Ausgabe 
5 (2.2.1845) 5
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seinem Munde den göttlichen Mund geküßt hcit? So wahr ist es, l aber den schonen Vorsatz hatte, der tobenden Lust ihren ganzendaß ohne den Geist das Fleisch nichts nützt (Joh. VI. 64.), daß! Lauf ^ lassen, war ihm eine Maske zu unbequem; er trates nicht einmal der jungfraulichen Mutter des Heilandes etwas! also in das HauS eines ihm wohlbekannten Malers, der ihmgefrommt haben würde, hatte sie Ihn nur aus ihrem Leibe ge-^ aber schon lange heimlich gram war, weil der hochadcliche jungeboren und nicht auch in ihrem Geiste seinen Geist empfangen." Herr ihn so verächtlich behandelte, und ihn nur schlechtweg einen

Um indeß jeden Lästermund zum Schweigen zu bringen und densichersten Standpunct zur Beurtheilung dieser Angelehnt zu gewäh-ren, reicht allein und vollkommen hin jener vortreffliche Ausspruch

Anstreicher nannte. Der Maler empfing ihn mit verstellter Höf-lichkeit , und fragte, womit er diene könnte. Ich möchtegerne an den allgemeinen Lustbarkeiten auch Theil nehmen, ant-

deö Conc. zu Tricnt (25ste Sitzung am 3. und 4. Dec. 1563):^ wortctc der Junker, und mich verkleiden; doch so, daß ich fürVon der Anrufung und Verehrung, von den Reliquien der Hei-> Jedermann ganz unkenntlich bleibe, um desto ungcnirt,r recht tollligcn u»d von den Heiligenbildern", dessen Schluß (Ausgabe von! mich gebärden zu können. Die Harle/.uins-Jackc habe ich hier schonDr. W. Smcts S. 22!).) hier eine passende Stelle finden dürfte.! bei mir, und nun fehlt nichts weiter, als daß ihr mir das An«Es heißt dort nach Auseinandersetzn»«, der katholischen Lehre:^gesicht mit verschiedenen Farben recht närrisch verstellet. Also an-Fcrner soll auch aller Aberglaube bei Anrufung der Heiligen, bei! streichet? versetzte höhnisch der Maler. Ja, ja, anstreichen, undVerehrnng der Reliquien und dem heiligen Gebrauche der Bilder ganz und gar überstreichen sollt ihr mich, sagte der Adeliche, gegen

weggeschafft, alle schändliche Gewinnsucht verbannt, und endlichalles Schlüpfrige vermieden werden, so daß keine Bilder mit üppi-ger Schönheit gemalt oder ausgeschmükt, anch die Feier der Hei-ligen und die Bcsuchung der Reliquien nicht zum Zechen und zurTrunkenheit mißbraucht werden, als wenn die Festtage zur Ehreder Heiligen mit Schweigern und Ueppigkeit begangen werdensollten. Endlich soll von den Bischöfen solcher Fleiß und solcheSorgfalt in Bezng auf diese Dinge verwendet werden, daß dabeinichts Unordentliches, nichts verkehrt oder zusammengerafft Einge-richtetes, nichts Weltliches und Unehrbarcs gesehen werde, weildem Hause Gottes Heiligkeit geziemt. Damit dieses desto treuerbeobachtet werde, so verordnet der hl. Kirchenrath, daß eS Nie-mandem erlaubt seyn soll, an irgend einem Orte oder in einerKirche, wenn sie auf was immer für eine Weise crcint wäre, einungewöhnliches Bild aufzustellen oder aufstellen zu lassen, wenn cSnicht von dem Bischöfe genehmigt ist, daß anch keine neue Wun-derwerke zugelassen, und keine neue Reliquien aufgenommen wer-den sollen, wenn nicht eben derselbe Bischof davon Kenntniß ge-nommen und sie genehmigt hat, welcher, sobald er über jene etwaserfahren hat, mit Zuratheziehung von Gottesgelchrtcn und ande-rer frommer Männer dasjenige thnn soll, was ihm der Wahrheitund Frömmigkeit angemessen dünket. Und wenn etwa ein bedenk-licher oder schwieriger Mißbrauch auszurotten ist, oder gar überdiese Gegenstände eine bedeutend schwierige Frage vorkommt, so sollder Bischof, ehe er den Strcitpunct löset, die Meinung des Me-tropoliten und der Mitprovincialbischöfe im Provincialconci-lium abwarten, doch so, daß nichts Neues oder bis dahin in derKirche UngcbräulicheS ohne die Berathung des heiligsten römi-schen Papstes beschlossen werde."

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Ein Fastnacht-Stück

oder

betrogene LU a s K e.

^ Ein adclichcr Jüngling wohnte als Akademiker in einer Stadt,wo man, wie in vielen andern, zur Faschingszeit auf offenemMarkte den Unsinn aufs höchste zu treiben pflegt, uud weil ersonst überall mitmachte, wollte er auch hier nicht der Letzte seyn.Allein cS sollte doch dabei seine hohe Familie nicht beschimpft undin Verlegenheit gesetzt werden. Er nahm also zu dem in diesenTagen so gewöhnlichen Hilfsmittel seine Zuflucht, zur Vcrunstal?tnng sciner GesichtSzüge, die ihm Gott gegeben hatte. Da er

cavalicrmäßige Belohnung. Ich will alsvglcich aufwarten, cntgcg-nete der Maler, und bitte nur Platz zu nehmen; er rückte einenSessel. Da saß nun der Narr iu seinem ganze» Costüm. Derboshafte Maler stellte mit der größten Emsigkeit die Farben zurecht, aber nebenzu ein Glas Wasser, und fing an nach Kräftenanzustreichen. Allein statt den Pinsel in die Farben zu tauchen,tauchte er ihn jedesmal nur iu das Wasser, und schlug von ZeitzuZcit ein schallendes Gelächter auf über die vorgegebene abenteuer-liche Verunstaltung. Die schon unterrichtete Gattin und Tochtermachten beim Ab - und Zugehen den Lärm noch größer, entfern-ten sich aber zuletzt, unter dem Vorwande, dem Hauptspaß aufoffener Straße mit zuzusehen.

Das Meisterstück war nuu fertig, der Schalk von Malerkonnte vor Lachen kaum zu Athem kommen, und rief auf: So eineMaske wird nirgends in der ganzen Stadt zum Vorschein kom-men; der Teufel könnte nicht errathen, wer dahinter stecke.Der Angestrichene selbst war außer sich vor Freude, und branntevor Begierde, vor aller Welt sich zu produciren; doch verlangteer vorher einen Spiegel, um sich selbst zu besehen. Der Malerrannte gegen eine Wand DcS Zimmers, um den Spiegel herabzu-nchmen, den er indessen schon vorher auf die Seite geschafft hatte.Donner und Werter, hub er an, die verdammten Weibsleutemüssen immer im Spiegel etwas zu gaffen haben. Der meinigeist anch schon wieder sort. Aber ich bitte nnr um eiu klein wenigGeduld, und will alsogleich nachsehen, ob ich ihn nicht finde.

Gerade jodelte wieder ein Troß sogenannter Faßnachtsputzcnvorbei, von Gassenbuben und müßigem Pöbel allenthalben um-jauchzt, und unser Adclichcr konnte sich nicht mehr halten, um dasVergnügen nicht zu verlieren, auch von der Gesellschaft zu seyn.Er drückte dem Maler ein schönes Stück Geld in die Hand, undersuchte ihn, die Hinterthüre des HanseS zu öffnen, damit Niemandwisse, wo er herkomme.

Die vermeinte Maske war nun im Freien, fuchtelte mitihrer Peitsche, und machte hunderterlei gaucklcrische Sprünge;aber Alles staunte und stand wie versteinert bei diesem Anblicke.Von allen Ecken her ertönte es - der Graf N. ist närrisch gewor-den. Er wäre bei diesem Nnfe vor Schrecken beinahe ohnmächtigdarnieder gefallen; denn er merkte, daß ihn alle Leute kannten,nnd wußte nicht, woher das komme. Doch einige seiner adclichcnKollegen ließen ihn nicht lange im Zweifel, und sprachen: Albertum's HimmclSwillen, was treibst du? Wie, kennt ihr michdann? fragte er zitternd und bebend. Du hast ja keine Mas-ke vor dem Gesichte, versetzten sie ihm. Bin ich denn nichtdurch Farben unkenntlich gemacht? fragte er weiter. Statt derAntwort nahmen sie ihn in ein nahe gelegenes HauS, und hielten