Opfcr der heiligen Mcssc; von der Unsterblichkeit der Seele undder Ewigkeit der Höllcnstrasen u. s. w. Anßer diesen Hanptlehrcnunseres Glaubens bilden noch einen dringenden Gegenstand desgenauen Unterrichtes die Lehren von der Verehrung der Heiligen,der Bilder und Reliquien, dann die mannichfachcn im katholischen Cultus üblichen Gebräuche und Segnungen n. s. w.; endlich dieKirchcngcbotc und deren Nothwendigkeit und Weisheit.
Die Süddeutsche Zeitung schreibt: Bei einiger-maaßcn aufmerksamerer Erwägung mancher Nachrichten stellt sichdie tiefe Besorgnis; ein, daß Herr Schreiber nicht ohne Einver-ständnis; mehrerer geistlichen Standcögcnosscn gehandelt habe. Diegegenkircklichcn Vcrsammlungcn oberlä'ndischcr Geistlichen in Engen und andern Orten des Obcrrheins sind bekannt, und man besorgt,das; manche solche glcichgcsinnte Standcögcnosscn nicht so fast durchoffenen Abfall 'von dcr Kirche sich lossagen, als vielmehr, mitRücksicht auf die Beibehaltung ihrer Pfründen, für dic Rongc'scheSecte auf weniger auffallende Weise und desto verderblicher in ihrenPsarrgemcindcn wirken und sonach größere Abfälle vorbcrcitcn wer-den. Möge uns diese nnscrc trübc Aussicht täuschen!
Poscn. Wie verlautet, ist zwischen dcm „Psarrcr" CzerSkiund seiner Gemeinde eine Differenz zu Tage gekommen. Letzterewill Nvngcanisch-katholisch seyn und dcr arme CzerSki stände sonachmit seinem apostolisch-katholischen Symbolum isolirt. Zwar hatdiese Gemeinde ihrem Bekenntnisse bis in den Tod treu anzuhän-gen gclobt, abcr die freie Forschung hat ihr im Lichte, das vonBrcSlau ausstrahlt, gezeigt, daß die Modisiccition zeitgemäß seyund daS Grundprincip durch dieselbe nicht verlassen werde. DasThcolognmcnon, nach welchem nicht die Gemeinde ein geistigesErzcngnif; dcS Pricstcrthums ist, sondern das umgekehrte Verhält-nis; stattfindet, ist zwar wi?crchristlich und widerspricht so stark alsmöglich dcm Verhältniß zwischen Christus, dcm ewigen Hohenprie-ster, und seiner Kirche; aber es ist gleichsam die Basis der Ron-gc'schcn Reformen und macht sich auch in Artikeln bemerkbar, dicüber oder vielmehr für dic Schneivcmühler Sccte geschrieben seynwollen. In einem derselben wurde vor einiger Zeit berichtet, daßzwei polnische Baucrngemcindcn Deputationen an Czerski gesendethätten, um wcgcn cincö Anschlusses zn unterhandln. „Diesesmöchte wohl" — heißi's dann — „am besten von den gesundenPrincipien dieser kirchlichen Reform zeugen, insbesondere wenn manbedenkt, daß es polnische Bauern sind, gerade dieselben, welcheman sonst für den Typus dcr Bigotterie zu nehmen pflegt." Alsowährend gerade in unsern Tagen die intellectuclle Bildung bis zurEinseitigkeit betrieben wird, sollen unterrichtete Bauern über Prin-cipicniragcn entscheiden I Dic Gesundheit jener Principien macht sichin Symptomen bemerkbar, wie unter andern folgende: daß dicBibel als einzige Quelle der Offenbarung, zugleich aber auch Sätzeangenommen werden, welche vollständig nur mit Beziehung auf dicrirchristliche Geschichte, d. i. Tradition crwusen werden können; das;ferner die königl. Regierung zu Brombcrg die Bibclgcmäßheit desneuen Bekenntnisses prüfen soll, nachdem dasselbe Bekenntniß jedenEinzelnen für befähigt erklärt hat, seine Glaubenslehre selbst ausdcr Bibel zu schöpfen; daß Lebende zwar für Gestorbene betendürfen, die vollendeten Gerechten im Himmel aber nicht für dienoch auf Erden nach der Vollendung Ringenden; daß Priester nichtallein hcirathcn dürfen, sondern es auch dem alten Testamentezufolge sollen u, s. w. Daß über dic seit Jahrhunderten schwe-benden Lebensfragen dcr gemeine Mann entscheiden soll, darf indeß!/
> nicht bcfremvcn; denn wer will in unsern Tagen nicht über theo-logische Gegenstände aburtheilen? Man spricht von Laien in dcr^Wissenschaft und Kunst und von Priestern derselben; in dcr Theo-logie soll diese Unterscheidung nichts mehr gelten; in der Medicin,den Naturwissenschaften, der Jurisprudenz, Philologie u. s. w.erkennt man Autoritäten an, in dcr Theologie sind es dic Theo-logen, die sich zurechtgewiesen sehen als Befangene, die für dieInteressen ihrer Kaste eifern, sie sind im allgemcimn Sprechsaalnicht mehr die lehrende, sondern die hörende Kirche. Und doch istder wesentliche Inhalt dcr Theologie ein gegebener, die christlicheKirche hat eine Geschichte von achtzehn Jahrhunderten; ihr Studiumletzt viele HilfS- und Vorkcnntnisse voraus; ihre Literatur ist uner-meßlich, wo;u noch kommt, daß gerade auf diesem Gebiete dcrParteigcist die ärgsten Verwirrungen angerichtet hat; der Theologesoll wo möglich allcS Wissen und Erkcnncn seincr Zcit in sich auf-genommen haben, aber höher als dieses steht SinneSadel und gei-stige Freiheit. An der Spitze dcr VewegungSpartei sehen wiraber Beamte, cincn Thcater-Secrctär, Industrielle und freilich auchein paar Tbeologcn; der eine dersclben ist so überaus gelehrt, daßer Vieles vergessen mnßte, um Reformator zu werden; wie gründ-lich aber dcr andere scinc theologische Vorbildung betrieben hat,das offenbaren seine Sendschreiben und sein gcsammteS reformisti-sches Vorschrcitcn. Beide sind nahe daran überflügelt und bei Seitegeschoben zu werden. Wie in Betracht des Zeichens die Wcrkleutevcrschiedur sind, so sind es auch dic Materialien, die sie. zu demUm- oder Neubau verwenden. Hicr werden 7 Sacramente sta-tuirt, dort genügen 2, anderswo reihen sich an die 3 noch 5kirchliche Weihen; hicr gilt die Bibel ohne, dort mit dcr Traditionals Glaubcnsurkunde; jetzt ist das Schneidemühlcr, dann das Brcs-laucr Symbolum an dcr Tagesordnung, dann wicdcr cin justsmilieu (rechte Mitte)! Wenn die Lente sich recht besinnen wer-den, werden sie mit Erstaunen wahrnchmcn, daß sic insgesammtProtestanten oder gar über den bibelgläubigen ProtestautisinnS längsthinaus sino. Ein Satz mehr oder weniger macht es nicht; werdie Autorität dcr Kirche verwirft, um nach eigener Faeon Katho-lik zu seyn, hat schon aufgehört cs zu seyn. Von den Ncnkatho-likcn gehörte d.r größere Theil „durch den Zufall dcr Gcbnrt"der Kirche an und wirklich schließen sich dcr Bewegung verhältnisz-luäßig viele Protestanten an, wie es auch überall Protestanten sind,welche ihr am meisten Vorschub leisten. — Diejenigen, welchevon CzerSki'S Erschein«: in Brcslan große Erfolge erwarteten,haben sich verrechnet, die öffentlichen Blätter wissen davon wenigzu sagen; nnS freilich fällt das nicht ans. Daß sich ihm cin ausdcm Seminar zu Pclvlin unfreiwillig auSgctrctencr Klcrikcrangeschlossen hat, ist schon berichtet; daß er „schr gute Zeugnisse"mitgebracht hat, versteht sich eben so von selbst, als daß ihm dieGebrechen dcr römischen Kirche im Lichte von Schncidcmühl inihrcr Blöße offenbar geworden sind. Gott sprach: „Es werdeLicht, und cs ward Licht/' — so ist CzerSki'S Rechtfertigung über-schrieben. — Nach Privcttnachrichtcn werden in der Umgegend vonGlogau die Schriften dcS .großen Reformators" Rongc in jede Hüttehineingetragen, sogar dic Lumpcnsammlcr treiben damit Industrieund geben sic hin für Lumpen. Das geschieht sonder Zweifel ausvem Einen und keinem andern Grunde, um die Forschrttte dcrCivilisation anschaulich zu machen, dic den weggeworfenen Lumpenzum Träger des Gedankens macht, und wie erhabener und tieferGedanken, Gedanken, welche die Herolde cincr neuen Zeit sind! ^(Schlcs. K. Bl.)
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