Geschichte einer christlichen Bekennerin. ^)
(Katholik.)
Zu Anfang des Jahres 1841 war eine nestorianischc Fami-lie von drei Personen, eine arme Wittwe Namens Nassimou mitihrem Sohne Nucjie! und ihrer Tochter Schimouni von Amadiagekommen und hatte sich in Arbil (in Kurdistan) niedergelassen.Da die Nachbarschaft von chalvciischcu Katholiken bewohnt war,so bildete sich bald zwischen ihnen und der nestorianischcn Familieein freundschaftliches Verhältniß, in Folge dessen diese drei Per-sonen zur katholischen Kirche zurückkehrten.
Als nun eines Tages die junge Schimouni an dem öffcnt-^liehen Brunnen zu Arbil Wasser schöpfte, kam ein Muselmann,eben so bekannt durch seine Laster als wegen seines Hasses gegen^die Christen, zu ihr und machte ihr den Vorschlag, Mahometancrin -zu werden. Ohne zu antworten floh Schimouni voll Schrecken!und Abscheu zu ihrer Mutter zurück. Der Türke ließ sie aber!nicht in Frieden. Als sein erster Versuch mißlungen war, ver-ständigte er sich mit einem musclmännischcn Weibe, dem er seineRolle dictirtc, und am andern Morgen wurde diese Elende, nachLandcSsittc verschleiert, vor das HauS der Nassimou geführt.Di, ,t stellte sie nun der Türke in Bciseyn zweier Zeugen zur Redeund sie erklärte, sie sey Schimouni und wolle sich zum Islambekennen. Der Betrüger führte nun sofort die Zeugen zumKadi, um die Erklärung, welche sie so eben gehört, zu bestätigen,und der Kadi seinerseits verordnete, dasz das Mädchen ihm vor-geführt werden sollte. Nun erschien die wahre Schimouni vordem Gerichte, wo mau sie wegen ihres AbfallcS beglückwünschte.Sie schwur nun zwar voll Unwillen und Erstaunen, dasz sie vonder ganzen Sache nichts wisse, allein die Zeugen sagten aus, daßsie vor ihnen erklärt habe, sie wolle freiwillig ihre Religion wech-seln. Dieß war für den Richter genug, der gesetzliche Beweislag vor und er sprach demnach die Christin dem Propheten zu.Umsonst protcstirtc diese g gen das Urtheil, ihre Festigkeit ver-größerte nun ihr Unglück. Der Kadi befahl nämlich, daß sie inden Kerker geworfen und so lange gefoltert werden sollte, bis siedie Wahrheit ihrer angeblichen Aussage anerkenne. Sie wnrdcnun wirklich in das Gefängniß abgeführt, zu Wasser und Brod!vcrurthcilt und ihre Hände und Füße mit Ketten belastet; außer-jdem erhielt sie »och dreimal täglich die Vastvnade und zwar fünfTage hintereinander.
Alles Dieses hatte jedoch keinen Ersolg und die muthigcJungfrau war fest entschlossen, lieber zu sterben als ihren Gott zu^vcrläugncn. Andererseits waren auch die Muselmänner wegen derFolgen dieser Geschichte nicht ganz ohne Bedcnklichkciten, denn sie!wußten, daß vor drei Monaten der französische Consul in Bagdad ihren Händen mehr als zwanzig Christinnen cntrissn, die der Beyvon Navandouzc zu Sklavinnen gemacht hatte und sie fürchteten,!er werde, wenn er diese neue Gewaltthat vernehme, mit gewöhn-!ter Energie wieder einschreiten und die Verfolgung auf das Hauptihrer Urheber zurückfallen. Sie nahmen daher der Schimouni ihreKetten ab nnd schlugen sie nicht länger, um jetzt die Verführungder Versprechungen an ihr zu versuchen. Allein sie widerstand anchdiesen, wie sie früher den Schmerzen widerstanden hatte. Da siejedoch jetzt, nachten: die Art ihrer Prüfungen eine andere gewor-den war, etwas mehr Freiheit genoß , so dachte sie an ihre Flucht,und da sie gehört hatte, daß der französische Viceconsul in Mos-^
") Die Geschichte wird von dein P, Rieccidonna aus der Gesell-schaft Iesa im neiicsien Hefte der Annalen (Nr U9.) erzählt, vonwoher wir dieselbe entnommen haben.
sul, Herr Benni, allen Unterdrückten seinen Schutz angedeihenlasse, so entrann sie heimlich der Aufsicht ihrer Wächter und kamam 8. Juni nach Mossul , wo sie sich mit ihrer Mutter unter denSchutz des Consularagentcn stellte.
Der Consul nahm sie auf wie sein eigenes Kind, lobte ihreStandhaftigkeit und sprach ihr Muth ein. Allein während sieunter seinem Schutze wieder frei zu athmen anfing, traf sie einneues Unglück in der Person ihres Bruders Nuejm, den der Kadivon Arbil , als ihre Flucht bekannt geworden war, als Geiselhatte verhaften lassen. Der Consul verlangte jedoch seine soso»tige Freilassung und erwirkte sie wirklich, worauf auch dieses zweiteOpfer nach Mossul sich flüchtete.
Unglücklicherweise befand sich nun damals der Vczicr Moha-met Pascha in Mardin und in seiner Abwesenheit setzte sich derStatthalter von Mossul ebenfalls in den Kopf, Schimouni zumAbfalle zu nöthigen. Er ließ daher die Zeugen von Arbil kom-men und forderte am 29. Juni den Viceconsul auf, das Mädchenseinem Gerichte auszuliefern. Der Viceconsul wies jedoch dieseZnmuthung energisch zurück und statt seiner Schutzbefohlenen er-schien er selbst vor dem Divan, wo er, wenn nicht gänzliche Auf-hebung des Processes, doch wenigstens Aufschub desselben bis zurRückkehr des Pascha'S verlangte. Das wollten indessen die Nichternicht. Ucberzcugt, daß Mohamet der Christin Gerechtigkeit werdeangedeihen lassen, wiesen sie jeden Aufschub zurück, stürmten, dasie die Macht in Händen hatten, ohne Rücksicht auf den Reprä-sentanten einer befreundeten Macht, sein Haus, und führten diennglücklichc Schimouni fort, die, stets unverzagt und ihrem Gottcgetreu, laut ausrief, sie wolle sich lieber iu Stücke zerhauen alszum Abfalle verleiten lassen.
Vom Tribunale weg wurde sie iu ein abscheuliches Gefängnißgestoßen, dem die Christen nicht nahe kommen durften. Alleinauch der Viceconsul blieb nicht müßig. Ein erster Courier, dener an den Vczier abgesandt, winde zwar von den Arabern derWüste aufgefangen, allein ein zweiter war glücklicher und brachteeinen günstigen Bescheid zurück. Darum aber bekümmerte sichder Statthalter von Mossul Wenig. Als die Depejchcn ankamen,berief er den Divan, beschied den französischen Agenten vor den-selben und statt ihm die Befehle mitzutheilen, welche er empfan-gen hatte, las er den Blies des ViceconsulS vor, in welchem die-ser die Beamten von Mossul wegen ihrer Gewaltthat verklagthatte. „Sehet, rief er wüthend ans, solche Klagen wagt einNajah gegen uns vorzubringen! Machet mit ihm, was ihr wollet,und wenn ihr glaubet, sein Tod könne den euch angethanenSchimpf sühnen, so gebe ich ihn eurer Rache preis."
Indessen wagte man es doch nicht in dieser Weise bis zumAeußerstcn zu schreiten. Dasür mußte die arme Schimouni büßen.Von Neuem vor den Statthalter beschicve», wies sie mit neuerKraft die lügenhaften Aussagen der Zeugen zurück. Doch manwollte mit ihr zu Ende kommen. »Im Namen unserer Gesetze,sagte der Richter, erkläre ich dich zur Muselmännin." — „Und ich,rief die Gefangene aus, erkläre, daß ich eine Christin bin, daßich es stets gewesen bin, und bis zum Tode es seyn werde."Nun befahl der Nichter von seinem Sessel aufspringend sie zuschlagen und sie empfing an diesem einen Tage nahe an hundertStockschlägc, außerdem wurden ihr mit den Haaren ganze Stückeblutender Haut vom Kopfe gerissen. Als nun die Jungfrau wäh-rend dieser Mißhandlungen mit vor Schmerz erstickter Stimmevor sich hinsprach: „So lauge noch ein LebenShauch in mir ist,so soll er Jesus Christus angehören," wandte sich der Kadi andie Schergen nnd sagte dem Statthalter: , Diese Leute thun ihre