Der Hochwnrdigste Bischof von Mainz über dieNeligionswirren dieser Zeit. ^)
Es ist Ihnen bekannt, welches Getreibe auf dem religiösen,kirchlichen Gebiete zur Zeit stattfindet. Es kann Ihnen, die Sieunsere Hessische Landeszeitung, und die in derselben tagtäglichvorkommenden Nachrichten von dergleichen Neligionswirren lesen,nicht entgangen seyn, daß an verschiedenen Orten Deutschlands ,besonders in Städten und Städtchen gemischter Konfession, undwo die Katholiken erst seit drei bis vier Decennien sich angesiedelt,und eine Gemeinde zu bilden angefangen haben, Versuche zumAbfall von der katholischen Kirche und zur Bildung sogenannterdeutsch -katholischer Gemeinden gemacht werden. Ob dieAnreizungen dazu von den Katholiken selbst, oder mehr und mindervon sonst woher ausgehen, lassen wir dahin gestellt seyn. Soviel scheint aber daraus hervorzugehen, daß eS mehr nur auf eineVereinigung im Nichtöglaubcn, auf Unabhängigkeit von aller Au-torität und Beseitigung des Christenthums überhaupt abgesehen ist,wenigstens haben sich die bisher geschaffenen Glaubensbekenntnisseauf ein Christlichkleinstes eingeschränkt. Darum ist denn auch dieder katholischen Kirche feindselige Presse, in ihren vielen Zeitungen,Blättern und Blättchen, äußerst bemüht, die Kirche von dem Papsteloszureißen und dennoch katholisch, d. i. allgemein sie heißen zuwollen. Man gibt sich das Ansehen, als könne die Kirche, ohnemit der apostolischen Mutterkirchc und dem Bischöfe von Rom ,als dem Papste und Mitlelpuncte der katholischen Einheit, ver-bunden zu seyn, noch als katholische fortbestehen. Man begehtdarum die Perfidie, unter Verwirrung der Begriffe alle katholischeChristen, die den Papst als den Mittelpunct der katholischen, d.i.allgemeinen christlichen Einheit erkennen und verehren, und alswahre Katholiken erkennen und verehren müssen, als „ultra-montan" zu bezeichnen, während man mit diesem Ausdrucke vonjeher nur solche Katholiken bezeichnet hat, welche dem Papste,den Bischöfen gegenüber, größere Rechte zuschreiben wollten, alsdemselben nach Christi Einsetzung, nach Schrift und Tradition zu-kommen. Unter diesen Verwirrungen, und bei den steten Schmä«hungen und Lästerungen gegen den Papst, geschieht es denn, daßungelehrte und unbewachte Katholiken an ihrem Glauben irre wer-den, von demselben abfallen und von einem Drucke des Papstesträumen, von dem sie doch ihr Leben lang nichts verspürt haben.Welche Angriffe auf andere Lehren, Einrichtungen und Gebräucheunserer Kirche nebenbei versucht werden, ist Ihnen wohl ebenfallsnicht unbekannt geblieben.
Wenn wir nun gleichwohl für unsern christkatholischen Glau-ben, für unsere heilige Kirche, die eine Grundsciulc der Wahr-heit, von Christus gestiftet und auf den Felsen Petri erbaut, zuewiger Dauer bestimmt ist, nichts zu fürchten haben, sondernder Gnade der Verheißung des Herrn vertrauend, zuversichtsvollerwarten dürfen, daß sie die Pforten der Holle nicht überwältigenwerden; so dürfen wir doch nicht glcichgiltig zusehen, wenn derSatan der Verführung umgeht und sieht, ob er eine Seele, dieunserer Sorge anvertraut ist, von dem Pfade der Wahrheit unddes Lebens ab, und auf den Weg des Verderbens hinüberführe.Indem wir uns daher freuen, daß Sie, wie wir zum Theil wissen,dem Gegenstände bereits Ihre Aufmerksamkeit widmen, sehen wiruns zugleich veranlaßt, Sie allcsammt zu ermuntern und dringendaufzufordern, Ihre Hirtcnsorgc zu verdoppeln, und über die ge-
') Circulare des Hcchwnrdigsten Bischofs an die bischöflichen Decaneund sämmtliche PsarrgeislUchen.
dachten Angriffe gegen die Kirche die sorgfältigste und umfassendsteBelehrung in Predigten und Christenlehren zu ertheile», und da-mit und mit Ermahnung und Warnung an Ihre Parochianenfortzufahren, in aller Geduld und LehrwciShcit, Sanftmuth undLiebe, und besonders fern von allen gehässigen Seitenblicken aufAndersgläubige. Sie wissen, wie nothwendig in dieser aufgereg-ten und mißtrauischen Zeit es ist, in unserm Amte, Reden undThun mit der größten Behutsamkeit zu Werke zu gehen, um nichtmißverstanden, und bei aller Unschuld verunglimpft zu werden.Fürwahr, geliebte Brüder und Mitarbeiter, mehr als jemals habenwir gewärtig zu seyn, Erfahrungen zu machen und zu ertragen,wie deren der h. Apostel Paulus (II. Kor. (>, 3 — 11.) von sicherwähnt, und mehr als jemals müssen wir uns angetrieben sühlcn,nach der Ermahnung desselben Apostels nach Gerechtigkeit,Glauben, Hoffnung, Liebe und Frieden mit Allen,welche den Herrn aus reinem Herzen anrufen, zustreben, und thörichte, zur Lehre nicht gehörigeStreitfragen, die Zänkereien erzeugen, zu vermei-den. Denn ein Knecht des Herrn soll nicht zanken,sondern sanftmüthig seyn gegen Jedermann, lchr-fähig, geduldig, mit Milde zurechtweisend Die,Welche der Wahrheit widerstreben: vielleicht daßGott ihnen Buße verleiht, die Wahrheit zu erken-nen, und sie wieder auö der Schlinge des Teufelszu sich kommen, von dem sie gefangen gehaltenwerden. (II. Tim. 2, 22 — 26.)
Im Uebrigcn sehen wir aus den Pfarreien der Diverse, inwelchen Versuche der obgcdachten Art auftauchen, und Werbungenzu irgend einer GlaubenSmachcrei vorkommen sollten, wovon wirnoch nichts wissen, der ungesäumten Berichterstattung entgegen.
Mit den Worten des h. Paulus an Timotheus (I. Tim. 6,20 — 21.) rufen wir, wie nns selbst, so auch, gcliebteste Brü-der, einem Jeden von Ihnen zu: .Bewahre, was dir anvertrautist, hüte dich vor unhciligcn Wortneuerungcn, und den Streit-rcden der fälschlich so genannten Wissenschaft, zu welcher Einigesich bekannten, und vom Glauben abgefallen sind." Die Gnadeunseres Herrn Jesu Christi sey mit Ihnen, und segne Ihre Be-mühungen! j- Petrus Leopold, Bischof.
Mission in Mammendorf vom 23. Febr. bis 6. März
1845.
-j Auch der Gemeinde Mammendorf wurde das große Glückeiner Mission durch die P.P. Nedcmptoristen zu Theil. Und sosind auch wir Zeugen geworden von den großen Wundern derGnade, welche die göttliche Vorsehung durch diesen neuen Ordenin der Kirche wirkt. Er ist ein Orden aus unserer Zeit, undfür unsere Zeit.
Ein oberflächlicher Blick in das gemeine Volk zeigt jedem,daß die Grundsätze des religiösen und sittlichen Jndiffcrcntismusmehr und mehr um sich greifen, und daß diesem in reißenderProgression sich anschwellenden Strome des Verderbens nicht mehrdurch gewöhnliche Mittel ei» Damm gesetzt werden könne. DieKrankheit bedarf außerordentlicher Hcüomittcl. Ein solches schufdie Vorsehung in den Missions-Pricstcrn. — Wie ihr hl. Stiftervon dem Markte des öffentlichen Lebens, daö er in seinen feinstenNüaneen, in allen seinen Mängeln und Bedürfnissen kcimw gelernt