Ausgabe 
5 (9.3.1845) 10
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen
  

W

I

schritts, läßt die Menschen nicht ruhen und macht sie eben so will, alle diese Eigenschaften sind nicht im Stande, die Wirkung

unbekümmert um die Zukunft, als rücksichtslos gegen die natur- eines einzigen Sacramentes, das man recht empfängt, zu ersetzen,

gemäße Entwicklung der menschlichen Verhältnisse. Warum also die Heilsmittel Christi aufgeben, um dafür z. B. die

So lange dieses Streben nach unaufhörlicher Revolution auf Humanität einzutauschen? Das wäre ganz verkehrt, denn gerade

menschlichem Gebiete bleibt, haben wir es nicht zu bcunheilen undzu bekämpfen; wenn es aber auch die Religion in den Wirbel desFortschrittes hineinzuziehen sucht, wie es heutzutage häufig ge-schieht, dann sind wir veranlaßt, vom religiösen Standpuncte ausdarüber ein Wort zu sagen.

Wir reden nur von der katholischen Religion, dazu habenwir ein Recht und eine Pflicht, nnd beleidigen dadurch niemand.Die katholische Religion ist eine göttliche Einsetzung, ihre Offen-barung ist mit ChristnS geschlossen, sie ist eine vollendete That-sache , die über dem Menschen steht. Die Kirche kann daher kei-nen neuen Glaubenssatz machen und keinen alten aufheben oderabändern, sie kann kein neues Sacrcimcnt einführen und kein altesabschaffen, sondern sie kann nur die Glaubenssätze und Sacramcnte,wenn sie bestritten und bezweifelt werden, erklären und feststellen,was sie oft in ihren Vcrsammlnngen gethan hat. Von einereigenmächtigen Aendcrnng des Menschen in diesen Dingen darfdaher nicht die Rede seyn, von einem zeitgemäßen Fortschritteund Zuschnitte der Glaubenslehre auch nicht, denn kein Menschist befugt, die Religion Jesu zu ändern. Diese Religion sollnach der Bestimmung Christi der Leitstern und die Führcrin derGläubigen seyn bis an das Ende der Tage, die Gläubigen dür-fen daher die Glaubenslehre dieser Religion nicht abändern, sonstverliert sie die Bestimmung, die ihr Christus gegeben hat. Nuran sein Werk hat Christus die Verheißung geknüpft, nicht andas Werk irgend eines Menschen. Die Niligivn Iesn darf dahernicht in den Strudel der menschlichen Veränderungen herabgezogenWerden, sonst ist sie für diejenigen Menschen verloren, welche sienach dem unbeständigen und wechselnden Sinne des Menschen ver-derben. Fangt man an, die Religion zu verändern, so gibt eskeine Gränze, wo die Aenderung anfhören soll, sondern wenn manconsca>cnt fortfährt, so wird die Religion vernichtet. Denn dieewige Dauer einer menschlich gemachten Religion kann niemandgarantircn, nnd ob es der Mühe werth sey, sich einer zeitlichenReligion zu unterwerfen oder nur anzuschließen, das ist noch sehrdie Frage.

Also gar kein Fortschritt? wird man fragen. Ja wohl, einFortschritt des Menschen zum Gntcn durch Besserung, dnrchUebung der Tugenden, welche die Religion Jesu vorschreibt, kei-

aus der gewissenhaften Befolgung der Gebote Christi ergeben sichiene Eigenschaften und gesellschaftlichen Tugenden von selbst, ohneReligiosität sind sie aber weder von Bedcntnng, noch von Dauer.

Diejenigen Katholiken, welche sich nicht von der Religiondes Fortschrittes bethvrcn lassen, thun recht daran; sie halten anChristus nnd seiner Kirche fest, die bessere Führer sind, als derWind der Tagespreise. Wir stören diese nicht in ihrem politischenTreiben, sie sollte auch die Katholiken ruhig bei ihrer Religionbelassen.

Das jnnge England .

(Der Katholik,)

Während das junge Deutschland die Verbesserung des Vater-landes nach juughegel'schcn Philvsophcmcn und in der Emancipa-tion des Fleisches zu erstreben sucht, eigentlich aber nichts weiterdarstellt, als den bodenlosen Sumpf einer nach allen schlechtenRichtungen hm und zum allgemeinen Verderben wirkenden Presse,sehen wir in England die Jugend glücklicherweise ein weit ehren-hafteres Ziel verfolgen. Davon gibt nns folgende Darstellung,welche wir a»S dem Magazin für die Literatur des Auslandesentnehmen, ein höchst erfreuliches und für Deutschland sehr beschä-mendes Beispiel. Zugleich ersehen wir hieraus, wie intensiv undstark jene neue in der englischen Hochkirche entstandene Bewegungist und wie sie selbst schon ans das übrige gesellschaftliche Lebeneinen bedeutenden Einfluß äußert.

Selten beginnt, heißt es in dem gedachten Aufsatze des Ma-gazins, eine nenc politische Partei ihre Wutsamtcit so vorherr-schend mit poetischen Productcn, als dieß bei dem sogenanntenjungen England " der Fall ist. Zu den bedeutendsten Vertreterndesselben gehören auch zwei junge Männer, die bisher fast nurdurch literarische Leistungen für ihre Partei gewirkt, und die auchdurch ihre Jugend noch mehr als Herr d'Iöraeli berechtigtsind, das junge England zu reprLscntircn. Der älteste der beidenSchriftsteller ist noch nicht achtundzwanzig Jahre alt. Beide gehö-ren der Aristokratie an. George Sidncy Smith ist derälteste Sohn des ViScount Strangford, Lord John ManncrSist einer von den Söhnen des Herzogs von Ruttlanv. Auch sind

ncswegS aber ein Fortschritt dnrch Aenderung dieser Religion, beide seit drei Jahren Mitglieder des Unterhauses. Die Bücher,Denn in dem wechsclvollcn Leben des Menschen ist gerade Eines ^ um derentwillen sie eine nähere Besprechung verdienen, sind inothwendig, das nicht wechselt, Eines, welches das Unrecht der > Kngluncl's l'iusl (Englands Zuversicht) nebst anderen Gedicht nWelt, das dicßseitö nicht gesühnt wird, jenseits berichtigt, Eines, l von Lord John Manners nnd die Ilislorie s-znoies (historischeWas dein gefallenen »»glücklichen Menschen die Heilmittel anbietet ^ Phantasien) von Smith.

und gewährt, sich mit Gott wieder auszusöhnen. An dieser! Ein einziger Gedanke durchdringt die Gedichte des Lord JohnGrundlage darf aber nichts verrückt werden, denn der Mensch! Manners: dieß ist ein religiöser Gedanke, aber mit der Nüance,

kann allein seiner Seele nicht helfen, er kann seine Sündhaftigkeitnicht mit einer selbstgemachten Religion heilen. Christus ist derSeelcnarzt, seine Heilsmittel, die Sacramcnte, müssen wir brau-che», wc»» unsere Seele genesen soll, an ihn müssen wir glau-ben, nicht an uns, wenn wir ans dem rechten Wege bleiben wollen.

Es verräth eine große Unkcnntniß der katholischen Religion,Wenn man den Katholiken zumutstet, sie sollen dieselbe den Zeit,ansichten unterwerfen und nach jeweiliger Eingebung der Modeändern. Das wäre ein Fortschritt zum Verderben. Man magihn mit den schönsten Vorspiegelungen von Menschenwürde, Sitt-ichkeit, Humanität, Höhe der Zeit u. s. w. anrühmen, wie man

die England eigenthümlich ist und die besonders die junge Schuleauszeichnet. Lord John Manncrs hat an der Religion nicht dask'esumzen, was sich der Poesie zunächst darbietet, den Rausch derExtasen, die Pracht der Hymnen, die Schmerzen, die von derResignation hingenommen u-d von der Hoffnung beschwichtigt wer-den. Lord John Manners hat eS weniger mit der Religion alsmit den Instituten der Religion zu thun, mit der äußeren Form,die ihr in England zur politischen Hülle dient, er hat vorzüglicheine Demonstration zu Gunsten dessen gemacht, was die Englän-der die bestehende Kirche, tiw estÄltlitjlrecl cliureli nennen. Fürihn ist Ungl-rnä's l'rust (Englands Zuversicht) die Kirche.