aber deßwegen ihre Volker sittlicher, frommer und aufgcklciM: ge-worden, oder ist ihr KleruS musterhafter, als der deutsche ? Wennaber dem Katholiken selbst mit einer Nationalkirche nicht «gedientist, kann eS im Interesse der Fürsten vielleicht liegen, die Bemü-hungen , welche eine Losrcißung von Rom beabsichtigen, ?M unter-stützen? Den protestantischen Fürsten, welche über katholisch« Unter-thanen herrschen, würde die Ausübung der Schirmvogtei über eineKirche, welche die Gemeinschaft mit einem Centralpuncte aufgege-ben, eine wahre Bürde und die Quelle von unabsehbaren Verle-genheiten werden. Die katholischen Fürsten aber haben endlich ihreEifersucht gegen Rom aufgegeben, indem sie einsehen, daß derprincipielle Kampf mit Rom nur ein EntwickclungSproccß in dereuropäischen Staatcngcschichte war. — Die Gränzen beider Ge-walten sind nunmehr klar und bestimmt, und nur Herrschsuchtkonnte dieselbe in blinder Leidenschaftlichkeit verkennen. Ein großesBeispiel der Neuzeit lebt noch in frischester Erinnerung. Aus demhöchsten Gipfel irdischer Macht angekommen, wollte Napoleon sichauch die Geister unterwerfen und die Kirche sollte ihm hierbei hilf-reiche Hand bieten. — An der männlichen Beharrlichkeit ccS Pap-stes, die Summe des ihm anvertrauten Rechts in voller Integritätzu erhalten, scheiterten alle Künste der Verführung und seine Be-reitwilligkeit, lieber alle Qualen zu dulden, ja selbst das Leben zulassen, als eine TranSaction einzugehen, wovurch die rechtlichenGränzen der Kirche dem Staate gegenüber verrückt würden,mußten ein warnendes Beispiel für diejenigen Fürsten und Volkerwerden, welche bisher nur in Unterwerfung das Schcinbilv einergewissen Sclbstständigkeit zu retten suchten. — Verfolgte die Kircheweltliche und nicht rein geistliche Zwecke, so lag gewiß die Ver-suchung nahe, die Erschütterung des Jahres 1830 in diesem Sinnezu benutzen. Ein Wort von Rom aus hätte das Feuer der pol-nischen Revolution zu einer himmelhohen Flamme angeblasen undunter seinem Schutze hätte ein Lamennais einen Krcuzzug gegenallc Throne Europa'S zusammen gepredigt. — Und als von Peters-burg und Berlin, so wie von Wien und Paris die InterventionNomS dringend gegen den neuen Savonarola verlangt wurde, dawaren katholische, protestantische und schiömatische Regierungen überdie Macht des Papstes einverstanden, welche allein eine Irrlehrenieder zu halten vermochte, die den Kampf mit Hundcrttausendenvon Bajonetten nicht gescheut hätte, vor der Mißbilligung imVatican aber verstummte. Diese strenge Zurückweisung der Revo-lution, selbst wcnn sie für daö Recht der Kirche das Schwert er-griffen, so wie die eben so furchtlose Abwehr der Despotie, wcnndieselbe sich Eingriffe in das Recht der Kirche erlaubt, vürftendoch endlich einmal den banalen Dcclamationen von dem StrebenRoms nach ungebührlicher weltlicher Gewalt ein Ende machen, u. s. w."
Denen, welche die gcsinnungSvvllcn Katholiken, dic sogenanntenUltrcimontancn als nndcutsch darzustellen trachten, antwortet er:„Ihre Schuld ist es nicht gewesen, daß dic Schweden sagen Durf-ten: „„Wir wollen Bürger bleiben auf dem Boden, den unserKonig fallend sich erobert."" Niemals haben sie mit französischemGelde die KricgScasscn gefüllt und dic deutschen Marken auswär-tigem Feinde prcis gegeben; sie sind dic deutschesten Pa-trioten geblieben, obgleich das Patrimonium ihrerKirche, dic geistlichen Fürstcnthümer, als Löscgeldfür dic Erhaltung protestantischer Fürstcnthümer andie land crgicrige französische Revolution abgetre-ten werden mnßtc. — Freilich wird man uns entgegnen,nicht die Katholiken als solcbe sind es, welche wir für weniger
deutsch bakrn, sondern nur die ultrcimontancn Dunkelmänner.Allein gerade die Euch verhaßten Dunkelmänner sind es, welcheüberall aus die Stärkung des Nationalgefühls dringen; sie sind es,welche, wie in der Kirche, so im politischen Leben dem historischenKonservatismus huldigen, welche von der deutschen Geschichte keinanderes Blatt aufgeben möchten, als dasjenige, welches von demblutigen Zusammenstoß der Söhne eines Landes wegen religiöserZwietracht berichtet. — Das Ziel ihrer innigsten Wünsche ist eingroßes starkes unabhängiges Deutschland , das, wcnn auch nichtin demselben religiösen Glauben geeinigt, doch in der Pflege wahr-haftiger Toleranz das Bild einer großartigen Gesittung entfaltet.— Er (der Katholik) ist weder ein Fremdling im deutschen Lande,noch zum bloßen Tolcrirten herabgesunken. Feierliche Verträgesichern ihm selbst in vorzugsweise Protestant. Ländern die freieUebung seines römisch-katholischen Bekenntnisses.Niemand hat das Recht, ihm einen einzigen Gebrauch seiner Kirche,und wäre derselbe noch hundertmal mehr im Widerspruche mit demZcitgeiste (Göthe nennt ihn der Herren eigenen Geist) zu verküm-mern :c. — Ohne einer ernsthaften und gründlichen Wissenschaftdie religiöse Kontroverse bestreikn zu wollen, denn auch der Ka-tholik unterwirft sich dem Paulinischcn Ausspruche: „Rechenschaftvon seinem Glauben zu geben," und er hat in dieser BeziehungRed' und Antwort niemals versagt, muß doch die auf's Gebietder ordinärsten Tagcsliteratur versetzte Polemik als eine Einmischungin fremde Verhältnisse betrachtet werden :c. ic."
Herr dein Wille geschehe.
Der Wille Gottes soll geschehenAn jedem Ort, zu jeder Zeit,Um Trost und Hilfe that ich flehenZu dem, dcr Trost und Hilfe beut.
Doch ferne noch die Hilfe weiletUnd malt nur glänzt der Hoffnungöstern,Noch ist die Wunde nicht geheiletDie mir geschlagen ward vom Herrn.
Noch länger soll die Strafe währenDie Gottes Hand mir auferlegt;Doch will ich dulden, und verehrenDie Hand des Vaters, die mich schlägt.
Mein Btund soll seinen Namen preisen,Ohn' Auihcr dring' mein GebetZu ihm. dem nnersorschlich Weisen,Der über allen Geistern steht.
Vertrauend will ich zu ihm flehenUnd fliehen unter seine HutDann wird er gnädig auf mich sehenUnd mir gewähren, was mir gut.
Stets will ich seine Liebe singen
Und scincS Namens Heiligkeit
Will ibm mich ganz zum Opfer bringen,
Der alle» Lebenden gebent.
Ich will mich ihm zu eigen geben,Sei» Will- se» gebenedeit;Nach seinem Willen will ich lebenVon nun an bis in Ewigkeit. Amen.
Fr. Xav. Schumacher.
Vcrannvortlichcr Rcd.rcteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.