so vieler Lehrer und Glieder des Protestantismus nicht unberück-sichtigt bleiben, am wenigsten, wenn die neuesten Erscheinun-gen auf dem Gebiete der protestantischen sogenannten theologi-schen Wissenschaft in Anschlag gebracht wurden. Die Gewißheit,bei dem Zusammentreffen mit zehen, aber römisch - katholischen ,Lehrern Einklang der Lchre zu finden, neben der anderweitigenGewißheit, bei dem Zusammentreffen mit ebensoviel protestanti-schen Geistlichen auf ebensovicle verschiedene Lehrsnstcme zu stoßen,war gleichfalls ein nicht unwichtiges Moment. Denn der Sche-men einer unsichtbaren Kirche konnte ebensowenig Zusagen, als dieUeberlieferung der reinen Lehre durch eine endlose Reihe von Ketze-reien. Zuletzt setzte das Unternehmen einer deutschen Uebersetznngvon Jnnocenzens Auslegung der heil. Messe der angebahntenUeberzeugung die Krone auf. (Schluß folgt.)
Die Extreme.
( ^chw. Kirchen,.)
Das katholische Volk des Kanton Luzcrn, dem am 8.Dec. verfl. I. der Vertilgungskrieg bereitet wurde, hat schon vor-dem , noch mehr aber seit diesem schrecklichen Tage Herz und Händezum allmächtigen Gott erhoben, um vom Himmel Hilfe zu erlan-gen; Bitt- und Dankfeste werden gefeiert, ganze Schaarcn ziehenlaut betend auf den Heerstraßen, ihr Ziel ist das Grab des seligenBruder Klaus , um Frieden nnd Abwendung der drohenven Ge-fahren durch seine Fürsprache zu erbitten. Das Volk der Urkan-tone hat nicht bloß in Ergreifung der Waffen zur Zeit der Nothseine Treue bewiesen, sondern schließt sich dem Volke Luzcrns auchim Gebete au. Schon vor dem Kanton Luzern begann derKanton Unterwalden das allgemeine öffentliche Gebet. Donner-stags den 9. d. war ein allgemeiner Bittgang des ganzen Landeszum Grab des heiligen Niklaus von der Flue, bei welchem dasVolk aus ganz Oberwalden in Masse herbeiströmte, zu beten amGrabe dessen, welchen so viele unwürdige Eidgenossen im Mundeführen, mit Gesinnung und Handlung aber stets vcrlciugncn.Gleiches geschieht in den übrigen Urkantonen, gleiches in den Kan-tonen Freiburg und Wallis. Selbst in der Stadt Solothurn wird seit einiger Zeit in der Kathcdralkirchc alle Abende sür Er-haltung des !Friedens gebetet. Beim Throne des Allerhöchstenfinden sich die Herzen der Katholiken zusammen. Es bedarf einervollendeten Verkehrtheit des Sinnes, um in diesemGcbctc ande-res zu sehen, als das aufrichtige Sehnen und Verlangen nachFrieden, Versöhnung und Besserung; es lebt in den Katholikennoch jener Geist, in welchem unsere Vorväter uns so schöne Gü-ter errungen haben.
Es ist aber ein großer Theil des schweizerischen Volkes die-sem Geiste schon seit langer Zeit entfremdet und entfremdet sichimmer mehr. Nicht in Kirchen versammeln sich diese letztem, son-dern in Wirthshäusern, nicht um Frieden beten sie, sondern siewollen alle Furien des Bürgerkrieges heraufbeschwören. Ihr biszur Besessenheit gesteigerter Haß gegen die wahre Kirche Christiconcentrüc sich in maaßlos wüthenden Angriffen auf die GesellschaftJesu . Diese Kirche zu vertilgen gilt es einer Partei, und wenndas ganze Land darüber in Flammen aufgehen sollte; der Kampfder Parteien ist bis zu den Extremen vorgedrungen, es ist einKampf religiöser und politischer Gegensätze. Während Verhältniß-mäßig nur eine geringe Zahl katholischer Geistlichen, die sich meistschon im Leben ihres Standes unwürdig zeigen, zur Partei derradicalcn Zerstörer stehen und sehr wahrscheinlich noch wenigere zu
ihnen stünden, wenn die Zügel des Kirchenregimenics straffer an-gezogen wären, sieht man dagegen eine Menge unevaiiqclisci'erprotestantischer Prediger bei radicalcn Versammlungen und in Zei-tungen auf die Gesellschaft Jesu und auf die gesammtc katho-lische Kirche losschlagen. Vom Bodcnscc bis zum Gcnfcrsec istkaum ein protestantischer Kanton, der nicht einige solche Helvcuaus Straußen Schule auszuweisen hätte. Es kaun nicht in unse-rer Absicht liegen, die -Albernheit ihrer Jnvcctivcu zu widerlegen,den Unsinn ihres Geredes aufzuzeigen; auch das verlangen wirvon den Gegnern der katholischen Kirche nicht, daß sie jene Ge-sellschaft lieben, welche sich in Vertheidigung der katholischen Lehreihr erstes Verdienst gesucht hat, haben doch diese Leute überhauptkeine Liebe. Aber sragcn möchten wir: Wo waltet der christ-liche Geist, dort, wo alles Volk zu Gott um Hilfe betet, oderwo man Gott nnd alles Heilige lästerte Wo droht Gefahr,dort, wo die Frcischaarcn geworben, organisirt, beschützt und be-zahlt werden, oder aber wo mau sich ihrer erwehren will? Ehren-werthe Protestanten sprechen mitunter Besorgnisse aus für die Zu-kunft, wenn der höhere Unterricht au mchrcru schweizerischen Lehr-anstalten den Jesuiten übertrage» würde; können sie aber im ErnsteBesorgnisse haben, wenn die Katholiken im Geiste dcS Glaubensund Gebetes erzogen w.-rdcn? Sollten si? darin mehr Beruhi-gung finden, wenn der katholische Priester im Geiste des Unglau-bens oder NadicaliSmuS erzogen würde, Daß er seine Kirche schmä-hen uud hassen, damit aber auch den christlichen Glauben verläng-ncn lernte? Gewiß, wer das erstere thut, wird conscaucnt auch zumletztern vorschreiten müssen-, lebendige Beispiele dienen hiefürzum Belege.
Die Geister scheiden sich auS; wer zur Erkenntniß kommenwill, wo der christliche Geist noch lebe, der verschließe nur seineAugen nicht vor den handgreiflichen Thatsachen.
(Vcn einem französischen Reisenden,)(Kathvlik.)
Sie haben ohne Zweifel die höchst interessanten Briefe desAbbe Suchet über Algier gelesen. Es ist dieses ein Gemälde,dem gar nichts fehlt als die Wahrheit. Factisch ist es, und ichwüßte nicht, was aus diesen Punct sich erwidern ließe, daß diebis jetzt unter den Eingeborenen gewirkten Bekehrungen fast gleichNull sind und cö haben, glaube ich, seit der französischen Besitz-nahme nur vier stattgefunden. Abbe Suchet dagegen hat jenesreligiöse Gcsühl, welches in das Her; des Arabers und Maurenso ties cingcgrabcn ist und ihnen gegen den Priester, den Leiterdes Gebetes, mag er auch sonst einer Religion angehören, welcherer will, eine tiefe Verehrung einflößt, für eine Hinneigung zumChristenthumc genommen. Wahr ist es allerdings, daß unserePriester und 5Drdeuslcute durch ihre unbegränztc Liebe und maaß-lose Hingebung an das Elend aller Art einen tiefen Eindruck aufdie Muselmänner gemacht, allein trotz dessen besteht eine unübcr-steiglichc Schranke zwischen ihnen und uns — unsere Sitten,mehr noch als unser Glaube. Alle Versuche zum Proselytismusprallen ab an ihnen, wenn sie unsere Laster scheu, wenn sie sehen,wie wir den Frauen öffentlich sich zu zeigen und mit Männern zuverkehren erlauben, eben so stößt sie der bei uns übliche Genußdes Weines und gebrannter Getränke, besonders unser lebhafterstürmischer Charakter ab, der gerade das Gegentheil des ernsten,gemessenen Auftretens der orientalischen Völker ist. Bedenken Sienun noch das verletzte Nationalgcfühl, das unaufhörlich gegen