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5 (2.2.1845) 5
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gethan werden die erste Pflicht gegen den Vater aller Gnade,und gegen den Vermittler aller Gnade, und gegen den Stromaller Gnade, sodann Pflicht gegen sich selbst, die durch keine an-dere kann ausgewogen werden, so enthebt sie doch anderer Pflich-ten nicht, sondern legt gewissenhafte Berücksichtigung derselbennur um so strenger auf, und knüpft das volle Maas; des göttlichenSegens nur hieran. Der Mensch selbst aber kann sich dessen nachseiner überreichen Fülle dann nur freuen, wenn er ohne Wider-spruch, ohne Unmuth von derjenige» Seite, gegen welche die höch-sten und geheiligtesten Pflichten unter den Menschen uns binden,denselben auf sich kann herabströmcn lassen. Wiewohl Dr. Hur-ter in der Vorrede zu einer kurz vor seiner Abreise erschienenenSammlung kleiner Schriften einen unmißverftehbaren Wink, wasvon ihm zu erwarten seyn dürfte, öffentlich gegeben hatte, ließ ergegen seine Gattin über das Vorhaben auch nicht das mindesteverlauten, mit dem festen Vorsatz, sie schriftlich allmcilig daraufvorzubereiten. Dieß geschah schon von Pisa aus in der Andeutungüber den Eindruck, welchen die Ueberreste des großen Kirchen-lehrers aus Afrika auf ihn gemacht. Brief für Brief ließen seineAbsicht deutlicher hervortreten. Daß Einwendungen kommen wür-den, mußte er erwarten; daß sie so ruhig und schonend abgefaßtwaren, dürfte mit Recht ihn festigen, und daß sie zuletzt bloß aufdie natürlichsten Bemerkungen einer besorgten Mutter sich be-schränkten, mochte ihm zum augenfälligen Beweise dienen, daßdie göttliche Gnade zu Erreichung ihrer Zwecke überall wirke unddurch sie alle Berge erniedrigt, alle Thäler erhöht werden, alleHindernisse wie Nebel zerrinnen.

So konnte am 14. Juni dem Herrn Cardinal Ostini, demeinzigen Freunde in Rom , welchem über die Möglichkeit dieserRückkehr vertrauliche Eröffnung gemacht worden, mitgetheilt wer-den : es stehe nun derselben nichts mehr im Wege. Tag undStunde dazu in dem Hause Seiner Eminenz wurden nun aufSonntags den 16. Juni festgesetzt, durch den Zurückkehrendenselbst aber Fürsorge getroffen, daß in ebendemselben Augenblickdieser Act Seiner Heiligkeit bekannt würde. Das glaubte er demLandesherrn, dem Oberhaupt der Christenheit, dem Fürsten , dermit so ausgezeichnetem Wohlwollen ihn empfangen, schuldig zuseyn. An der Freude, welche den heiligen Vater hierüber erfüllte,sollte der eben aus seinem Cabinet herausgegangene Cardinal-StaatSsccretär alsbald Theil nehmen. Er ließ denselben zurück-rufen, um selbst die Nachricht ihm mitzutheilen. Ein weitererSchritt, außer der cinsachen Erklärung und der Unterzeichnungder Acte, sollte in Rom nicht geschehen, das Weitere auf dieRückkehr nach der Schweiz verschoben bleiben, weil die folgen-den Tage vor der Abreise zu einem Besuch in Subiaco bestimmtwaren. Es traten aber Schwierigkeiten ein, so daß das Vor-haben mußte ausgegeben werden. Hiemit blieb zu Beichte, Com-munion und Firmung Zeit genug übrig. Wie denn der Actder Rückkehr, ohne daß Absicht den Tag gewählt hätte, auf dasFest des heiligen Franz R.gis fiel, so konnten die beiden letztge-nannten Sacramente, abermals ohne vorherige Berechnung, amfüglichstcn am Tage des heiligen AloysiuS und das letztere in derCapellc dieses Heiligen ebenfalls durch den Herrn Cardinal Ostiniertheilt werden. In sichtbarer Rührung gedachte derselbe, wieer an gleicher Stätte den nun als Firmpathcn erschienenen be-

') Der Aiisana, derselben wild unter dem Titel:Geburt und Wiedergeburt. Erinnerungen aus meinem Leben," dieser Tage die Presseverlassen.

rühmten Ovcrb eck vor dreißig Jahren in den Schooß derrömisch-katholischen Kirche zurückgeführt habe. Indem aber derso eben Aufgenommene die heilige Communion gleichsam an derSpitze der gesammten stndirenden Jugend Roms empfing, mochtefür diese hierin ein Wink liegen, wie ernstes und VorurtheilsfreiesStudium zur lcbenvollen Einverleibung in die Kirche am sicher-sten führe, so wie für ihn selbst die Anwesenheit zahlreicherFreunde aus Rom, Deutschland, Frankreich und der Schweiz zurErmuthigung und Festigung diente.

Wer den Geist, der in der katholischen Kirche lebt, nicht kennt,wer auf dieselbe nur schiefen Blickes durch den grauen Nebel sei-ner Vorurthcile zu schauen vermag, der dürfte vielleicht meinen,es sey dieser Rücktritt gleichsam als ein besonderer Erwerb fürdie Kirche begrüßt worden. Ja er wurde begrüßt, Gott wurdegepriesen, der Zurückgekehrte wurde beglückwünscht, innig, herz-lich, aufrichtig von dem Cardinal bis hinab zu dem, PilgerdiencrMichel in der Anima, von der Fürstin bis zu der armen Aufwär-terin, aber nicht in dem Sinne, wie vielleicht Jene meinen, son-dern einstimmig in dem Sinne, daß Gott ihm Gnade habewiderfahren, daß er ihm das Licht habe aufgehen lassen, daß erihn habe belohnen wollen für je zu Zeit erwiesene redliche Ge-sinnung. Wie den Dr. Hurter vor seiner Rückkehr in die Kirchenichts so sehr festigte, als die Wahrnehmung, daß selbst von den-jenigen, welchen solches Niemand hätte mögen verargen, dießnicht wolle betrieben, sondern Alles der höhern Lenkung und da-neben seinem eigenen Ermessen anheimgestellt werden, so hat auchnachher demselben nichts so sehr zur Ermuthigung gedient, alsdiese einstimmige Aufforderung an ihn, Gott für die erlangteGnade zu danken. Die Kirche bedarf nicht der Menschen, aberdie Menschen bedürfen der Kirche; und wenn Hundertc und wennTausende zu ihr zurückkehren, so hat nicht sie, sondern habendiese von Gewinn zu sprechen. Würde aber die Mutter, wennsie die Zahl anhänglicher Kinder sich mehren sieht, nicht für diesesich selbst freuen, dann wäre sie die treue, die mit allen Schä-tzen der Gnade ausgestattete Mutter nicht.

Deutschland .

Köln , 25. Januar. Man erzählt sich hier folgende Anekdote,die bei der Fahrt des Hochwürdigsten Bischofs Arnold! nach Bonn stattgefunden haben soll. Ein anwohnender Pfarrer fand sich bei derStation Roisdorf mit seinen Pfarrkindern ein, um dem frommenallgeliebten Bischof einWillkomm" zu bringen. Derselbe solldann bemerkt haben, daß der kurze Augenblick, den der Eisenbahn-zug auf der Station still halte, ihm nicht viel Worte erlaube: daßer daher Sr. Bischöflichen Gnaden in kurzen Worten die Versiche-rung gebe:keines seiner Pfarrkinder werde bei den Schnei-dern in Bonn ") etwas arbeiten lassen." (Katholik.)

Italien

Rom , 21. Jan. Heute Vormittag fand am Namenstag derheiligen Agnes, in der alten dieser Heiligen geweihten Basilica vorPorta Pia, die Wcihung der beiden Schäfchen, deren Wolle zuden heiligen Pallicn für Erzbischöfe bestimmt ist, unter den gebräuch-lichen Ceremonien statt. Se. Heiligkeit der Papst erschien, durcheine leichte Unpäßlichcit verhindert, nicht bei dieser Function.

So nennt der Nolkswitz jetzt die Bonner Professoren Gildemeister undSybcl wegen ihrer Schrift g'gen den ungenähten Rock unsers Herrn.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

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