das Joch »ines troÄ>ernden Volk s sich sträubt, und die Hindernisse,welche unsere cigM.c Regierung der Verbreitung des Evangeliumsin den Weg legt, so wird cS ihnen klar werden, warum AbbeSuchet nur ein?n Roman schreiben konnte.
Sollten Sie eS wohl für möglich halten, mein theurerFreund, daß die Absurdität und der Wahnsinn so weit getriebenworden sind, daß es unsern Priestern sogar untersagt worden ist,arabisch zu lernen, aus Furcht, sie möchten sich dann mit denEingeborenen in Verkehr setzen? daß gewisse einflußreiche Chefsder Administration, vollkommen gleichgültig gegen den katholischenCultus, nur Rücksichten für die Muselmänner und Juden haben,welche letztere hier mehr als anderwärts sich als ein gemeines,herabgewürdigtes Geschlecht zeigen? daß diese Leute bei officicllenFesten zwar in der Moschee und Synagoge erscheinen, die Kircheaber mit keinem Fuße betreten? Und doch ist das Alles die reineWahrheit. Hier baut man eine Moschee für einige muselmännischcFamilien, und äOOt) Christen haben keine Kirche; dort wird mit10l),Wl> für einen Kirchcnbau bestimmten Francs ein Gebäudeaufgeführt, das vou der Thüre bis zum Chorgittcr zwölf Meterlang ist, überall sind die für den Cultus bestimmten Fonds unzu-reichend und das Wenige, was da ist, wird verschleudert. Diefranzösischen Bischöfe unterstützen nicht den Eifer der Missionäre,vielleicht weil es ihnen selbst an Geistlichen fehlt, und wenn aus-gezeichnete Persönlichkeiten aus ihren Diöcesen auetrctcn und sichdem Kirchendicnste in Algier widmen wollen, legen sie ihnen Hin-dernisse in den Weg, so daß der Hochwürdigste Bischof Dupuchallein mit den ihm zu Gebote stehenden Hilfsmitteln die Bedürf-nisse einer Diöcese befriedigen muß, die fast so groß ist wie Frank-reich , und dafür hat er in seinem großen Seminare im Augen-blicke fünf Alumnen! Glücklicherweise unterstützen ihn einigereligiöse Genossenschaften und besonders die Jesuiten aus allenKräften, lieber Allen aber wacht die Vorsehung, die auch ohne uns und,wenn cS nothwendig ist, trotz uns zu ihrem Ziele zu kommen weiß.
UebrigenS theilt das jüngere Geschlecht, das im Geiste unse-rer Gebräuche und Civilisation erzogen wird, nicht mehr den Fa-natismus der älteren Generation, der im Hinscheiden begriffen ist.Später wird sich also wohl Etwas machen lassen. Für diese Ge-neration, die Alles vom Standpuncte des Fatalismus aus zu be-trachten gewohnt ist, ist Mahomed todt, der Franzose hat ihn ge-tödtet; er hätte sich vertheidigen sollen und wehe nun, da erunt.rlegcn ist, dem Ueberwundenen! Diese jungen Leute trinkestunsern Wein und nehmen allmälig Misere Kleidung an, cS indieß nach der Ansicht Aller, welche die Verhältnisse kennen, einbedeutender Fortschritt. Ich muß ferner, um gerecht zu seyn gegenJedermann, noch bemerken, daß Marschall Bugeaud und derGeneral de Bar dem Klerus einen wirksamen und mächtigenSchutz angedeihcn lassen. Madame Bugeaud und Madame deBar sind zwei sehr fromme Damen, Madame de Bar nament-lich steht au der Spitze aller guten Werke. Auch der königlicheGerichtshof und das Parquet haben sehr verdienstvolle Männer inihrer Mitte. Man hat zwei Vereine gebildet, die eine sehr reicheZukunft versprechen: einen halb religiösen und halb literarischen,der unter dem Schutze des heiligen Augnstin steht und schon nahean fünfzig Mitglieder zählt, und den Verein des heiligen FranzR^gis zur Rehabilitation der Ehen. Letzterer namentlich übt aufdie öffentliche Sittlichkeit einen sehr heilsamen Einfluß. So hatmir auch der Hochwllrdigste Bischof Dupuch bei einem Besuchein seinem Palais eine sehr tröstliche Thatsache erzählt, die da
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beweist, daß der gute Samen nicht überall umsonst ausgestreutwird. Als der Prälat mir den Altar in seiner Capellc zeigte, be-merkte er mir: „der Altar, den Sie hier sehen, ist schon Zeugevon neunhundert Bekehrungen gewesen." Es ist dieses wunderbarund beweist, daß das Auge der göttlichen Vorsehung über diesemLande wacht.
Benutzen Sie nun diese Einzelnhciten, wie es Ihnen gutdüukt, obgleich ich der Ansicht bin, daß Umsicht und Schonunghier am rechten Platze sind, weil es Wahrheiten gibt, die ein-zelne Persönlichkeiten verletzen können, — und gerade dieser Um-stand ist Schuld daran, daß die Algicrischc Frage so falsch beur-theilt wird. Die Localblätter dürfen nicht Alles sagen, was siewissen, weil die Kolonie militärisch regiert wird und der Gouver-neur jeden Zeitungsschreiber, der Opposition machen würde, aufseine eigene Verantwortlichkeit nach Frankreich zurückschicken kann.Die französischen Blätter und Reisenden aber sagen nicht dieganze Wahrheit, weil sie diese Enthüllungen für unzeitig haltenund der Ansicht sind, sie stifteten mehr Schaden als Nutzen. Ichkönnte Ihnen darum auch noch Vieles über die kirchliche Verwal-tung sagen, — allein dieser ausgezeichnete Bischof Dupuch istso voll Eifer, Thätigkeit und Liebe, daß ich einige Puncte, dieweniger genehm seyu könnten, lieber nicht berühren will.
Die neunhundert Bekehrungen sind Bekehrungen von Pro-testanten und die Angabc schien mir so außerordentlch, daß ichmit die Zahl mehrere Male wiederholen ließ. Wenn man indessenbedenkt, daß die Mehrzahl dieser Protestanten Handwerker,Bauern und arme Leute waren, die hierher gekommen sind, umihr Glück zu machen, und nichts Anderes gesunden haben, als einElend noch gräßlicher als jenes, das sie zu Hause zurückgelassen,daß sie von Allem entblößt bei dem herrlichen Bischöfe eine fürihre Bedürfnisse stets offene Hand, eine unerschöpfliche Liebe, ja,ich möchte sagen, die Zärtlichkeit ein Vaters gefunden haben, sowird es klar, daß Dankbarkeit und der Anblick der Wunder derkatholischen Liebe mächtig auf ihre religiöse Ueberzeugung eingewirkthaben müssen. Es sind Bekehrungen, die mehr dem Herzen als demGeiste entstammen, dadurch aber durchaus nichts von ihrem Wertheverlieren.
Was den Marschall Bugeaud betrifft, so ist dieser der Vaterund Retter der Colonie und ein wahrhaft ausgezeichneter, hochgesinn-ter Mann mit etwas soldatischen Formen. Bei seiner Ankunft in Algier erfuhr er, daß die Jesuiten dort sich niedergelassen, was ihm ein etwasvermessenes Unternehmen zu seyn schien. Sogleich ging er in das vonden guten Vätern geleitete Waisenhaus und wurde daselbst von dem ed-len Pater Brumault, der selbst lange im Heere gedient, empfangen.„Herr, fuhr ihn der General an, Sie sind ein Jesuit ? — Ja wohl, Ge-neral. — Was machen Sie hier? — Ich will es Ihnen sogleich zei-gen." Sie gingen darauf miteinander durch die ganze Anstalt und denGeneral ergriff Bewunderung und eine tiefe Bewegung. „Thuen Siealso nicht mehr als das? fragte er. — Durchaus nichts. — Nun dasist brav, sehr brav. Zählen Sie künftig auf meine Unterstützung undmeinen unbedingten Schutz. Seyen Sie meinetwegen der Teufel, nurstiften Sie Gutes. Das ist für mich genug. Ich habe manche Vorur-theile gegen Sie gehegt, allein ich bin nicht der Mann, der an seinenVoruriheilen fest hält, wenn ich sehe, daß sie unbegründet sind." Seitder Zeit hat er die Väter gegen alle Welt in Schutz genommen. AlleHämmel, die nach der Schlacht am Jsly in unsere Hände fielen, wurdenvon ihm ausdrücklich für die Armen der Frau d e Bar aufbewahrt, derer sie zuschickte. Liebe aber führt zu Gott!__
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