Ausgabe 
5 (9.3.1845) 10
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Man sieht überhaupt aus den Pocsieen des Lord John MannerS,daß das junge England in der Politik ein Resultat der religiösenBewegung ist, die vor zwölf Jahre» an der Universität Oxford sich zu entwickeln begann. Diese puseyistisch-katholische Scbulevon Oxford ist selbst aus den politischen Umständen hervorgegan-gen. Die Lage der cmglicanischcn Kirche bietet heute einen merk-würdigen Contrast, verglichen mit dem, was sie vor zwölf Jahrenwar. Man befand sich damals unter dem Eindruck der Emanci-pation der Katholiken, die utilitarischen Ideen und der philoso-phische Liberalismus, die in der Neformbill ihren Sieg feierten,verfolgten damals einen aufsteigenden Weg; die alten schon ange-griffenen Privilegien der Kirche sahen noch gefährlichere Stürmegegen sich heranziehen; eine parlamentarische Commission, welchefür die Beaufsichtigung der Kirchenangelcgcnhciten ernannt worden,in der aber die Laien die Mehrheit bildeten, schien der geistlichenUnabhängigkeit der Kirche Gefahr zu bringen, indem sie an ihrerweltlichen Einrichtung rüttelte. In diesem Moment war cS, woden Angriffen des philosophischen Geistes und der diss ntirendcnSccten gegenüber einige Clcrgymen der Universität Oxford , dieHerren Puscy, Palmer, Williams «nd Newman, sich indem Bestreben vereinigten, die anglicanische Kirche auf die Basisder römische» zurückzuführen, die vergessenen Principien, welchejene mit dieser gcmci»schastlich hat, wiederherzustellen, ihr denGlanz der alten Tradition wiederzugeben, auf welcher die englischeKirche beruht, die, obwohl sie von der Gemeinschaft mit Rom getrennt ist, gleichwohl Anspruch macht, den Fundamcntal-Charak-ter des Katholicismus in sich zu bewahren. Sie schrieben erstkleine Abhandlungen, in welchen die Hauptpuncte des Glaubensund der Verfassung der anglicanischcn Kirche einer neuen Prüfungund Erklärung unterworfen wurde«: diese Brochürcn, die anonymund unter der Bezeichnung lor tlro ^imos erschienen,

machten großes Aufsehen. Mitten in der Polemik, die sich umsie erhob, verbreitete sich der Geist, der sie eingegeben, bei einemTheile der UnivcrsitätS-Jugend, des jüngeren Klerus und derhöheren Classe Englands . Die Schriften der ersten Theologen deranglicanischcn Kirche, in denen man den Geist des Katholicismus,je näher man der Epoche Heinrichs VIII. kommt, desto lebendigerwieder findet, sind von neuen: gedruckt und publicirt wordcu.Man hat neue Ausgaben von den Werken der alten Kirchenväterveranstaltet; noch in diesem Augenblicke gibt man das Leben derHeiligen heraus, die der Zeit angehören, wo England mit Rom in Berbindung war, geschricbeu in dcn Gesinnungen der mittel-alterlichen Jahrhunderte; doch schon fängt auch der oppositio-nelle Sturm an, ein furchtbares Ungcwitter heraufzuführe«, inwelcher Beziehung wir namnUlich nnf einige der letzten Blätter deswhiggistischen Morning Chronicle verweisen.

Zu den Büchern, welche jene Bewegung hervorgerufen, ge-hören auch die Poesien des Lord John MamicrS. Der Enthu-siasmus desselben sür die Kirche läßt sich aus ein doppeltes Motiv,auf ein doppeltes Element zurückführen. Lord John Manncrsliebt in der Kirche die Hüterin der edlen und heiligen Tugenden,die das religiöse Gefühl unterhält, und dann liebt er die Kirchewegen der Wohlthaten, die sie über sein Vaterland verbreitet hat,also aus patriotischer Dankbarkeit. Die letzte Nuance, welchevielleicht die Gefühle des Lord MannerS beherrscht, wirft auf sei-nen Cultus für die Kirche eine historische Fa-bc; cr macht gernedie Vergangenheit der Kirche zum Gegenstand seiner Betrachtung.Auch sind er und seine Freunde weit entfernt, das Urtheil derProtestanten in Bezug auf die Religion des MittclaltcrS zu unter-schreiben, sie erblicken vielmehr in dieser Epoche die schönsten Zei-

ten des Christenthums. Ja cr wünscht nicht bloß die Rückkehrdes alten Glanzes der Kirche, sondern auch die Vereinigung derKirchen, die im Episkopat die apostolische Tradition bewahrt haben.Er hofft, daß seinwicdergcborncr Glaube England an die Spitzeder katholisch n Kirche stellen wird, er möchte cS gerne mit cincmheiligeren Namen als dem der Herrin der Meere geehrt sehen,mit dem Namen, den Rom in seiner blühenden Jugend trug,und den der Glaube von Ufer zu Ufer fortpflanzte, dein Nameneiner Mutter der Kirchen." In einem, an Rom gerichtetenGedichte macht cr dem Papstthum Vorwürfe, die gcwiß in dcmMunde dcs Engländers bedeutsam kliugcu:Herzloses Rom! großist deine Sünde, daß du «och nicht das grausame Urtheil, unterwelchem wir in dcn fremden Länder« schmachten, widerrufen

hast.....In reineren Tagen blieben die Kinder der Kirche

fest gegen das Schisina und die Häresie. Aber jetzt wie ist mein

Herz so betrübt!"..... Nach solchen Aeußerungen ist Lord

John MannerS nur conscquent gewesen, wenn cr im Unterhausedie Negierung aufforderte, diplomatische Verbindungen mit Rom wieder anzuknüpfen.

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Das Schicksal der Jesmten - Austreiber.

- nnv'A nzüuo^ ,mz) dlnmkL n,j . «»iiu^L -il Soli t?din»Unter dicsem Titel >agt die StaatSzcitung der kathol.Schweiz:Die Könige von Frankreich, Spanien und Portugal ,von drei gottlosen, mit Freimaurern und mit der autichristlichcnSecte einverstandenen Minister», Choiscul, Arenda uud Pombal,aufgehetzt, ließen sämmtliche Jesuiten , die sich in ihre» Reichenbesanden, medr als 4000 unschuldige uud würdige Geistliche,unter dcn lügenhafteste» und widersprechendste» Vonvändcn, aufdie himinclichreiendstc Weise, ohne Untersuchung, ohne Verhör,ohne Urtheil theils einkerkern und hinrichten, theils an einem unddemselben Tage aus dem Lande dcportircn und an srcmdcu Küstenaussetzen. Aber die Nemesis blieb nicht aus, und traf schon dieSöhne und Sohnssöhne dieser verblendeten Könige. ZwanzigJahrc hernach ward der gutmüthige, aber allzuschwachc Ludwig XVI .nicht durch Jesuiten , sondern durch ihre Feinde vom Throne ge-stürzt, sogar dnich Hcnkershcinde auf's Schaffott geschleppt, undhatte dieses traurige Schicksal gerade sciucu gcpricscucn Concessio-nen, seiner falsche« Friedensliebe zu verdanken, die den Ruchlosenkeinen Widerstand leisten wollte und, um das Blut von wenigenMissethätern zu schonen, dagegen das Blut von Millionen recht-schaffener Menschen in großen Strömen vergießen ließ. DieKönige von Portugal und Spanien wurden ebenfalls durch Frei-maurer, d. h. durch die Todfeinde der Jesuiten , aus dem Landegejagt. Der rechtmäßige Erbe des portugiesischen Thrones, wel-cher zu spät dem Uebel wehren wollte, obschon von dem treuenVolke beharrlich unterstützt, ward durch drei Mächte, die seineFreunde hätten seyn sollen, die aber unter dem Joche der Frei-maurer stunden, aus seinen: Reiche vertrieben und konnte seineZuflucht nur in Rom bei dcm von seine«, Vater und Großvaterso schr gekränkten und beleidigten Haupt der Christenheit finden.

Karl X. , König von Frankreich, welcher zwar wider seinenWillen uud seine bessere Einsicht sich durch die uugestümen For-derungen der revolutionären Partei, durch Furcht und faischc Fiic-dcnShoffnuugcn dic Aufhebung aller Jcsuilencollcgicn abtrotzen ließ,ward gerade ein J chr nachher von eben dieser jcsuilcnfcindlichenFaction nebst seiner ganzen Familie aus dcm Lande seiner Väterverjagt; die Jesuiten hingegen blieben ruhig in Frankreich zurück,und wenn sie auch noch keine förmliche Collcgien halten, so dürfen