabe 
14 (31.12.1854) 53
Seite
417
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Vierzehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger pojheitung.

31. December M SS. 1854.

DicseS Blatt erscheint rsqelmäßiz aA« Gonstag«. Der halbjährige Abuouemcnlsvrei«fr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Poüämter nud alle Buchhaudlunfl-n bezog?« werde» k^n».

Die katholische Kirche in China.

(Schluß.)

AlleS Bisherige steht in einem natürlichen Zusammenhange mit dem Vereine derheiligen Kindheit. Zu einem so außerordentlichen Werke, wie daS erwähnte ist, bedarfeS auch außerordentlicher Mittel, diese soll nun eben größtentheilS der Verein derheiligen Kindheit liefern. Seine Aufgabe ist eine dreifache. Kr soll

1. möglichst vielen sterbenden Heidenkindern, sie mögen nun ausgesetzt seyn odernicht (wir kommen darauf noch ausführlicher zurück), den Himmel öffnen, damit siedort am Throne Goltcs sürbitten. Ihre Zahl belauft sich bereits über eine Million.- Er soll

2. so viel eS in seinen Kräften steht, die Mittel verschaffen helfen, um arme,verwaiste, verstoßene oder verwahrloste Kinder aufnehmen, erziehen und zu bravenGliedern der Kirche, wie der Gesellschaft heranbilden zu können. Wir sagen, er sollhelfen, denn im Allgemeinen thun die Christen in China ihrerseits hiesur, was sienur immer können, ja sie bringen nicht selten die größten Opfer, aber ihre Kräftereichen bei weitem noch nicht auS.

3. Soll der Verein der heiligen Kindheit theilweise auch zur Errichtung vonVolksschulen behilflich seyn, denn ohne solche wird es immer schwer, oft fast unmöglichseyn, eine hinreichende Anzahl gehörig befähigter Candivaten des Priesterthums nnd deSso wichtigen KatechistendiensteS zn findm, Ueberdieß bedarf es keiner weitern AuS»einandersetzung, wie wichtig die Volksschulen auch zur Hebung deS gemeinen Volkesan sich schon sind, welchen Einfluß sie auf die noch heidnischen Stammgenosscn machenmüssen u. s. w.

Zum Schlüsse noch einige Bemerkungen über den 1. Punct. ^Es scheint die Ansicht starr verbreitet zn seyn, als seyen alle die Heivenkinder,die in China jährlich getauft werden, ausgesetzte Kinder. Das ist nicht der Fall.ES sind durchgehends solche, die dem Tode nahe sind, aber weit die größte Zahl sehennur einem natürlichen Tode entgegen. Nur in den Küstengegenden von Pekingangefangen bis herab nach Canton und in den großen fruchtbaren Ebenen amHoanghv und Jantsekiang mit ihrer übermäßigen sittenlosen Bevölkerung vorzüglichin den ungeheuren Städten, herrscht die abscheuliche Sitte, alle schwächlichen oderüberflüssig scheinenden Kinder auszusetzen, oder gleich selbst zu tövten. Die Zahl dieserunglücklichen Schlachropser mag nun freilich alljährlich eine Entsetzen erregende Höheerreichen; aber wer wäre im Stande, sie alle zu taufen oder auch nur zu zählen?denn das Laster sucht in der Regel doch auch hier das Dunkel. Ein nicht unbe-trächtliches Conlingent zur Zahl der Täuflinge biiven jene Kinder, die in sogenanntenkaiserlichen Waisenhäusern zwar langsamer, aber fast eben so sicher dem Tode entgegen-geführt werden.