fie doch Privatunterricht geben und üben ungehindert alle ihregeistlichen Verrichtungen aus. Auch hat die jetzige RegierungFrankreichs noch kein Dccrct erlassen, daß die zahlreichen französi-schen Jünglinge, welche bei den Jesuiten zu Freiburg studircn,deßwegen von allen geistlichen und weltlichen Aemtern ausgeschlossenseyn sollen. Der unlängst verstorbene König von Holland hatallein den Neu-Bcrncrn daö Beispiel eines solchen Dccrets gege-ben; er wollte ebenfalls die Jugend seines Landes in anlichristlicheSchulen zwingen, aber eS ist ihm übel bekommen: Katholiken undLiberale vereinigten sich; wiewohl aus verschiedenen Gründen undAbsichten, gegen ihn; er ward zum Erstaunen der Welt sogarvon seinen nächsten Freunden und Verwandten, dem Kaiser vonRußland, den Königen von Preußen und England , verlassen,verlor zwei Drittheilc seines Reichs, und seither blühen die Jesui-tcncollcgien in Belgien , wiewohl unter einem protestantischen undcvnstitutioncllcn König, mehr als in keinem andern Lande, siesind sogar im eigentlichen Holland aufgenommen, und die katholi-sche Kirche , welche man bckncchtcn wollte, ist freier, als sie vor-her gewesen.
Endlich wollen wir noch an ein ähnliches Beispiel auö derSchweiz selbst erinnern. Es hatte die weiland helvetische sehrradicalc Regierung in ihrer vollen Ccntralgewalt bereits dccrctirt,daß nicht bloß die Jesuiten , deren damals keine vorhanden waren,sondern sämmtliche katholische Priester dcvortirt, d. h. bannisirtund durch Landjäger oder Soldaten über die Glänze geführt wer-den sollen. Allein was geschah? Die Priester blieben alle imLande, dagegen aber ward die helvetische Regierung sammt ihrenSchreib- und Waffenknechtcn von ihren Sesseln in Bern herabbis an den Genscrsce geworfen; sie flehte kriechend um fremdeHilfe, fand aber selbst bei ihren Stiftern in Frankreich keine Gunstmehr, sondern ward aufgelöst und ist Todes verblichen; es muß-ten sogar auf französischen Befehl die von ihr aufgehobenen Klö-ster wieder hergestellt werden."
Wir tragen zu dem Artikel der Postzeitung, welcher die Er-communication und Degradation Czerski'S betrifft, noch die (dortausgelassenen) Stellen des Documentcs nach, welche die Ermah-uung an die Diöccsancn enthalten. Sie lauten wie folgt: „Wennzu jeder Zeit, um so mehr in der gegenwärtigen, laßt uns jenewichtige Ermahnung des heiligen Apostels Petrus i'n's Auge fas-sen: Seyd nüchtern Brüder und wachet! Die Nüchternheitwird dazu beitragen uns wacksam zu erhalten; und die Wachsam-keit wird uns wahrnehmen lassen den Feind und Gegner, der starkund drohend um uns wie ein Löwe umhergeht und suchet, wener verschlingen könne. 1. Pctr. 5, 8. Es ist kein geheimer,soudcrn ein offener Widersacher, der nicht schläft, «och müssiggeht, sondern stets thätig ist, und alle Kraft aufbietet, um jenenFelsen, auf dem der Herr seine Kirche erbaut hat, zu zertrümmernund die Einheit derselben, die Einheit im Glauben und den heili-gen Sacramcnten, wie auch in dem sichtbaren Oberhaupte derKirche zu zerreißen und zu vernichten. Dieses Widersachers feurigePfeile (Ephcs. 6, 16.) vermöge« wir nur durch die Kraft undFestigkeit unseres Glaubens auszulöschen.
Wundert Euch übrigens nicht über alle diesegegen u»sere Kirche gerichteten Angriffe, und nochweniger ängstigt Euch darüber. Die von unserem Heilandevorhcrgcsagte Bestimmung dieser Kirche ist: stets zu leiden und mit
Widerwärtigkeiten zu kämpfen. Aber Derselbe, der dieser KircheStürme und allerlei Ungemach vorhcrgcsagt, hat ihr auch seinenSchutz und ewige Dauer versprochen. Was die Hand des All-mächtigen gegründet und angeordnet hat. das vermag keine Machtder Menschen und selbst der Hölle umzuändern, noch viel wenigerzu vernichten. Die Kirchcngeschichte stellt uns mehrfach sehr trau-rige Beispiele von Abfall und Verläugnung der himmlischen Wahr-heit vor; aber sie berichtet gleichzeitig die schrecklichen Folgen hie-von. Wenn die verstoßene und verhöhnte Religion von den Men-schen ihr leuchtendes Antlitz wegwendet, alsdann irrt die mensch-liche dieses Lichtes beraubte Vernunft blindlings in den Finster-nissen einsam umher und wie verloren weiß sie nichts recht zubeginnen, indem sie alles verwirrt, zertrümmert und vernichtet.Ein Mensch ohne Religion ist jener Frucht ähnlich, die vor derReife vom Baume abgeschüttelt der Fäulniß und Zernagung durchdas Gewürm anheimfällt; nur mittelst der belebenden Strahlen desGlaubens gedeihtt diese Frucht zur Reife, schmücket den Baumund zur gehörigen Zeit gepflückt, wird sie zur Frucht des Lebens.
In jedem Lebensalter, in jedem Zustande der menschlichenGesellschaft, in allen Veränderungen des unstäten Geschicks, ist dieReligion eine Leuchte deö Verstandes, ein Quell des reinsten Glücks,der untrüglichsten Hoffnung und Freude, wie auch ein Anker derBeseligung. Laßt uns also an diesem Anker festhalten, damit wirnicht zu Grunde gehen in den Abgründen, die unsere Gegnervor «ns bereiten! Laßt uns alle zur alten Frömmigkeit unsererVorfahren zurückkehren, zur Festigkeit ihres Glaubens und dem Eiferfür Erhaltung desselben! Laßt uns unsere Herzen zuwenden derFurcht Gottes, dem Eiser für seine Ehre und für Aufrechthaltungseiner uns gegebenen Gebote und Lehren; denn dadurch werden wirverdienen, daß Gott über uns die Gaben seiner Barmherzigkeitergießen wird, und unsere Widersacher werde» erstaunt sprechen:Darum ist Gott geduldig mit ihnen und ergießetüber sie seine Barmherzigkeit. Gccl. 18, 9.
Da aber unsere Religion unS jedes Nachcgefühl verbietet, viel-mehr »ns befiehlt die Feinde zu lieben und Gutes zu thun Denen,die uns hassen und verfolgen, so wollen wir demüthig und vcr-trauungsvoll uns dem Gnadenthrone unseres Gottes und Herrnnahen und Ihn anflehen: daß Er unseren Feinden ihre Schuldverzeihe. Laßt uns also Ihn flehentlich bitten für unsere unglück-lichen Brüder, welche durch List des Satans und durch Betrugseiner Abgesandten neuerlich in so tiefe Finsternisse des Irrthumsverfallen sind, daß der Herr sie erleuchten, zur Besinnung und Be-kehrung führen und seiner Kirche zurückgeben wolle. Laßt unSbitten, daß er auch die gegenwärtigen Anfeindungen und Angriffegegen seine Küche entkräften und ihnen keine Ucbergewalt über siegestatten, vielmehr diese seine Kirche mit seinem mächtigen Armbeschützen und verthcivigcn möge. Laßt unS vorzüglich diesenhimmlischen Hausvater bitten, Er wolle Arbeiter schicken inseinen Weinberg, der heute bei uns unter einer solchen Fülleder Ernte so verwaist ist, — Er wolle uns versorgen mit solchenPriestern, die da wirklich sind, was sie seyn sollen, das Licht derWelt und das Salz der Erde.
Laßt uns Brüder, spreche ich nochmals mit den Worten des heiligenApostels, — laßt uns nüchtern und wachsam seyn, damit der Feind nichtkomme und Unkraut säe zwischen deu Waizen. Laßt unö ihm stets Wider-stand leisten durch Standhaftigkeit im Glauben, unv unser ganzes Lebens-ziel sey dahin gerichtet, auf daß Gott sey Ehre i« der Höhe und auf ErdenFriede den Menschen , die eines guten Willci-s sind. Luc. 2, 14.
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