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6. April j1845<
-Offenes Sendschreiben der Wittwe AnnaCzers-k a zu Gr. Komorsk an ihren Sohn JohannCzerski zu Schneidemühl . ^)
Der Ort Gr. Komorsk im Großherzogthum Posen zähltDiejenige unter seine Bewohner, die 1813, also gerate in demJahre, als Europa noch ein anderes wichtiges Ereigniß erlebte,nämlich seine Befreiung von der Zwangherrschaft Napoleons, dereuropäischen Welt das große Kirchenlicht Johannes zur Weltgebracht hat.
Wir haben ein Pamphlet vor uns liegen, das dieser Tagezu Ncgensburg die Presse verlassen hat, den oben bezeich-neten Titel sührt und die Empfindungen zeichnet, von denen dasMuttcrhcrz nun überfüllt ist. Empfindungen, die uns jedoch nichtden Empfindungen der maccabäischcn Mutter, sondern den Em-pfindungen einer heil. Monika während eines gewissen Zeitraumesihres Lebens verwandt scheinen. An der Zuverlässigkeit, daß dieWorte, wie sie in dem Pamphlete zu lesen sind, Ergüsse desHerzens der wahren und wirklichen Mutter des suspcndirtcnPriesters Czerski sind, darf nicht gezweifelt werden, da am Endevier Signaturen und zwar die erste von Simon Czerski,älteren Bruder des Johannes Czerski , Organisten bei der Pfarr-kirche zn Gr. Komorsk, die zweite von Bartholomäus Gram-matowski, Bürger von Gr. Komorsk, dessen 16 Jahre alteStieftochter Theklci Solecka der NeoPresbyter Johann Czerskium Ostern 1342 nach Posen entführt hat, die dritte vonMathias Gutowski, Altsitzer zu Gr. Komorsk, Vater derjetzt beiläufig 22 Jahre alten Marianna Gutowska, gegen-wärtigen sogenannten Frau Patriarchin , endlich die vierte vomOrtsvorstandc zu Gr. Komorsk, Erdmann, cvangcl. Konfession,worin die Acchtheit der drei voranstellenden bezeugt ist, ange-schlossen sind.
Wir wollen aus dem ganzen Schreiben der Mutter des be-daueruugswürdigen Czerski nur etwas weniges aushebcn, umunsere Leser zu überzeugen, daß die Schuld der Verirrungen ihresSohnes ihr fremd ist, und daß er Dasjenige, was er nun derWelt in einer so traurigen Kunst zeigt, nicht in dem elterlichen
') Ncgensburg 1843. Verlag von G, Joseph Manz.
Hause gelernt hat. Es ist die Zeichnung des Betragens CzcrS-ki's, da er im Jahre 1842 als Ncoprcsbytcr seinen Eltern undGeschwistern durch einen Besuch eine Freude machen wollte.
„Als Du zu Ostern 1842 als neu ordinirter Priester hiehcrkamst, um uns die — wahrlich hohe und entzückende Freude zugönnen, Zeugen der Verrichtung Deines ersten heiligen Meßopferszu seyn: wer hätte es geglaubt, daß Du schon damals anfangenwürdest, unsere so eben besagte Freude und Wonne in Trauer undBetrübniß zu verwandeln? Und doch ist es geschehen. Du konn-test DaS? Du warst dazu fähig? Unsere Freude vaucrte wirk-lich nicht lange. Sehr bald sahen wir uns wegen Deiner ge-täuscht; gar bald Deine und unsere Zukunft getrübt. Es fieluns und allen hiesigen Ortsbewohnern nicht wenig anf, daß Du,so eben neu geweihter Priester, die wenigen Tage vor und nachDeiner Primizfeier, welche Du hier verweiltest, so wenig mit unsund bei uns warst, und daß Du, statt Dich wenigstens zu ge-wiss.m Tagesstunden pflichtmäßig mit dem Breviere oder sonstigengcistlich-wissenschastlichen Büchern zu beschäftigen, die meiste Zeit,sowohl bei Tage, als in der Nacht in andern, fremden und mit-unter solchen Hänsern zubrachtest, deren Bewohner hinsichtlich ihrerNüchternheit gerade nicht in dem cmpfchlcndsten Rufe waren undsind, am allerwenigsten aber uns, Deinen Blutsverwandten, inirgend welcher Beziehung nahe standen. Sage, war das von Diranständig, und konnte das für uns erfreulich seyn? Nicht gerin-gen Anstoß und von Dir unvciantwortlichc Veranlassung zu man-cherlei bösen Redensarten gabst Du aber dadurch, daß Du Dichwährend dieser Zeit zn den allcrungcwöhnlichstcn Tages- und Nacht-zeiten bald auf der Straße bald in den vorbczcichnetcn Familiensehen und antreffen, ja selbst nach Mitternacht, an unsere Fensterund Thüren anklopfend, mit dem, sonst nur dem gemeinsten Pöbeleigenen Hauen „Macht auf, laßt mich ein!" hören ließest. Undwenn wir am Tage vor Deiner Abreise, nachvcm uns schon somanche Verdächtigungen über Dich und Dein Betragen zuge-kommen waren, uns endlich erdreisteten, Dir eben so liebevolle,als heilsame nnd schonende Vorstellungen über das UngeziemendeDeines Betragens zu machen, Dn dieses aber höchst übel auf-nehmend nnd unsre wohlgemeinten Vorstellungen trotzig erwi-dernd, ganz im Widerspruch mit Deiner bis dahin kundgegebe-nen Absicht, gleich den folgenden Tag nach dieser unsrer, freilich