Ausgabe 
5 (12.1.1845) 2
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der Zeit und obgleich es noch lange dauern mag bis England ganzkatholiſch wird, ſo hat dieſes Land doch nicht lange gebraucht, umeinen ganz veränderten Anblick in vielen ſeiner Kirchen darzubieten,einen ganz andern Geiſt in ſeinen öffentlichen Einrichtungen kundzu geben und ſogar Ton und Sitte in ſeinen geſellſchaftlichen Ver-hältniſſen zu ändern. Dieſe katholiſche Richtung iſt in der Thatin einem ſo reißenden Fortſchritte begriffen, daß Sie neben man-chen andern Beiſpielen proteſtantiſcher Befürchtungen und Vorkeh-rungen ſogar das in den öffentlichen Blättern angetroffen habenwerden, daß der Erzbiſchof von Dublin und der Biſchof von Kil-dare ſich wegen der in Oxford herrſchenden Irrthümer an das Tri-bunal der Collegienvorſtände gewendet hat, und daß jetzt eineCommiſſion niedergeſegt worden iſt, welche die Maaßregeln bera-then ſoll, um jene Fortſchritte zu hemmen. Quare fremueruntgentes etc. Möge dieſes das begnadigte Oxford zu dem Lichteder Wahrheit und zu der erſehnten Entſcheidung bringen, welcheſo ſchön in den Worten des nämlichen Pſalms ausgedrückt wird:Dirumpamus vincula eorum.Meine Abſicht geht nun dahin, Ihnen in dieſen Zeilen nureinige Einzelnheiten von demjenigen mitzutheilen, was die Proteſtan-ten in ihren Kirchen und Collegien und was die Katholiken in denletzten ſechs Jahren gethan haben; Einzelnheiten, die Ihnen zwarſchon bekannt ſeyn werden, welche ich aber ganz kurz unter einemGeſichtspunct zuſammenſtellen will. Zunächſt ein Verzeichniß derBekehrungen beſonders ausgezeichneter Männer während jener Zeit:Revd. Bernard Smitt, ehemaliger Fellow des Magdalen College.Johnſon Grand Esgr. im St. John's College.J. H. King im Exeter College.G. Tickell, ehemaliger Fellow von Univerſity College.Edw. Douglas Esqr. Bart. in Chriſt Church.Scott. Murray Esqr. Bart. Chriſt Church M. P. für Bu-ckinghamsſhire.Revd. G. Talbot M. A. in St. Mary's Hall.Revd. Daniel Partons M. A. im Driel College.Revd. J. Seager M. A. im Woreceſter College.R Leigh Esqr., ehem. Fellow Braſenoſe College.Peter Renouf Esqgr. im Pembroke College.W. Lockhart im Exeter College.Revd. W. G. Penny, von Chriſt Church.Die Bekehrung von minder bedeutenden Leuten dauert, wieich auf meine Nachfrage von vielen Geiſtlichen gehört habe, un-unterbrochen fort. Ja zu London ſagte man mir, daß die Pro-teſtanten in großer Zahl die katholiſchen Kirchen beſfuchen, daß dasSuchen nach Wahrheit unter ihnen allgemein iſt, und daß ſehrViele von der hochkirchlichen Partei, die nicht Puſeyiten ſind, zu-geben: man habe unrecht daran gethan, ſich von Rom loszuſagen,und daß ſie ſich in einem Zuſtande von Zweifel und Ungewißheitbefänden. Die Verwirrung(denn ſo allein kann man es nennen)
des Armen Sibthorp hat der katholiſchen Sache keinen Eintrag
gethan. Er bewarb ſich um Wiederaufnahme als Prediger in dieanglicaniſche Kirche, wurde aber abgewieſen; er ſtehe, erzählte mirein katholiſcher Geiſtlicher in dem Midland Diſtrikt, in einem reli-giöſen Briefwechſel mit proteſtantiſchen Geiſtlichen. Dagegen ver-ſicherte mich ein ehemaliger Studiengenoſſe, daß der katholiſchePrieſter zu Oxford, ſein Oheim, gegen ihn mit der vollſten Hoff-nung und Zuverſicht in Betreff der Bekehrung einer großen Zahlder jetzt noch ſchwankenden Geiſtlichen der Univerſität ſich geäußerthabe. Dieſe wenigen Details werden für Sie und Ihre Leſer voneinigem Intereſſe ſeyn, und während Sie mit Vergnügen von der
wirklichen Bekehrung ſo vieler Menſchen in allen Theilen von Eng-
land und von der wohlbegründeten Hoffnung vieler nahe bevorſte-henden Converſionen hören, ſo wie von der Annäherung zum Ka-tholicismus in den zu London und anderwärts von den Puſeyitenerbauten Kirchen, welches alles noch beſſere Dinge erwarken läßt,ſo wird es Sie gewiß nicht minder erfreuen, zu erfahren, wasdie Katholiken während deſſen glücklich ausgeführt haben, ja ſogarhaben ausführen müſſen, um nur einigermaaßen den Bedürfniſſender großen Menge ihrer neuen Brüder und Genoſſen des wahrenGlaubens zu entſprechen.Während des kurzen Zeitraums der letzten ſechs Jahre hatman in England vierundfünfzig neue, und unter dieſen einigeſehr große Kirchen, ſo wie ſieben neut Klöſter erbaut; neunzehnneue Genoſſenſchaften von Nonnen und neun von Mönchen ſindgegründet, und nahe an zwei Millionen katholiſcher Controvers-ſchriften und Andachtsbücher gedruckt worden. In manchenStädten Englands, die eine Bevölkerung von mehreren TauſendEinwohnern haben, gibtes freilich auch jetzt noch wegen Mangelsan Mitteln kein Gebäude für den katholiſchen Gottesdienſt. Ge-rade an ſolchen Orten oft bezeugt die alte, ehrwürdige Kathedraleoder Pfarrkirche, welche von ihren jetzigen Inhabern nur ſchwach beſucht,oder faſt ganz verlaſſen iſt, mit ihrem verwitterten Portale, daßſie lange bevor beſtand, ehe Jene gegen das heilige, anbetungs-würdige Opfer, gegen die Sacramente und Gebräuche der katho-liſchen Kirche und gegen die apoſtoliſchen Inſtitutionen proteſtirten;und doch war die Kirche allein für dieſe Beſtimmung erbaut.Aber je mehr der katholiſche Glaube ſich ausbreitet, dürfen wiruns der Hoffnung hingeben, daß die Wohlthätigkeit, dieſer ihnſtets begleitende Genius, in den bekehrten Herzen der eifrigenGläubigen eine Wohnung finden, und daß deren vermehrte Liebedem vermehrten Bedürfniſſe begegnen wird. Können wir dannauch nicht unſer Eigenthum zurückerhalten, welchem freilich alleinunſere Religion die wahre Bedeutung und den eigentlichen Werthbeilegen kann, ſo wollen wir doch demüthig verſuchen, unſere ehr-würdigen Kathedralen nachzuahmen, wenn nicht in der Größe ihrerDimenſionen, ſo doch der Heiligkeit unſerer Religion würdig undentſprechend.
Das St. Galliſche Bisthum.(Schw. Kirchenzeitung.)
Nicht um die Jeſuiten, ſondern um die katholiſche Kirche iſtes im gegenwärtigen Kampf zu thun. Wer ſolches nicht glaubenwill, der blicke nur um ſich, und wohin er ſich richtet, wird erſich überzeugen können, daß die Bekämpfung der katholiſchen Kircheüberall der Zweck der Radicalen und der großen Mehrzahl derProteſtanten iſt. St. Gallen liefert den neueſten Beweis. Ueber
die Nothwendigkeit einer definitiven Regulirung der kirchlichen Or-ganiſation kann kein Zweifel ſeyn. Mehr als zehn Jahre wurden
die dießfallſigen Unterhandlungen hinausgeſchleppt, bis endlich nach​​
langem Suchen und Markten eine magere Beſtellung zu Standegebracht wurde. Das Kloſter St. Gallen war unter der Bedin-gung aufgehoben worden, daß ein Bisthum an deſſen Stelle treteund eine Million Gulden aus ſeiner Hinterlaſſenſchaft für das Bis-thum verwendet werde; nun hat man aber herabgemarktet, bisnur 24,000 fl. aus dem Kloſter oder allgemeinen Fonds für dasBisthum verwendet werden ſollen. Sind die Gegner dadurch be-ſchwichtiget, die Waffe ihnen entwunden, der Stachel abgebrochenworden? Im Gegentheil möchte man glauben, ſie wären erſt ge-reizt worden. Dieſelben Leute, welche den Aufſtand in Luzernmit Freuden begrüßten und höchlichſt beloben, hetzen dort adus Lei-