Ausgabe 
5 (12.1.1845) 2
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besträften, kämpfen gegen das Bisthum durch alle Inſtanzen; undwenn es in St. Gallen nicht zum Aufſtand gekommen, ſo liegtder Grund vielleicht einzig darin, weil die Radicalen bereits imBeſitz der Regierungsgewalt ſind. Zuerſt wurde das Volk gehetzt,die Geiſtlichkeit verleumdet, als gelüſte ſie nur nach Geld undArmengut, nach Ehre und Wohlleben; Petitionen wurden zuſam-mengeweibelt und der Volkswille gegen das Bisthum vorge-ſchützt. Jetzt haben 10,748 Petenten, alſo ſchon die größereMehrheit der Katholiken für das Bisthum petitionirt; nun ſchim-

pfen die Radicalen über das Petitioniren, dichten allen 10,748

Petenten die ſchlechteſten Zwecke an(die Radicalen haben nur hei-lige Zwecke!) und verleumden ſie auf jede Art. In den Behör-den werden alle Künſte und Kniffe in Anwendung gebracht. Imkatholiſchen Großrathcollegium begannen die Radicalen den leiden-ſchaftlichen Kampf, aber ohne Erfolg. Darauf ſollte der Kl. Rathſein Gutachten über die Sanctionsertheilung abgeben: er hielt da-mit ſo lange zurück, daß der Große Rath nicht in die Frage ein-treten konnte. Nun hat der Kleine Rath in ſeiner Mehrheit be-ſchloſſen, auf Sanctionsverweigerung beim Großen Ratheanzutragen. Dieß kann verfaſſungsgemäß nur geſchehen, wenn fürden Staat eine Gefährde aus dem Bisthum erwachſen ſollte.Welche Gefährde dem Staat von einem Biſchof erwachſen ſoll,begreift ſich nicht leicht. Daß das katholiſche Volk und die Geiſt-lichkeit das Bisthum verlangt, iſt den Radicalen geradezu ein An-trieb zur Verweigerung. Wahrlich, jeder Tag lehrt uns, daß derRadicalismus auf die katholiſche Kirche als ſolche kämpft, ein Boll-werk nach dem andern niederreißen und zerſtören will. Wie noth-wendig iſt es daher, daß die Katholiken zuſammenhalten, daßſie ſich nicht durch abweichende Anſichten über untergeordnete Dingeſich ſpalten laſſen.

Deutſchland.

Trier, den 26. December. Gemäß Verordnung unſereshochwürdigſten Biſchofs und demnächſtigen Erlaſſes des General-vicariats vom 8. Nov. I. J. ſoll künftighin zum bleibenden An-denken an die Ausſtellung des heiligen Rockes die glänzende Kund-gebung des katholiſchen Glaubens und der wahren Frömmigkeit,die dabei zum Vorſchein getreten, ein beſonderes Feſt zum heiligenRocke in Verbindung mit den anderen vorzüglicheren Leidenswerk-zeugen des Herrn, der Nägel und Lanze, wie dieß ehedem der Fallwar, wieder eingeführt und auf den Mittwoch nach dem drittenSonntag nach Oſtern verlegt werden. In dem größeren Ritualevom Jahre 1766 ſteht auch noch auf feria VI. post Dominicamin albis festum S. Tunicae, clavorum et lancae, duplex 2.class. angemerkt. Weil nun aber jener Mittwoch einmal als Bet-tag gefeiert werden ſollte und doch wieder bisher kein Gegenſtanddes Feſtes vorhanden war, ſo daß die Geiſtlichen nicht wußten,worüber ſie an dieſem Tage predigen und was für einen Abſchnittaus dem Evangelium ſie dem Volke vorleſen ſollten: ſo hat manſehr paſſend und zweckmäßig jenes Feſt zum heiligen Rocke aufdieſen Tag verlegt. Er ſoll zwar einigermaaßen immer noch alsRogationstag erſcheinen und nicht ſo ſehr in äußerlicher Pracht

gefeiert werden; doch aber wird allen Pfarrern dringend zur Pflicht

gemacht, mit dem Hochamte eine dem Gegenſtande des Feſtesdurchaus angemeſſene Predigt zu verbinden. Zu dem Ende ſolldieß Feſt ſowohl auf Epiphania des nächſten Jahres als den Sonn-tag vor jenem Mittwoch dem Volke gehörig bekannt gemacht wer-den. Dieß iſt die beſte Antwort, die unſer Hochwürdigſter Herr

Biſchof auf alle jene Schmähungen gibt, wie ſie ſeit einiger Zeitvon allen Seiten her und aus ſo vielen Blättern wider ihn aus-geſpieen werden. Gewiß wird das gläubige Volk unſerer Diöceſedieſes Feſt mit großer Freude begrüßen und auch den Pfarrernwird die Einrichtung deſſelben ſehr angenehm ſeyn. Nun wird

das Froſtige, was dieſer Tag bisher im kirchlichen Leben hatte,verſchwinden; er wird ſich den übrigen Feſten würdig anreihen undeine bleibende Erinnerung an jene glorreiche Pilgerfahrt und alle damit verbundenen Segnungen ſeyn. Nun wird das Andenken an

jenes koſtbare Kleinod ſo leicht ſsich nicht verlieren; vielmehr wird es fortleben im katholiſchen Geſchlechte als ein ſtetes Mahnzeichen,die Einhelt des Glaubens unzertrennlich zu bewahren, als einDenkmal von der Macht dieſes Glaubens und als ein Triumph-zeichen ſeiner Siegeskraft über alle feindlichen Mächte. So weniglaſſen wir uns durch die gemeinen und niederträchtigen Schmähun-gen, mögen ſie woher immer kommen, irre machen oder einſchüch-tern, daß wir dieſes verhöhnte Gewand ſogar zum Gegenſtandeeines kirchlichen Feſtes erheben. Was kümmern uns Jene, die ſichin frevelndem Leichtſinne vom Kleide Chriſti abgelöſ't haben? Wiraber wollen die Fäden unſeres Glaubens in unzertheilter Einheitbewahren; und daß dieſes geſchehe, davon ſoll uns des Herrn Tu-nica eine fürdauernde Bürgſchaft ſeyn. (Katholik.)

Türkei.

Konſtantinopel. Das franzöſiſche Gouvernement hat inKonſtantinopel ein Collegium gegründet, das unter der Leitung vonGeiſtlichen aus dem Orden des hl. Vincenz von Paula ſteht.Dieſe Anſtalt, die bis jetzt die einzige derartige im Lande iſt, hatſchon Erſtaunliches geleiſtet. Die Anzahl der Zöglinge nimmt mitjedem Tage zu, und es iſt einleuchtend, daß das Gebäude, ſoausgedehnt es auch iſt, mit nächſtem erweitert werden muß, wes-halb auch M. Bourquenay bereits die nöthigen Schritte bei derPforte gethan hat. Außerdem befindet ſich auch in Sidon einfranzöſiſches Collegium, zu deſſen Unterhaltung Louis Philipp ausſeiner Privatcaſſe alljährlich gegen 10.000 fl. beiſteuert. Türken,und ſelbſt Mollah's vertrauen ihre Kinder dieſen Schulen an,

* Das Gebet des hl. Ignatius:Anima Christi.

Die Seele Chriſti ſey mein Heil;Durch Chriſti Leib werd' mir zu TheilDaß dieß mein Herz geſunde.Mich tränke Jeſu heil'ges Blut,Mich waſche rein und mache gutDer Quell aus Jeſu Munde.

Du guter Jeſus höre mich,Heft' unzertrennbar mich an Dich,Vor Satans Pfeilen ſchirme mich,Im Todesſtreit berufe mich,In deine Nähe hole mich,Daß ich voll Jubel ewiglich

Mit deinen Engeln lobe Dich.

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