er nicht, und begehrte inständigst einige Väter Redcmptoristen ausdem Kloster Witte» in Holland , unv da diese sich vorzüglich dazuwidmen, gerade den verlassensten Seelen am hilfreichsten bcizu-springen, so wurden ihm dieselben leicht bewilligt. Der hochw.P. Bernard, begleitet von dem hochw. P. Janson eröffnete alsodie Mission am 8. Februar. Wie groß die Freude eines Volkeswar, das noch i» der Wiege seiner Bildung ist, wie fleißig esden Predigten und Untcrrichtungen beiwohnte, wie aufmerksam undgelehrig, ja wie begierig es alle Uebungen umfaßte, die seinechristliche Frömmigkeit nur nähren konnten, ist kaum zu beschreiben.Besonders hatte die Liebe zu Jesus Christus und die Andacht zurallerseligsten Jungfrau Maria für diese bisher so harten und un-empfindlichen Herzen etwas ungcmcin Anziehendes; jede Andcichts-^Übung, Kreuzweg, Rosenkranz, Scavulir, ja Alles w.ir ihnen!theuer; und sie umfingen AllcS mit rührender Andacht und Fröm-migkeit. Der gute Herr Pfarrer hatte sich mit allerhand Gegen-ständen der Andacht versehen, die er unentgcldlich unter sie aus-theilte. Nur war es schwer, sie von der Abscheulichkeit des Lastersder Unzucht zu überzeugen. Die Erfahrung lehrt, wie sehr manin diesem Puncte sich selbst täuschen, und wie grob die Unwissen-heit in dieser Sache besonders bei Solchen werden kann, die allzeitin Unordnung gelebt, und nie eine christliche Erziehung erhaltenhaben. Aber der hochw. P. Bernard, der es so gut versteht,sich zu den Einsichten und Fähigkeiten seiner Zuhörer herabzulassen,scheute keine Mühe, um ihnen eine ganze Stunde lang mit derBibel auf der Kanzel zu beweisen, daß die Unkeuschheit eine Sünde,eine Tovsündc sey, bis endlich vor Rührung und UeberzeugungAlle einstimmig ausriefen: verflucht sey die Unkeuschheit!Alle ohne Ausnahme nahten sich dem heiligen Bußsacramente;doch kann es wohl nichts Rührenderes geben, als die Gcucral-Communion, die in schönster Ordnung und mit möglichster Einge-zogenhcit gehalten wurde. Namentlich in den letzten Tagen wares ein herrlicher, hcrzerhrbender Anblick, wie die Frauen von denOrdensschwestern, unv die Männer von den hvchwürdigcn Väternan den heiligen Tisch geführt und da mit dem Brodc der Engelgespeist wurden. Noch ein bcmcrkcnswerther Augenblick war derder Aussöhnung, welche man von Ehelcutcn forderte, ehe ihnengestattet wurde, den göttlichen Heiland zu empfangen. DieseUebung wurde für nöihig gehalten in einer Pfarrei, wo so vieleUnordnungen zu heben, so große Aergernisse gut zu machen, sotief eingewurzelter Haß und Groll zu dämpfen war; man kann sichkeinen Begriff machen, wie frech die christliche Liebe hier mit Füßengetreten, wie gewissenlos alle Schacun verbannt, und wie entsetzlichdas eheliche Band hier verkannt und geschändet war. In demAugenblicke also, wo der Herr Pfarrer die hl. Hostie in den Hän-den hielt, erhob der Prediger seine Stimme, und fragte feierlichdie Ehemänner und Ehefrauen, ob sie sich gegenseitig Alles ver-zeihen, ob sie in Zukunft in wahrhaft christlicher Einigkeit lebenwollten. Das heiligste Sacrament wurde nicht eher ertheilt, alsbis Alle mit laut>r Stimme geantwortet hatten: Ja, wir ver-zeihen, wir versprechen eS. Am letzten Tage der Missionwurde der hochw. Herr Bischof van Hooydonk, der in Begleitungseines würdigen Sccretärö dahin kam, von dem guten Volke mitallen Aeußerungen der aufrichtigsten Freude empfangen. Nacheiner rührenden Anrede, wobei Alle sehr ausmcrlsam waren, er-theilte er den Kindern, so wie mehreren Erwachsenen die hl. Fir-mung, wornach erstere im Psarrhausc ein genügsames Frühstückfanden, das ihnen die Sorgfalt ihres liebenden Hirten bereitet hatte.
Bei der AbschiedSrcde, die der hochw. P. Bernard hielt,stieg die Hcrzcnsrührung aufs höchste. Es war der feierlichste
Augenblick, als der Redner diese dreifache Frage an das tief be-wegte Volk stellte: Wollt ihr allezeit Jesus Christus lieben, dieMutter Gottes recht ehren, und cuerm Herrn Pfarrer stets gehor-chen? Die Antwort war wie Eine Stimme: Ja, wir wollen es!was zur größten Erbauung Aller gereichte, die herbeigekommenwaren, um diesem interessanten Schlüsse beizuwohnen. Als derPrediger nach dem päpstlichen Segen im Namen der Missionärevon seinen Zuhörern Abschied nahm, brach die ganze Menge inlautes Weinen und Schluchzen aus. Der gewandte Redner benutztediesen Augenblick, um den Versammelten zu äußern, daß er nurnoch bedauere, ein verirrtes Schäflein, das einzige, welches derGnade bis zum Ende widerstanden, nicht zum Schafstalle habezurückführen können. Und in der That, noch am Vorabende hattedieser harte Sünder eben so wenig den Einladungen seiner Freundenachgeben wollen, als er vorher schon den Bitten und Beschwö-rungen der Missionäre Gehör gegeben, die kein Bedenken getragenhatten, denselben in seiner Wohnung aufzusuchen, und ihn zurBekehrung und Aussöhnung mit seinen Feinden einzuladen. „Ge-wiß', rief jetzt der Missionär wie begeistert aus, „Maria hat sichdiesen Sieg vorbehalten, habt nur Vertrauen, meine Brüder,und beten wir mit einander drei Ave Maria für diese arme ver-irrte Seele." Er hatte beinahe prophezeit, denn Tags darauflegte der Unglückliche seinen tödtlichen Haß ab, und machte dieMission mit, zum Ruhme Mariens, zum Troste und zur Zufrie-denheit der Hcerdc und ihres musterhaften Hirten. An diesem Tagewurde eine Messe für die Verstorbenen der Pfarrei gesungen, unddie Missionäre trugen zu den Kranken in eigener Person die Hcils-mittcl unserer hl. Religion.
Die ganze Gegend ist höchst erfreut über diese segensreicheMission, die zugleich der Bestimmung und dem Geiste der Missio-näre des allerheiligsten Erlösers so sehr entspricht, und so treffendan jene erinnert, die ihr Stifter der hl. Alphonsus den Schäfernund Zicgcnhirten oder den Landbewohnern Kalabriens gab. Manhat alle Ursache zu hoffen, daß durch die Sorgfalt des weisenPrälaten und den unermüdlichen Eifer des frommen Pfarrers,welche beide die Mission begehrt haben, die Früchte derselbendauerhaft bleiben werden. Ein Verein zur Ausrottung dcö Fluchensund GotleSlästerns ist daselbst feierlich errichtet worden, so wieauch eine Sonntagsschule für die Knaben und eine für die Mäd-chen , nebst einer Bruderschaft zu Ehren des hl. Aloysius Gonzaga .Außerdem haben mildthätige Personen stets ein wachsames Augegerichtet auf das Elend dieses dürftigen Volkes, das sie selbstwährend der Mission unaufhörlich mit Almosen unterstützten, sowie die Strenge der Jahrzeit es zu verlangen schien. Alles dießläßt uns die trostvolle Hoffnung hegen, daß bald sowohl in bür-gerlicher, als religiöser Hinsicht die Pfarre zum hl. Willibrordemporblühcn werde, eine Pfarre, die aus Leuten besteht, überwelche die Religion in so kurzer Zeit und auf so befriedigendeWeise vermocht hat, was nicht die Strenge der Gesetze, nicht dasSchauderhafte der Blutgerüste ausrichten konnte.
Berlin , 29. März. Was unsre Schncidcmühler an-geht, so hat sich der Standpunct dieser Angelegenheit wesentlichverändert. Nachdem der ausgeworfene Köder keine Katholiken fan-ge» will, erklärt sich der Protestantismus zur Heranbildung derneuen Sccte bereit und bittet durch die ganze norddeutsche Pressealle Welt, die Geld hat, um Unterstützung. So hat der hoch-