Ausgabe 
5 (16.3.1845) 11
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jener Kirche, Welche sich kraft ihres unfehlbaren Lehramtes rühmendarf, jenen hehren lcbendigmachenden Glauben, jenes Gotteswort,durch alle Jahrhunderte hindurch bis auf den heutigen Tag reinund unverfälscht erhalten und allen Nationen überliefert zu haben.Am Feste der Erscheinung bietet daher auch Rom Alles auf, umsich als die Metropole des Bischofes der Bischöfe, unter dessenObhut von Christo alle Schafe, alle Lämmer gegeben sind, zubewähren. Keine Stadt auf der Welt, außer Rom , hat auchsolche Mittel, die Einheit und Allgemeinheit der Kirche klar undlebendig vor Augen zu stellen. Denn die Hauptstadt der Weltbesitzt jene unvergleichliche Anstalt, jenes Weltscmiuar, wie keinzweites zu finden, die blühende Anstalt der Propaganda, in wel-cher gegenwärtig über 190 Jünglinge aus allen Völkern der Erdezu Aposteln ihres Vaterlandes herangebildet werden. Mit dersel-ben Weisung, die einst der Herr seinen Zwölfen gab: Gehet hinund lehret alle Völker u. f. w., sendet sein Stellvertreter jährlich«uS der Propaganda Priester in die Welt, damit sie ihrem Volkedie Erlösung durch Christum verkünden. Zum Zeugnisse aber,daß die Gemeinschaft der vielen Glieder mit dem Einen Hauptedas wahre Leben bedingt und daß dieselbe durch Verschiedenheitder Abstammung, der Gebräuche und der Sprache nicht nur nichtgestört, sondern dadurch noch offener hervortritt, wird am Festeder Erscheinung in der HauScapelle der Propaganda das hl. Opferin mehrerlei Ritus und Sprache dargebracht, und am Nachmittage(dieses Jahr am Nachmittage des nächsten Sonntagcö) hört manvon den einzelnen Zöglingen in den verschiedensten Sprachen dasLob des Erlösers verkünden. Ganz eigenthümlich und der Welt-stadt würdig ist ebenfalls die an diesem Tage beginnende achttägigeFeier in der Kirche 8t. ^näroa clella Valle. Man muß selbstzugegen gewesen seyn, um in die allgemeine Meinung mitcinzu-stimmen, daß Rom fast keine schönere und bedeutungsvollere Fcst-fcier aufzuweisen hat. Der Stifter derselben ist ein schlichter,armer, demüthiger Priester aus dem Neapolitanischen, NamensVincenz Palotta. Allgemein wegen seiner Tugenden hochverehrt,fiel es ihm nicht schwer, überall die nöthige Beihilfe zu erhalten;und so brachte er eS mit Genehmigung des Papstes zu Stande,daß in besagter Kirche die Octavc des Festes der Erscheinung imeigentlichen Sinne des Wortes als Völkerfest gefeiert wird. Außer-dem, daß an jedem Morgen mehrere stille hl. Messen in verschie-denen Ritus gefeiert werden, finden täglich zwei Hochämter statt,eines in abendländischem, das andere in morgenländischem Ritus,und zwar dieses Jahr am ersten Tage das lateinische Hochamt vonden Vätern des Ordens der Theatiner , das orientalische von denArmeniern. Am zweiten Tage hielten das lateinische die Patresdes hl. Franz von Paulo, das orientalische die Maroniten. Sowechselten diese acht Tage hindurch die lateinischen Orden in Dar-bringung des hl. Opfers mit den unirtcn Griechen, Syriern,Melchiten, Armeniern und Chaldäern. Die Sprache und Cere-monien waren zwar verschieden, aber ein und derselbe Glaube,dieselbe Anbetung vereinigte die Priester der verschiedensten Völkerso wie am Mittelpuncte der Einheit der Lehre und Verfassung, soauch vor dem Mittelpuncte der Andacht und des Gottesdienstes. Dann ist ferner die passende Anordnung getroffen, daß anjedem Tage die Zöglinge je irgend eines Kollegiums sowohl Mor-gens beim feierlichen Hochamte, als auch Nachmittags bei derVesper und am Abend bei dem Segen assistircn, so am erstenTage die Alumnen unseres deutschen Collegiums, mehr denn 60an der Zahl, dann an anderen Tagen abwechselnd die der römi-schen, englischen, schottischen, irländischen u. s. w. Kollegien. Dieübrige Zeit, wo keine Messe oder sonstige Andacht stattfand, war

für die Predigten in verschiedenen europäischen Sprachen bestimmt,und zwar jedesmal eine Stunde vor Mittag. Am ersten undsiebenten Tage wurde in deutscher Sprache gepredigt, uud zwarvon dem Priester Franz Joseph Gehlen aus der Diöccsc Münster.Die musterhaften Vorträge des unstreitig ersten Kanzclredners inRom , des ?. Ventura, der täglich irgend eine HcilSwcchrhcit mitbesonderem Bezug aus die von der Kirche Getrennten auf die an-ziehendste Weise an das Evangelium von den drei Weisen anzu-knüpfen und mit hinreißender Klarheit und Beredsamkeit durchzu-führen wußte, wurden von Fremden und Einheimischen, selbst auchvon den sich hier aufyaltcnden Protestanten, Russen und Eng-ländern zahlreich besucht. An jedem Abende nach der italienischenPredigt sah man die nach römischem Geschmack gezierte Kirchewahrhaft festlich erleuchtet, und nach Aussetzung des hvchwürdigstcnGutes ward alsdann abwechselnd vom Chor und dem Volke der116te Psalm:Lobet den Herrn alle Völker, lobet ihn alle Na-tionen" gesungen und dann sofort die lauretanische Litanei ange-stimmt. Nach derselben ertheilte jedesmal Einer der Kardinäle denhl. Segen. Wer endlich das Glück gehabt hat, dem feierlichenTedcum am Schlüsse dieser merkwürdigen Octavc beizuwohnen und^zu gewahren, wie vollkommen zufrieden die Christen aller Ständeund so zu sagen aller Völker mit der sinnvollen Feier dieser Tagewaren und wie gerührt sie Alle in dieses Schluß-Tedeum einstimm-ten; der wird nicht zuviel sagen, wenn er behauptet- Eine solchedem Feste der Erscheinung durchaus anpassende, hcrzerhcbendc, alleVölker wie zu Einem Volke in Christo vereinende Feier vermagnur Eine und zwar die katholische Kirche zu begehen. Nur inihr macht es Eindruck, nur in ihr fühlt man, was heißenwill:Lobet den Herrn alle Völker denn es ist bestätigt überuns seine Barmherzigkeit und die Wahrheit des Herrn bleibet inEwigkeit." (Münst. S.-Bl.)

Die katholischen Blätter aus Tirol schreiben ausRom , Ende Januar:Wer Rom nur nach dem beurtheilet, wasseinen Blicken auf öffentlichen Plätzen, in Straßen und Gassenbegegnet, dürfte keinen giltigern Schluß machen, als ein Mann,der durch eine sehr reiche Stadt gehet und sich über ihre Armuthbeklagt, weil er auf den Gassen kein Gold und keine Diamanten,sondern nur gemeine Pflastersteine entdeckt. Rom , das im Schooßeseiner begnadigten Erde die Gebeine vieler Tausende von Heiligenbewahret, ist noch immer eine fruchtbare Mutter, die durch Tugendund besondere Heiligkeit ausgezeichnete Kinder aus jedem Stande,jedem Alter und Geschlechte an ihrem Busen ernähret. Wie aberauf Roms heiligem Boden so manches schöne Väumchen empor-wächst, blühet und himmlische Früchte trägt, ganz unbemerkt vorden Augen der großen Menge, mag unter Anderm das beweisen,was ich Ihnen eben berichte.

Am 4. October v. I. starb auf dem Quirinal im Klosterjener Frauen, welche die ewige Anbetung des allerheiligstcn Sacra-mentes zur schönen Aufgabe haben, eine fromme Klosterfrau,Maria Guisevpe mit Namen, seit vielen Jahren Oberin dieserklösterlichen Gemeinde. So wie ihr Leben, so war auch ihr Todnur der nächsten Umgebung bekannt. Erst nach bereits einemVierteljahre hörte ich zufällig in einer Versammlung von Priesternden Namen der Dahingeschiedenen nennen, ihre Heiligkeit preisenund die Wunder erzählen, welche nach ihrem Tode zur Bestätigungihrer Heiligkeit geschehen sind. Ich begab mich, um an derQuelle die reine Wahrheit zu schöpfen, zur gegenwärtigen Oberindes Klosters, welche mir das schon bereits Gehörte theils bestätigte,theils berichtigte. Diese Maria Guiscppc hatte früher als Schwester