für diese oder jene Oertlichkcit sich zu mildern haben; dagegenfürchten wir, daß die gerügten Gebrechen da und dort noch schreien-der hervortreten, und glauben deS Trostes entbehren zu müssen,den eS uns gewähren würde, so wir uns überzeugen könnten, dasentworfene düster- Bild sey lediglich das Spiegelbild einer ver-schollenen Zeit aus Olim's bösen Tagen, die gegenwärtige abersey offenbar die beste aller Zeiten und nahe daran, die goldenenThore des Paradieses auszuschließen. (Schluß folgt.)
Neuer Angriff auf den Katholicismus.
Es ist oft genug gesagt worden, daß die Gegner der katho-lischen Kirche jederzeit auch Gegner der Jesuiten sind. Einer derheftigsten Jesuitengegner neuester Zeit in Frankreich will dieß be-stätigen, Professir Michelct nämlich, der neuestens mit einemBuche („der Priester, die Frau und die Familie') hervorgetreten,worin er auf die boshafteste Weise insinuirt, die Beichtanstalt seydie Anstalt zur schändlichsten Verführung; der hl. Franz von Sa-lcs, Bossuct und Fenelon, die gcsammtc Priesterschaft werden derunreinen Liebe zu denen, welchen sie als geistliche Führer gedient,beschuldigt. Herr Saisset, ein ehemaliger Schüler MicheletS, sagtvon diesem Buche: „Dieß Buch hat zum Zwecke, den Geisterneine neue und gefährliche Richtung zu geben, statt rechtmäßigerVertheidigung will es gewaltthätigcn und leidenschaftlichen Angriff,statt billiger Kritik der religiösen Institutionen blinden Haß undzuletzt die völlige Zernichtung derselben. Michelct greift nicht diepflichtvergessenen Priester an, welche dem Geiste ihres katholischenPriesteramtcS untreu werden, sondern den Priester als solchen,den kaihol. Priester in der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes.Die Priester, sagt Michelct ohne alle Beschränkung, die Prie-stcr sind unsere Feinde. Michelct faßt seinen Grundgedan-ken gegen das katholische Priestcrthum am Ende in folgende Sätzezusammen: 1) Jeder Priester, selbst der heilige, wenn er miteiner weiblichen Person, und wäre diese eine Heilige, von LiebeGottes spricht, erweckt in ihr eine andere Liebe; 2) wenn dieseLiebe rein bleibt, so ist dieß völliger Zufall oder ein Wunder.Nach Michelct ist der Katholicismus und seine Diener, das Chri-stenthum und dessen Kirche, jede positive Religion und jedes Prie-stcrthum wesentlich unmoralische und schädliche Institu-tionen; Michelct will, was Voltaire schon vor ihm ausgesprochenhat: LLrasex I'insäme — fort mit der ehrlosen!" Um dasTreiben gewisser Leute zu würdigen, muß man wissen, daß der„Constitutiouncl" das Organ einer bedeutenden Partei ist, an derenSpitze Thiers steht, ein Blatt, das durch den Roman des EugenSuc schnell 20,000 und noch mehr Abonnenten erhielt. DiesesBlatt sagt von MicheletS Buch die bedeutungsvollen Worte:„MichclctS Buch ist eben so beißend als ernst, und behandelt mitKühnheit und Maaß die Hauptfrage des gegenwärtigen Kam-pfes — den geheimen und gefährlichen Einfluß eines Fremden imSchoos der Familie, die Macht und Gefahr der GcwisscnSfüh-rung. Nie hat der Verfasser Trefflicheres geschrieben, als dasGeschichtliche der GewisscnSleitung. Er verlangt zwei Dinge: dieAbschaffung des Cölibats und der Beicht, welches letztere sich ausdem ersteren von selbst ergibt. Ob Abschaffung der Beicht unddes Cölibats mit dem Fortbestand des Katholicismus verträglichsey, untersucht Michelct nicht, wir halten Beicht und Cdlibat un-zertrennlich vom Katholicismus, sie sind seine Grundlage undSchutzwehr." — Hierin liegt also das offene Geständnis, daß esim jetzigen Kampf auf die Zernichtung des Katholicismus und desgesammten Priestcrstandes abgcs.hen ist, daß man mit dem Angriff
des Katholicismus nicht bloß einverstanden ist, sondern man belobtihn; wenn es aber wieder gelegen scheint, versichert man, eS sehrgut mit dem Katholicismus z« meinen und nur die Jesuiten be-kämpfen zu wollen. Heuchelei!
Ein Friedenswort zur Lösung der religiösen Streit-frage.
Wir können Allen, die, fest im positiven Glauben, zurFahne derjenigen noch nicht geschworen haben, deren Losung ist:„Reißt die Kreuze um und macht Schwerter draus," diese demVernehmen nach von eincm hochgestellten Protestanten herrührendekleine Schrift nicht dringend genug empfehlen; und sindwir im Voraus überzeugt, daß selbst denjenigen, denen derganze Rongc'sche Spcctakel bereits zum Ekel geworden ist, diesesaus aufrichtiger Liebe und redlichem Streben zu einer Verständi-gung gesprochene Friedenswort nicht unwillkommen gewesen seynwird. Es ist dem Verfasser nicht sowohl darum zu thun, Nonge'sberüchtigtes Libell zu widerlegen (baben dieß ja bereits Andere ingenügender Weise gethan), und nach ihm allein den Stein derVcrurtheilung zu werfen, vielmehr bespricht er die ganze Angele-genheit aus dem GesichtSpunctc, „in wie scrn die Katholiken sichüber verletzte Toleranz zu beklagen haben, und welche Gefahrendaraus entstehen, wenn nicht die Wohlgesinnten aller Konfessionengemeinschaftlich eincm solchen, die deutsche Bildung wenig ehrendenAergernisse cin Ziel zu setzen suchen." Heben wir aus dieser injeder Beziehung interessanten Erscheinung, in der eine genaueKenntniß der politischen und socialen Zustände Deutschlands sichkund gibt, Einiges hervor, was über die Idee einer deutsch-katho-lischen (!) Kirche gesagt ist:
„Freilich Möchten uns gewisse Leute, heißt es, mit einerkatholisch-deutschen Nationalkirche beglücken, und diese sehen schonim Geiste in dem von Hymen bekränzten Psarrer von Schncide-miihl den Patriarchen von Deutschland , die prophetische Begrüßungan Bethlehem auf Schneivcmühl anwendend. Aber, lieben Leute,die Geschichte der Kirche steht für den Katholiken als untrüglicheWarnungstafel da und lehrt unwiderleglich, daß cin Abfall vonRom ein Abfall vom Katholicismus ist und noch mancherlei Abfallnach sich ziehen würde. Nicht aus der zu großen Abhcingkeit vonRom sind die Gebrechen entstanden, welche in Deutschland zurTrennung von der katholischen Kirche führten; das Aergernißwar du am größten geworden, wo Rom am wenigstenzu sagen hatte. Wenn die Klagen über den Verfall der Kir-chcnzucht, über Simonie und Concubinat bis nach Rom drangenund der Papst seine Legaten zur Untersuchung in das Reich sandte,so wiesen Klöster und Stifter dem päpstlichen Sittenrichter die Thür,behauptend, vcm LandeShcrrn uuv nicht dem Papste stehe in einemsolchen Falle die Einmischung allein zu. Wenn nun aber einmalder Landesherr dem Gräucl ein Ende machen wollte, dann solltenpäpstliche Privilegien die Untersuchung hindern. Natürlich also,daß auf diese Weise die Kirche in Deutschland mehr als anderswoverwilderte. — Betrachtet doch die Freiheiten der gallicanischcnKirche etwas näher und sehet zu, ob sie etwas anderes sind, alsTrugbilder der Despotie, Prärogativen, welche cin serviler undverderbter KleruS dem Papste entrissen, um sie auf dem Knie demeitelsten der Könige darzubringen! Auch die spanischen und lusita-nischen Kirchen rühmen sich gewisser Privilegien, welche sie vonRom unabhängiger, als die deutsche Kirche gemacht haben; sind