Ausgabe 
5 (16.3.1845) 11
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen
  

des dritten Ordens drS heiligen FrcmciscuS in der Welt, jedochsehr abgeschieden gelebt, als sie im Jahre 1808 mit mehrernfrommen Frauen gleicher Gesinnung den Entschluß faßte, einereligiöse Gemeinde zur ewigen Anbetung des allerheiligsten Sacra-mcntcs zu stiften. Bekanntlich war damals der Gräuel politischerund kirchlicher Wirren in der heiligen Stadt bereits auf den höch-sten Grad gestiegen; verachtet und zertreten von den Füßen einesstolzen Machthabers, seufzte die Kirche um Heil und Rettung vonoben. Während ganze Schaaren wilder Raubvögel das heiligeSivn umschwirrten, und ihre eisernen Krallen an Religion unddie heiligen Rechte der Kirche, ja selbst an die geheiligte Persondes obersten Hirten schonungslos ansetzten, öffnete der heil. Vaterdiesen Tänblcin Christi recht gerne ein stilles verborgenes Obdach,wo sie unbekannt und sicher vor den Feinden der Kirche Tag undNacht den Tabernakel des Herrn bewachen, unablässig für dasWohl der christlichen Hcerde seufzen und beten, und den gerechtenZorn dcö Herrn durch Werke der Buße und Frömmigkeit besänf-tigen sollten. Als Grundlage ihres geistlichen Lebens wurde ihnendie Regel dcS heil. Augustin gegeben; sie tragen ein weißes Or-dcnsklcid, haben strenge Clausur, legen die feierlichen Gelübde ab,und sind zur ununterbrochenen Anbetung des heiligsten Sacramentesverpflichtet. Maria Guiscppe gründete später auch ein ähnlichesHaus in Neapel . Eine lange Reihe von Jahren lebte sie hierals Oberin ihres Klosters. Ihr Leben war das Leben einer Hei-lige das vollkommenste Muster der ihr untergebenen Gemeinde.Mit ihrem uncrmüdcten Gebetscifer, in dem sie alle freien Stun-den bei Tag und Nacht vor dem Allerheiligsten zubrachte, und demselbst ihre vielen körperlichen Leiden keinen Eintrag machen konnten,verband sie eine seltene Strenge. Sie nur dreimal in derWoche etwas von Gemüsen; alle übrigen Tage nährte sie sich nurvon Wasser und Brod, und der Boden und die Wände ihrerkleinen Zelle zeigen noch nach ihrem Tode die unverkennbarenSpuren ihres strengen Bnßlcbcns. Eine ernsthafte Krankheit hef-tete sie im vorigen Jahre an'S Bett, und drohte der tiefbctrübtenGemeinde ihre unaussprechlich geliebte Mutter und Oberin zu ent-reißen, als sie mit Hilfe des Arztes zur höchsten Freude wiedergenas, und unter ihren lieben Kindern erschien leider nur, umbald, und zwar auf immer aus ihrer Mitte zu verschwinden. AmFeste ihres einstmaligen Ordensvaters, des heiligen FranciscuS,zu dem sie eine ganz besondere Andacht hatte, ging sie, ohnedaß Jemand eine so nahe Auflösung auch nur geahnet hätte,in das bessere Leben über, im 57stcn Jahre ihres Alters. DerArzt, der sich diesen unerwarteten Tovcsfall nicht erklären konnte,bat um Erlaubniß, den Leichnam öffnen und untersuchen zu dür-fen. Bei der Section fand sich, daß die Lunge bereits ganz auf-gezehrt, ihr Herz aber so ungewöhnlich klein war, daß nach derVersicherung der Aerzte bei diesen Organen auch nur ein stunden-langes Leben an'S Wunderbare gränze. Die Klosterfrauen vonhier beschlossen, das Herz ihrer lieben Mutter und Stisterin ihrenMitschwestcrn in Neapel als theures Andenken zu übersenden, undein frommer KanonicuS von hier, der mit dem Kloster in geist-licher Verbindung stehet, übernahm den Transport dieses geschätz-ten Kleinodes. Als er in Neapel im Francnkloster angekommenwar, und den tief gerührten nnd um ihn herum sich drängendenFrauen seinen mitgebrachten Schatz enthüllte, da fing dieses Herz als wollte es sich in Liebe gegen ihre geistlichen Töchter er-weitern - im Angcsichtc Aller an, sich so bedcuicnd auszudehnen, Idaß das Gefäß, in dem cS ruhte, bereits ganz davon augcsiillti

Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen.

wnrde. Alle brachen beim Anblicke dieses wunderbaren Ereignissesin Thränen und Schluchzen, in Jubel und Lob Gottes aus.Zwei Schwestern, die in dem Kloster schwer krank lagen, wurdengleich gesund, als sie dieß Herz gläubig und vertrauensvoll ansich drückten, und sich der Fürbitte ihrer seligen Stifterin empfah-len. Auch in Rom wurde eine Frau, die an der rechten Seiteganz gelähmt war, geheilet, als man ihr das Cilicium der seligenMaria Guiseppe auf die kranke Seite legte.

Ich habe Ihnen diese Thatsache, wovon vielleicht halb Romnoch keine Notiz genommen hat, gerne mitgetheilt, da das, wasGott selbst so wunderbar öffentlich macht, nicht verborgen bleibensoll; und da es mir angenehm ist, Jenen gegenüber, welche inRom immer nur Disteln und Unkraut sehen, wieder auf eineschöne Blume hinweisen zu können, die, wie so viele andere, instiller Verborgenheit fortgcblühet, und auf römischem Boden zuhimmlischer Schönheit sich entfaltet hat."

Deutschland .

Köln , 1. März. Die große Auflage des dießjcihrigenHirtenbriefes des Herrn Erzbischof-Coadjutors ist bald vergriffengewesen, und eine neue Auflage seit mehreren Tagen wieder er-schienen. Auch in Speyer, Mainz und anderen Orten des Aus-landes sind Abdrücke veranstaltet und vnl verbreitet. Nimmt mandazu die unzähligen Abdrücke, welche durch die Zeitungen (diebeiden Kölner, die Düsseldorfer , Aachener:c.) und die Zeitschriften(Nathanacl, Rheinisches Kirchenblatt, das Münster 'sche Sonntags«blatt :c.), so wie durch anderweitige Abdrücke in Brochürcn ver-breitet worden sind, so zeigt sich, daß unser trefflicher Oberhirtein Wort zur Zeit gesprochen, und daß unser katholisches Volknoch warme Empfänglichkeit für die glaubenstreue Sprache seinerBischöfe hat. Und in der That: die unvcrholene katholische Ge-sinnung, die diesem Hirtenbriefe zur Unterlage dient, der warmeTon, der durch ihn sich durchzieht und die meisterhafte Umsichtund Schonung, womit die trüben Zeichen der Zeit unzweideutigberührt sind, können als Muster geistlicher Beredsamkeit gelten,und ertheilen diesem Pastoralschreiben eine Wichtigkeit und Bedeutung,die weit über die Gränzen des betreffenden Sprengels hinausgehen.

Paßau, 2. März. Das von dem Hochwürdigsten HerrnBischof Heinrich im Jahre 1843 begründete Knabcnseminar er-freute sich bereits im ersten Jahre seines Bestandes eines glück-lichen Gedeihens. Der gesammte Seelsorgklerus wirkte unermüdervurch Wort und Beispiel für die Ausbreitung und Consolidirungdes Maximilian- und Valentins-Vereines, und die Gläubigenachteten überall mit Bereitwilligkeit auf die Stimme und das Vor-bild ihrer geistlichen Führer, und ließen es an großmüthigen Spen-den nicht fehlen. Für die bessere Unterbringung der zahlreichenZöglinge des KnabenscininarS wurde ein auf dem Paradcplatz ge-legenes sehr geräumiges HauS nebst Garten von dem Hochwürdig-sten Herrn Bischof aus Hochdessen eigenen Mitteln umdie Summe von 18,500 fl. angekauft, und dasselbe dem Knaben-scminar als Geschenk zugewiesen. Die Bruderschaft zumheiligen und unbefleckten Herzen Maria zur Bekehrung der Sünderwurde durch die zweite Hälfte des verflossenen Jahres in 15Psarr-und Filialkirchcn der Diöcesc, die Kathedralkirche ungerechnet, er-richtet. Kapellen zur Privataudacht wurden 11 erbaut.Missionen wurden durch die ?. Redemptoristcn in 4 Pfarreienoer Diöcesc abgehalten. (Paß, k. K. Z.) _ ^

Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.