Schuldigkeit nicht. Siehst Tu nicht an ihren gelinden Hiebe»,daß sie vom Biccconsul bestochen sind? Lass' mich einmal gewahrenund ich mache mich anheischig, die Christin so zu züchtigen, wieihre Hartnäckigkeit es verdient." Und er ließ sie auf einer Trag-bahre in sein Haus schlepprn, um sie dort einsam und verlasse»von jedem menschlichen Troste nach Herzenslust zu foltern.
Frei von jeder Controle und ohne Zeugen bclud er nun seinOpfer mit Ketten, gab sie unter diesem glühenden Himmel densengenden Strahlen der Sonne preis und ließ sie noch außerdem,daß er ihr fast alle Nahrung entzog, jeden Tag peitschen. DieUnglückliche gerieth in Folge dessen natürlich in einen schrecklichenZustand und ein Arzt, der sie sah, meinte, daß sie keine vier undzwanzig Stunden mehr leben könne. Ja, der Kadi sprach ihr,um diesen TodeStamxs bis zur förmlichen Verzweiflung zu steigern,unaufhörlich vor, er werde sie, wenn sie nicht Muselmäuuiu würde,den rohe» Mißhandlungen dbs türkischen Pövels preisgeben.
Gott ließ indessen nicht zu, daß diese schreckliche Drohungzur Wirklichkeit wurde. Es wurde nämlich zu Mossul bekannt,daß der französische Gcueralconsul zu Bagdad bereits zu Cvnstan-tinopel geklagt hatte; auch der Viccconsul hatte von Neuem anden Vezicr geschrieben und ein wiederholter Befehl von Mvhametdem Statthalter eingeschärft, das ganze Verfahren bis zu seinerRückkehr einzustellen. So mußte man wohl nothgedrungrn endlichnachgeben. Nach einer vierthalbmonatlichcn Abwesenheit kehrteMohamet endlich nach Mossul zurück und gerade an dem Tagc,>wo die chalvLische Kirche das Fest der Namenspatronin von Schi-Mvuni feiert, wurde die hcldcnmüthi.ie Neubekchrte ihrer Mutterzurückgegeben. Beide kehrten mit cincmdcr nach Amavia, ihremGeburtsort, zurück, um dort in der Uebung der Religion und inTreue gegen den Glauben, den sie fast mit ihrem Blute besiegelthätten, in Frieden ihre Tage zu beschließen. Ich war bei ihrerRückkehr in der Stadt selbst cmwcsc»d.
Das Eigentliche in der Zesuitenfrage.
Die „Union suisse" bringt hierüber Folgendes vor:
„Die Streitfrage ist nicht mehr zwischen den Jesuiten uudihren Feinden, sagt ein neuerer französischer Schriftsteller, dießVerfahren ist abgenutzt, und zur lächerlichen Komödie geworden.Die Streitfrage ist nun ausschließend zwischen dem Katholicismus,der Kirche, dem Papstthum, dem Episkopat und jenem modernenNationalismus, der cS in seiner hochmüthigcn Anmaßung nochnicht weiter gebracht hat, als die Menschheit mit schottischen, eng-lischen und deutschen Ideologien zu begaben.
„Die Streitfrage ist nicht minder zwischen der Kirche undden heutigen Regierungen. Es handelt sich darum, zu wissen,welchen Antheil von Freiheit die neueren politischen Institutionen,welche aus den Revolutionen dieses Jahrhunderts entsprungen sind,der Kirche, ihrer Auctorität und ihren Instituten lassen wolle»;Europa's ganze Zuknnst hängt von der Lösung dieser Aufgabe ab,welche gleichzeitig die Geister bewegt in Frankreich , mit seinemalten Schweif von philosophischen, ketzerischen und politischenSeelen; in Belgien , mit seiner Minorität von falschen Liberalenund Freimaurern; in der Schweiz , mit ihren Radicalcn und Pro-testanten; in Deutschland mit seiner Hegcl'schcn Negation; in Nuß-land, Großbritannien und Spanien .
„Mau muß sich ja nicht täuschen lassen; die in Frankreich unter dem Vorwandc der Jesuiten begonnene Polemik war nur derAnfang jenes große» Kampfes, welcher entscheiden soll, wie cögewisse conscrvative Schriftsteller behaupten, daß alle Revolutionen
und modernen Verfassungen nur zu Gunsten der Feind? des Chri-stenthums gemacht wurden. Laßt die Frage gegen die Jesuiten entscheiden, so wird sie auch bald gegen die übrigen religiösenOrden, ja gegen die ganze Kirche entschieden seyn. Es find dießnicht finstere Prophezeiungen, es ist Geschichte.
„Ich war vor einigen Monaten in Avignon , um die herr-lichen christlichen und päpstlichen Alterthümer dieser merkwürdigenStadt zu besichtigen. Indem ich den „Auicle clu vc-vscivur"las, wurde meine Aufmerksamkeit durch folgende historische Anek-dote gefesselt:
„Als die Jesuiten in geordnetem Zuge das Kollegium ver-ließen , um in die Vcibannung zu gehen, stand ei» Mönch voneinem andern Orden an eine Säule des PorticuS des Kollegiumsgelehnt. Er betrachtete die ausziehenden Bätcr der GesellschaftJesu , und freute sich mit heimlichem Lächeln ihrer Austreibung.Einer der Söhne des heil. Jgnaz, nicht minder schalkhaft, be-merke es und sagte ihm: „Lachet, lachet nur, mein Vatc>, ihrkommt mich noch cm die Reihe; wir halte» hier eine Pro-cession, wir gehe» zwar voraus und tragen dasKreuz, ihr aber werdet hinter uns hergehen." DieWeissagung des Jesuiten erfüllte sich achtel», Jahre später; derlachende Mönch mußte ftin Kloster auch verlassen, auch ihn trafdie Verbannung.
„Auf die OrdenSlcutc folgte» die Bischöse und Priester, aufdie Verbannung das Gemetzel. Nach der Kirche wurde das Kö-nigthum geopfert; ein unschuldiger König mußte mit seinem Kopfedie Fehler strafbarer Könige bezahlen. Kaum waren fünfzehnJahre seit der Aufhebung des Jesuitenordens verflossen, so läutetedie Sturmglocke der Revolution von 1789 schon zum Begräbnisseder Monarchie, ja der ganzen bürgerliche» Gesellschaft; die Köpfeder Minister, der Magistrate und der Philosophen, welche ZWOihrer Mitbürger proscribirt hatten, rollten auf dem Schaffot.Man weiß das Uebrige.
„Im Zcchre 1828 wollten dieselben Grundsätze und dieselbenLeute die gleiche Verfolgung wiederholrn; zwei Jahre spater unter-lag das Königthum einer neuen Revolution, und cine ganze Dv-ncistic wanderte zum dritten Male ins Exil."
Fr ei bürg. Unterm 17. v. M. ist ein Hirtenbrief desHochwürdigstcn Erzbischofs Hermann an die gcsammtc Curat-geistlicbkcit erjchicncn über die betrübenden religiösen Bewegungender Gegenwart uud die ernste Aufgabe, welche hierausfür die Geistlichkeit erwächst; insbesondere sind als Leh-ren , welche in jeder Gemeinde in Behandlung komme» solle» —für den Umfang, in dem es zu geschehen hat, sind die Ortsbc-düifnissc d>r Maaßstab — aufgeführt: Die Lehren von der heili-gen Schrift und Tradition, als den Quellen der katholischen Wahr-heit; von der Erbsünde und Erlösuugsbedürftigkcit des Menschen;von Jesus Christus , dem wesensgleichen Sohne Gottes, und vonder Menschwerdung desselben, insbesondere von den großen prakti-schen Wahrheiten, welche in der Idee der Menschwerdung enthal-ten sind; vo» deni Erlösungswerke und dessen allseitiger Beziehungzu den Bedürfnissen und Nothständen der Menschheit; von derKirche uud ihren w scnilichcn Merkmalen, namentlich von ihrerEinigkeit, von dem Primate Pctri und seiner Nachfolger; von derLeitung der Kirche durch den heil. Geist und ihrer Unfehlbarkeit;von den Sacramenten, besonders von der Spccialbeicht »nd dem.