Ausgabe 
5 (30.3.1845) 13
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Erste Jahreshälfte.

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ostzeitttNS.

SV. März t84S.

Die Gebrechen unserer Zeit.

(Schluß.)

Es wurden im Vorigen die Hauptquellen bezeichnet, ausdenen die Gebrechen unserer Zeit herfließen; wir wollen indiesem der Hauptmittel einige nennen, die, recht und sorgfältigangewendet, zur Beseitigung derselben beitragen dürften.

An der Spitze dieser Mittel steht: aufrichtige, ung er-heuchelte Rückkehr zum lebendigen Glauben. Oderwas anders ist die innerste und tiefste Quelle der herrschendenZcitübel als der weithin verbreitete Unglaube und die ihm ver-schwistcrte Erstorbenheit im Glauben? Dem Umsichgreifen desEinen muß gesteuert und die verglommene Glut des Andern wiederangefacht werden. Als ein Haupthcbcl, wodurch dem sich ver-breitenden Unglauben Bahn gebrochen wurde, erscheinen schlechteBücher und irreligiöse Schriften; durch diese haben die Gesell-schaftsclassen mit der überhandnehmenden Lcsesucht das Gift theore-tischen Unglaubens cingcsogcn, nachdem der praktische ihm voraus-gegangen und ihm einen empfänglichen Boden bereitet hatte.Suchet darum ihr, die ihr Macht und Pflicht dazu habt, diefernere Verbnitung von Schriften, die Glauben und Sitte höh-nen, möglichst zu verhindern und laßt durch die schmutzige Ge-winnsucht und den gewissenlosen Spcculationsgeist gewisser Leutenicht vollends die Adern alles Volkes vergiften! Andererseits gebetdem Volke gute Schriften in die Hand; begründet und fördertreligiöse Lese- und Büchcrvereine! Besonders, ihr Eltern und Er-zieher, überwachet sorgfältig die Leclürc eurer Söhne, eurer Tochter, eurerZöglinge und überlasset ihnen nicht den Schlüssel zu den Geheim-nissen der Verworfenheit und die Brandfackeln unreiner Lüsternheit,Wie sie Romane modernen Schlags offen und unauslöschlich, zündendenthalten! In einer Zeit, wo die Grundsätze des Unglaubensnicht selten in öffentlichen Cirkeln laut gepredigt werden, da WareSchweigen ein Verrath an der heiligen Sache; ,erlauben es Ortund Umstände, so mögt ihr immerhin auch den Glauben zu Wortkommen lassen und der Wahrheit ein offenes Zeugniß geben!Solche Gelegenheiten müßt ihr übrigens nicht aufsuchen und euchnicht auf's polemische Waidwcrk verlegen, jedenfalls nicht eher,als ihr euern Gegnern einigermassen sagen könnt:Wenn ihrmeinen Worten nicht glaubet, so glaubet meinen Werken!"

Es ist eine fatale Sache mit jenen Wortgefechten, so sie Satz fürSatz von Thaten Lügen gestraft werden. Darum strebet vor Allemdarnach, daß die heilige Sache des Glaubens euer Wesen lebendigdurchdringe, daß sie das innerste Mark eurer Gesinnung werdeund aus all' eurem Thun und Lassen leuchtend widerstrahle, undzwar ungesucht, ohne Kürstelei. Nichts schadet der guten Sachemehr, als jenes manierirtc, bloß die schimmernde Außenseite er-künstelnde Wesen, womit Manche ihr zu dienen meinen, dabei abersich selbst täuschen und offene, dem leeren Scheine abholde Naturenabstoßen. Darum lebet eures Glaubens in schlichter Einfalt, wic'Sunsere Väter thaten, ohne Prunk und Schein, in jeder Bewegungden Ausdruck innerer Wahrheit, im bürgerlichen Verkehr Männervon Wort und wandclloser Treue, im Hantel und Wandel grund-ehrlich und schon dem Scheine des Unrechtes f.ind! Wenn ihr sodastehet im bürge.lichcn Leben, geliebt und geachtet von den Gut-gesinnten, ein Schrecken nur und eine unliebe Erscheinung denSchlechten, dann ist es ein Trost, es ist Siegesbürgschaft für dieSache des Glaubens, wofern ihr sie decket mit dem Schilvc euresunbefleckten, thatkräftigen Wortes; es ist ein dem Himmel undder Erde erfreulicher Anblick, so ihr in die geweihten Hallen derReligion tretet und an den Tisch des Herrn knicct, um, von seinemHimmclSbrodc gestärkt und gekräftigt, ihn hinwiederum im Lcbendraußen durch Werke, die in Gott gethan sind, zu bezeugen undihn also eindringender zu predigen, als Worte, und wärcn's dieeines Apostels, vermögen. Der Thaten Kern aber ist die Liebe,so wie sie aus lebendigem Glauben, auS tiefiuncrlichcm Zusammen-hange mit Gott in Christo und der kirchlichen Hcilsanstalt stammt;ohne diese in dem geoffenbart n, dreicinigcn Gott und dem kirch-lichen GlaubcnSlcben wurzelnde Liebe wäre alles Prunken mitphi-lanthropischen Großthaten" nur das Aufflackern eines Sumpflichtcs,das durch sein nur zu schnelles Erlöschen deutlich genug seinendunstigen Ursprung verräth. Ein solcher, die Probe des Lebensbestehender, in Liebe thätiger Glaube ist es, zu dem ihr zurück-kehren und den ihr euch in Wahrheit aneignen müßt, sollen andersdie Gebrechen der Zeit, und gerade diejenigen, die in ihr innerstesMark hineingefressen, von Grund aus geheilt und nachhaltig ge-hoben werden.

Wir gehen zu einem zweiten Heilmittel fort: es ist derGeist der Entsagung und der Genügsamkeit. Die