hatte, in das Hciligthum berufen wurde, und worin er sich ebenso durch Wissenschaft und Heiligkeit auszeichnete, wie er sich inder Welt durch Gelehrsamkeit und achtungsgebietende Tugend überseine Zeitgenossen hervorgethan hatte; so treten seine geistreichenSöhne aus dem Heiligthume in die Welt, genau bekannt mit dengroßen Bedürfnissen und Krankheiten des Volkes. Und wohl demVolke, unter welchem sie das Zeichen des Kreuzes aufpflanzen.
Schon der Anblick derselben und gewöhnlich die erste Predigtschlägt alle Vorurthcilc nieder, und mit jedem Vortrage reißen siemehr und mehr hin. Keiner, der diese Reden im ganzen Zusam-menhange anhört, kann unüberzcngt und ungerührt bleiben. Siesind wahrhaft geistliche Exercitien für das Volk, die inihrer schnellen und geregelten Reihenfolge weit mehr wirken, alsdie gewöhnlichen Predigten, von denen, weil sie meistens nur nachlängcrn Intervallen auf einander folgen, die letzte schon lange ver-gessen oder verwischt ist, wenn die neue vorgetragen wird. DieMissions-Predigtcn dagegen folgen schnell auf einander, und sindmit großer psychologischer Kunst angelegt. Eine Rede beleuchtetund unterstützt die andere. Ja jeder einzelne Satz in jeder einzel-nen ist an der Stelle, wo er die wohlberechnctc treffliche Wirkunghervorbringt. Allzeit wird der Verstand überzeugt, alle möglichenEinwendungen widerlegt, und dann erst auf das Gemüth und denWillen gewirkt, aber mit einer Kraft, der nichts widersteht. Esist etwas Außerordentliches zu sehen, wie eine Volksmasse von3 — 4000 Menschen aufmerkt, überzeugt und gerührt wird,und laut in Thränen auebricht, wie Ein Mann, und seine Ver-sprechungen und Gelübde lant und öffentlich dem Herrn darbringt,wie Ein Mann, wie sich ein ganzes Volk gleichsam geistig erneuert.So etwas, sprachen Viele, wovon Manche bei ^5 bis 20 Stun-den weit hichcr gereist waren, haben wir nie gesehen, nie gehört.Diese Tage, sagten Andere, rechnen wir unter die glücklichstenunsers Lebens, wir glaubten von der Erde in den Himmel ver-setzt zu scun.
Aber, wird man sagen, sie regen das Volk auf. „Ja,antworte ich darauf, sie regen die Gewissen auf; denn sie gleicheneinem wohlgcrüsteten Kriegsheerc, das geübt in allen Waffen-Gat-tungen durch eine wohlbercchncte Tactik auch nicht Eine Be-wegung umsonst macht, sondern den Feind dahin drängt, woes will, uud ihn dann zwingt, die Waffen niederzulegen, abermit dem Unterschiede, daß sie die aufgeregten Gewissen,welchen der Feind schon Jahre lang tödtliche Wunden beigebrachthat, nicht verwunden, sondern heilen und beruhigen."
Und hierin zeigt sich das Wohlthätige der katholischen Bcicht-anstalt, welche sie als Meister, in Verbindung mit den Predigten,zu verwalten wissen. Denn wenn die Vorträge aufregen, so wirdgerade durch die hl. Beicht der bei Manchen seit vielen Jah-ren verlorene Frieden wieder gewonnen, ein neuer Menschgeboren, und Freude in Gott und aus Gott wirft dann wieein himmlischer Lichtstrahl seine wunderbaren Reflexe auf allemenschlichen Verhältnisse, so daß alles im wahren, weil in demhöher» Farbenglanze der überirdischen Bestimmungerscheint. — Daraus widerlegen sich so manche Vorurthcilegegen die Missionen von selbst. Sie machen die Menschen nichtdüster oder frcudcnschcu, sondern lehren den hohen Werth geistigerFreuden aus eigener Erfahrung kennen, und die zeitlichenin dem Maaße und in der Ordnung genießen, daß dadurch derinnere Frieden nicht gestört wird. Sind doch selbst die P.P. Ne-demptoristcn, obwohl sie mit ihrem anstrengenden, die menschliche
Kräfte beinahe übersteigenden Berufe noch strenge Meditation,Gebete und Fasten verbinden, die Heiterkeit selbst. Anihnen findet man den Wunsch des liebenswürdigen heil. BischofsFr. Tales erfüllt: „Ich wünsche, daß mein Frommer der hei-terste in der Gesellschaft sey.' Und diesen sanften Geist heiligerFreude suchen sie auch ihren Beichtkindern einzuflößen. Wenigstenswurde in der Pfarrei Mammendorf nie eine solche allgemeine ausdem Innersten herausleuchtende Freudigkeit bemerkt, als geradejetzt nach der Mission.
Eben so nichtig ist das Vorurtheil, als ob das Ansehen der eigenenSeelsorger durch eine Mission verliere. Gerade dasGegentheilgeschicht.Freiwillig und aus innerm Dränge kamen nicht bloß aus allen Gemein-den Deputationen, die ihren Dank für diese geistige Wohlthat der Missiongegen den Seelsorger aussprachen, sondern von jedem Einzelnen wirdöfters bei jeder Gelegenheit dieser Dank wiederholt, nnd die Bitte ge-äußert, daß der Seelsorger lange in ihrer Mitte bleiben möchte.
Eben so wird der Sinn für Häuslichkeit und stille, verborgeneTugend und Liebe zum Throne und Vaterland geweckt. O es ist wahr-haft rührend und begeisternd zu sehen, mit welch einer Begierde dasVolk, von den scheidenden Vätern in der letzten Segcnsrede die Ermah-nung aufnimmt, der weltlichen Obrigkeit zu gehorsamen, für sie zu betenund namentlich für unsern erhabenen Monarchen, der in seiner hohenWeisheit auch dieses Mittel geistiger Erhebung dem Volke bot. Inmeinem Leben werde ich die letzten Segnungen nicht vergessen, die vonden scheidenden Vätern im Namen des allgemeinen Vaters der Christen-heit über Sc. Majestät unser» allerqnädigsten König und sein ganzesHaus, über das Vaterland, über alle Anwesende, und besonders über jenefür welche die Mission gehalten wurde, und über all ihr Eigenthum aus-gesprochen warv. Denn in meinem Leben habe ich nichts Rührcnders,nichts mehr zum Herzen Dringendes gehört. Wie viele tausend Thrä-nen flößen da, wie viele Gebete stiegen da für unsern Landesvater unddas Wohl des Baterlandes zum Himmel. Und gewiß spricht auch Gottsein Amen zu solchen Gebeten.
Ob aber auch dieses Alles nachhaltig wirken werde? Bei Vielenganz gewiß. UebrigenS ist der da pflanzet nichts, und der da bcgießctnichts, sondern Gott , der das Gedeihen gibt. Sollen wir aber deßhalbnicht pflanzen, nicht begicßen, weil das Gedeihen geben nicht unsere,sondern Gottes Sache ist? Ich wünschte nur, daß allenthalben Mis-sionen gehalten würden, und bald würde sich Vieles anders gestalten.
Aber wie ? vielleicht könnte dann der confessionclle Frieden gestörtwerden. Von den konfessionellen Gegensätzen kommt in der Mission garnichts vor. Es wird rein nur zu Katholiken gesprochen, aber in einersolchen Weise, daß von all den auch bei hiesiger Mission anwesendenProtestanten nicht nur kein Einziger sich unangenehm berührt fühlte,sondern daß im Gegentheil Einer aus ihnen sich irgendwo ange-boten haben soll, eine bcrcutende Summe zu geben, wenn auchan dem Orte, wo er wohnt, eine Mission gehalten wird.
Aber eine solche Mission verursacht Kosten? Die P.P. Missionärenehmen von den Gemeinden keinen Heller an, sondern gleich den Apo-steln kommen sie, wo sie verlangt werden, nnd suchen nichts anders alsdas Seelenheil der Gläubigen, selbst indem Hause, wo sie wohnen,! fügen sie sich in apostolischer Weise ganz in die Ordnung des Hauseö!und in die Lebensweise deö Hausvaters: Huaeeumeiue appormnturi Vodis etc. gilt in ihrer Lebensweise auf den Missionen.
Segen, ewiger Segen dem erhabenen Könige und Landesvaterund seinem ganzen Rcgcntenhausc auch für diese unaussprechlich^ große Wohlthat l Ein Augenzeuge.
Verantwortlicher Redattcur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.