Ausgabe 
5 (2.2.1845) 5
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ihm einen Spiegel vor das Gesicht. Bei diesem Anblicke sankAlbert, wie vom Schlage getroffen, sinnlos auf einen Stuhl, underst nach geraumer Zeit war cr im Stande den ganzen Hergangzu erzählen. Er hatte von nun an den Muth nicht mehr, dasHaus zu verlassen, weil man durchgängig mit Fingern auf ihndeutete, und schrieb an seine Eltern einen rcumüthigen Brief, mitder dringenden Bitte, ihn an eine andere Hochschule zu versetzen,was ihm «m so leichter bewilliget wurde, weil es die Familie selbstihrer Ehre schuldig war. Aber Albert hicng doch immer ein be-schämender Flecken dieser Narrheit an, und nie konnte er an denganzen Vorfall sich erinnern, ohne bis zu Thränen bestürzt zuwerden.

Würde dieß nicht auch manchem Bachantcn zur Fastnachtszeitwiderfahren, wenn sie einen lebendigen Glauben an Gottes Gegen-wart halten, der untrüglich weiß, wer hinter jeder häßlichen Larvesteckt, und wie viele würden verschwinden, wenn sie beherzigenwollte», was der hl. Petrus Chrisologus bei einer ähnlichen Ge-legenheit predigte:

Wer mit dem Teufel scherzen will, kann mitChristus sich nicht erfreuen!"

Wie Friedrich Hurter katholisch wurde.

(Schluß.)

Das nun sind die erkennbaren Führungen, deren Gott zudieser Konversion sich bediente, die offenen, Jedem zu Gebote ste-henden Mittel, welche dazu mitwirkten; welcher Antheil daran denbloß im Himmel bekannt,» Mitteln müsse zugeschrieben werden,bleibt vor den Augen der Sterblichen verborgen. Erst nachdemdie Rückkehr des Dr. Hurter in die katholische Kirche erfolgt war,kam es an den Tag, wie viele Gebete von ganzen Klöstern beiderGeschlechter, von einzelnen Welrgcistlichen, von vielen Laien zuRom, in dem übrigen Italien, in Tyrol, Bayer», in der Schweiz ,in Frankreich , vielleicht anch in andern Ländern, seit Jahren schonfür ihn durch Fürbitte der allerseligsten Jungfrau zu dem Vateraller Gnade gesendet, wie viele heilige Messen zu diesem Zweckegelesen worden seyen. Noch am Tage seiner Abreise nach Rom wurde iu Paris die Erzbrudcrschaft zum unbefleckten Herzen Ma-ria durch einen Freund des Dr. Hurter zu Gebeten für denselbenin Anspruch genommen.

Unter solchem fördernden und schützenden Geleite, dessen selbstunbewußt, bestieg cr am 29. Februar dieses Jahres, mit demfesten Borsatz, als treuer Sohn der liebreichsten Mutter, der rö-misch-katholischen Kirche , sich zu bekennen, den Postwagen. Ob-wohl er zu Pavia den Ucberrcsten des großen Bischofs von Hippo,die durch wohlwollende Verwendung für ihn aus dem Altar her-vorgenommen und der Verehrung ausgestellt wurden, mitten un-ter vielen herbeigckommencn Geistlichen nur schüchtern sich näher-te, und die Gefühle, welche ihn bewegten, in sein Inneres ver-schloß, weil der Augenblick offener Erklärung noch nicht gekom-men war, dankt er doch der stillen Vcncration dieser ehrwürdigenGebeine Festigung in seinem Vorsatz. Denn größer, preiswür-diger und anziehender mußte ihm eine Institution vorkommen,welche auch nach anderthalb Jahrtausenden noch die irdische Hülleeines Geistes ehrt, dessen Licht fortan sie erleuchtet, dessen Kraftfortan sie durchströmt, dessen Tugenden fortan als Vorbild in ihrglänzen; mag es selbst etwas mehr gewesen seyn, so trat dochin der katholischen Kirche dem ehrfurchtsvoll die Ueberreste Be-schauenden ei» Grundzug des eigenen Herzens, als durch sie un-

ter ihre bewegenden Kräfte anfgenommen, Heller vor Augen: un-auslöschliche Dankbarkeit, ward diese ein mächtiges Moment derEinigung. Nicht ohne innigste Rührung, in Erncnernng derwach gewordenen Empfindnngcn, wurde bald darauf die lioln-/ione storie» cloeumviitiil» <l>?I itoiio satt-» <I,Ü!» (^In^.i I'nve8ecl'iiiiit iilsi-^nu i^Iicjuia cwl evrsx» <!i !?. .X^ostiiio a Hl»ii5i^ii»rv.Xntonio ^ctollv ÖupULll, Vcseovo di ^I^eri, gelesen, welcheihr Verfasser, Herr CanonicnS Giovanni Bosisio, als frcuudlichcSErinnerungszeichen beim Abschied von Pavia dargeboten.

Eines nur hätte störend auf den gefaßten Borsatz zurückwirkenkönnen: wenn menschliches Treiben wie gutgemeint es auchimmer, wie viel herzliche Theilnahme an seinem Heil darin auchzu ehren gewesen wäre daraus hätte einwirken, die Rückkehrgleichsam erjagen wollen. Der leise Wunsch, cr möchte dessenüberhoben bleiben, ging glänzend in Erfüllung; wenn gleich beiseiner Ankunft in der Hauptstadt der Christenheit manche Hoff-nung ihm cntgcgenwallte, über dem Verlauf von beinahe dreiMonaten dieselbe in Vielen wieder zu wanken, vielleicht zu er-bleichen begann. Was mit seiner, durch Worte nicht auszudrü-ckenden Scrcnität in wahrhaft väterlicher Rede der Vater derChristenheit einst im Laufe einer Audienz geäußert: snoro elil! loiser-r mio liZIio (ich hoffe, Sie werden doch noch mein Sohnwerden), was der so fromme als gelehrte Erzbischof von Thcssa-lonich, Monsignore Rossi, zu Neapel vorübergehend in ähnlicherWeise gesagt: i'essN'i-L, qulZ Vous serex d(.-s iwtrLS (ich hoffe,Sie werden noch zu den Unsrigen gehören), fand zwar seinenWiderklang in manchem gewonnenen Freund, weiter aber als zusolchen bescheiden vorgebrachten Aeußerungen ging Keiner. Eswar auch ein ähnlicher, vorübergehend gleichsam hingeworfenerAusdruck das einzige Wort, auf welches unter den Vätern derGesellschaft Jesu kein anderer als der berühmte Pater Pcrronesich beschränkte, wie oft auch, nebst mehrcrn Gliedern dieser segcn«voll wirkenden Verbindung, der P. General besucht wurde; alsodaß am Tage des heiligen AloyS der Zurückgekehrte ihm ausvollem Herzen dafür dankte, daß er diesen Punct niemals berührthabe, hiegegcn von dem P. General die Erwiderung erhielt: erhabe wohl vorausgesehen, daß die Gnade Gottes wirken werde,darum der Menschen Zuthun überflüssig scyc. Einzig auf Monte-Casino, wo unter litcrarischcn Besprechungen eine nähere Bezie-hung zu den ausgezeichnetesten Religiösen dieses Stammhauses sovieler berühmter Abteycn und Kongregationen bald sich begrün-det hatte, lenkte sich das Gespräch auf diesen Gegenstand. Esmischte sich teilnehmende Besvrgniß über bevorstehende Unan-nehmlichkeit ein, wenn anders, als in der stillen Abgeschiedenheitdes schweigsamen Gotteshauses, welches überdem zu erforderlicherSammlung des Gemüthes die geeignetste Stelle darböte, jeneRückkehr erfolgen sollte. Aber in festem Entschluß, nirgend an-ders als in Rom selbst, und dabei das Kundwerden weder zusuchen noch zu vermeiden, hicfür sich erklären zu wollen, wnrdeentgcgnct, wie von dem ersten Augenblick an festgehalten: entwe-der sey die Sache eine gute, gerechte und prciswllrdige, alsdanndürfe sie zu Jedermanns Kenntniß gelangen; oder sie sey jenesnicht, dann werde sie auch nicht besser, wenn sie vor aller WeltAuge» für immer könne verheimlicht werden; selten nur würdedurch äussere Verhältnisse solches gerechtfertigt, was aber hierkeineswegs der Fall sey; Anders seyn, als scheinen zu wollen,war nie ein Fehler des Dr. Hurter.

Ist zwar freies Bekenntniß der einmal erkannten Wahrheit,zumal wo ciuc beharrliche Hinlcitung zu derselben von oben solichtvoll hervortritt (wie später in einer eigenen Schrift soll dar-