Ausgabe 
5 (12.1.1845) 2
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mette begann;Venite exultemus Domino, Kommt, laßt unsfrohlocken dem Herrn rief es vom Chore dem Volke zu, dasſich verſammelt hatte, um wie die Hirten in heiliger Nacht denmenſchgewordenen Gott bei ſeiner Geburt anzubeten. Hymnen undPſalmen feierten ſeine Ankunft, und die neun tiefſinnigen Lectionenverkündeten ihr hohes Geheimniß, das Te Deum laudamus aberbrachte am Schluß der Mette Preis und Dank und neute Bittendem Erbarmer Aller dar. Dann folgte die erſte Meſſe des hohenFeſtes. Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibusſcholl es, nachdem das Kyrie um Erlöſung gefleht, lauter dennſonſt im Jahre in die Herzen. Ja Ruhm dem Gott, Frieden aberdem Menſchen; dem Ruhme des Höchſten diene der Geiſt desMenſchen, dann erlangt er ſeligen Frieden; fröhnt aber Kunſt undWiſſenſchaft der irdiſchen Eitelkeit und ſchlägt ihre Begeiſterungetwa in Leidenſchaft über, dann wehe der Menſchheit, Hader undElend wird ihr Loos ſeyn. Dochet incarnatus est,“ er derallein die Menſchheit retten konnte, iſt Fleiſch geworden:Der ſelig legt der Welten Gründe,​​Hat ſich mit Knechtsgeſtalt betraut;Daß er im Fleiſch das Fleiſch entſünde,Und nicht vernicht', was Er gebaut.Chor. und Meßbuch S. 185.Der Tonſetzer hatte das et incarnafus zum Gipfel und Centrumdes eben aufgeführten Amtes gemacht, die Erlöſung iſt aber auch die Seele der Weltgeschichte und jedes wahrhaft gedeihlichen Stre-bens, in der katholiſchen Kirche lebt ihre Wirkung durch alle Zei-ten fort und bietet ſich im täglichen Opfer der hl. Meſſe jedemGläubigen zur Theilnahme dar. Früh Morgens im Advent, wennes noch dunkelt, kommen dort und da, die Berge herab und dieThäler entlang, einzelne Lichtlein traulich heran zur Engelmeſſe,in der Pfarrkirche aber finden ſie ſich zuſammen und ein unge-wohnter Glanz ſtrahlt nun aus dieſer hervor. So iſt's auch inder katholiſchen Kirche, manches Lichtlein wandelt dahin, noch ſei-nes Zieles ungewiß; verirrt es ſich in eine Schlucht, und kommtihm kein ferner Ruf entgegen, dann iſt's um daſſelbe geſchehen;hat es aber ſein Ziel gefunden, hat es die hehre Kraft des unblu-tigen Opfers kennen gelernt, dann ſchwindet alle Furcht und eswird heller Tag, der nur von den Wolken der Leidenſchaft getrübt wer-den kann. Die Hirten bei der Krippe wußten die Wohlthat derErlöfung und des rechten Glaubens wohl beſſer zu ſchätzen als dieHochgebildeten ſpäterer Zeit, die ſich das aber gar nicht zur Ehrerechnen dürfen; auch unſere Kinder weilen gern bei der Krippe,während die Erwachſenen im Gewühl der Leidenſchaften den Frie-den des Himmels nur zu oft verlieren. Die Hirten ſpielten dar-um auch ihr einfaches, und als ſolches vielleicht eben kunſtreichſtesLied vor der Krippe, in der das Chriſtkind lag, denn nicht dasGeſuchte und Sinnebeſtechende iſt das Schönſte und Höchſte wasdie Kunſt leiſten kann, vielmehr geht in dieſem oft ihr beſſeres Weſenunter. Das Paſtorale, welches ſtatt des Offertorium nach demCredo geſungen wurde, war allerdings jenes ſo oft und meiſtensohne alles Gefühl oder mit ganz verfehltem Affect in unſern Kir-chen geſungene von Neuner, der, ſo viel ich weiß, auch aus derAu gebürtig war; hier aber war ich einmal an den rechten Ortgekommen, denn erſt durch die Weiſe, in welcher der Chor derMariahilfkirche ſelbes ausführte, lernte ich von ſeiner hinreißendenSchönheit mich überzeugen. Ueberhaupt wurde die Muſik des Hoch-amtes mit ſo viel Ausdruck und mit ſolcher Gemeſſenheit ausge-führt, wie man's ſelten von berühmteren Chören zu hören be-kömmt. Der neue Chorregent verwendet aber auch Kenntniß undFleiß für ſeinen Beruf, und verbindet damit eine ſo tüchtige Ge-
ſinnung, daß ma von ihm noch viel Gutes für die Kirchenmuſikerwarten mag. Es ſcheint dieß wohl wichtig genug , daß manim Zuſammenhalt mit dem allzu ſchwer zu verwirklichenden Ge-danken eines muſikaliſchen Conſervatoriums ihm ſowohl, wie derMünchner ſtädtiſchen Singſchule eine öffentliche Unterſtützung zurBildung junger Singkräfte wünſchen muß. Doch es iſt nur nochwenig von unſerer Chriſtnacht zu ſagen: Wandlung, Communionund Segen wurden ebenfalls mit Andacht und Würde gefeiert;das Volk aber ging freudig und getroſt nach Haus, und die ir-diſchen Lichter erbleichten, das ewige Licht aber wolle immer mehrund mehr die Finſterniſſe erhellen.
Briefliche Mittheilung aus England.(Hiſtoriſch⸗politiſche Blätter.)
Seit meiner Heimkehr nach England hat mir der Rückblickauf meine Reise ​durch das katholiſche Belgien und auf meinen dreimontlichen Aufenthalt in dem ſchönen und frommen Bayernſehr viel Freude bereitet, und ich kann nicht anders als gar oftmir den Gegenſatz vor Augen ſtellen, welcher zwiſchen jenen Länd-dern und meinem eignen noch unkatholiſchen und unglücklichen Va-terlande beſteht. Und doch, obſchon Bayern in ſeiner Kathoſicität einenauffallenden Gegenſatz zu England bildet, ſo bietet doch Deutſchlandim Allgemeinen, in ſeinen gegenwärtigen kirchlichen Zuſtänden eineerfreuliche und zu manchen ſchönen Hoffnungen berechtigende Aehn-lichkeit mit England dar. Es hat gleichſam das Beiſpiel für Eng-land gegeben und ſo wie dort die Bekehrung vieler Proteſtantenzur katholiſchen Kirche einen ſehr bedeutenden Einfluß auf den den-kenden Theil der Deutſchen Nation gehabt hat, ſo auch hier. Indem Charakter der Deutſchen iſt ſo Manches, was mit dem derEngländer übereinſtimmt, ein gewiſſer Ernſt und eine Ruhe derUeberlegung, welche mit Nachdenken die Gründe des Handelnsprüft. Die Gleichheit der Abſtammung darf wohl als die Urſachedieſer Uebereinſtimmung angeſehen werden. Aber auch der Zuſtandder beiden Länder bei der gegenwärtigen zur katholiſchen Kirchehinneigenden und fortſchreitenden Bewegung gleicht ſich ſehr auffal-lend und es macht mir daher Vergnügen, einige Augenblicke beidieſem intereſſanten Gegenſtande zu verweilen und Ihnen Auskunftüber einige Details zu geben, welche mir von den Biſchöfen unddem Klerus in verſchiedenen Gegenden Englands, die ich ſeit mei-ner Rückkehr beſucht, mitgetheilt worden ſind. Vieles von dem-jenigen, was ich Ihnen erzählen kann, werden Sie freilich hinund wieder ſchon in den katholiſchen Zeitſchriften Englands geleſenhaben, aber dort ſind dieſe Dinge eben ganz vereinzelt und nichtauf eine überſichtliche Weiſe zuſammengeſtellt. Auch würden Sie,indem Sie bloß die Erzählung einzelner Fälle von Bekehrungenleſen, nicht im Stande ſeyn, über den Geiſt zu urtheilen, welcherin dieſem Lande weht. Dieſer Geiſt, obwohl wir weit von einerallgemein übereinſtimmenden Katholicität entfernt ſind, iſt doch füruns Katholiken, wenn wir auch nur auf die Zeit der letzten ſechsJahre zurückblicken, ganz außerordentlich auffallend. Nur derjenigekann dieß ſehen und fühlen, der mehrere Jahre in England gelebtund jetzt die große Veränderung in dem Ausdrucke der Geſinnung,die ſich überall im Verhältniſſe zu den Katholiken äußert, wahr-nimmt; welcher ſieht, wie die proteſtantiſchen Kirchen katholiſcheCeremonien theils offenbar annehmen, theils heimlich einführen,welcher Zeuge davon iſt, wie ſich Gemeinden bei ihren Biſchöfenbeklagen, daß ihre Geiſtlichen papiſtiſche gefährliche Gebräuche ein-führen und wie die Biſchöfe deſſenungeachtet nicht wagen, dieſe zu
verwerfen. Solche und unzählige andere Dinge ſind die Zeichen