wo Ihr immer könnt, lasset Euch aber nie in zn vertraute Ver-hältnisse ein, es schadet beiven Theilen. Richtet nicht, denn dasGericht ist dem Herrn anheimgestellt. Werdet Ihr von ihnen mitden gewöhnlichen Bezeichnungen gekränkt, nun so freut Euch, cSerging ja dem Herrn nicht besser, und bedenkt den Satz, der mil-dernd solche Urtheile macht, der Satz: „Die Wahrheit erkenntleichter den Irrthum, als der Irrthum die Wahrheit."
Haben wir einen klugen Eifer für Gottes heiliges Gesetz;Eifer gegen Unglaube und Unsittlichkeit ist edel, und darf seyn.Unsere Tagesordnung sey einsames Betrachten und Beten vorGott , scclsorgcrliche Dienste mit zu Gott dem Allmächtigen emporgehobenem Gemüthe.
Nichten wir stets die Blicke auf die Bedürfnisse der katho-lischen Kirche im Ganzen, und zunächst auf Deutschland , Beweiseein Jeder seinem Bischose Gehorsam, Vertrauen und Liebe. SoWird dann Alles gut gehen, Ihr werdet Priester nach dem HerzenGottes, im Sinne der heiligen Kirche seyn. Der Heiland wirdmich oft erinnern, für Euch, liebe Brüder! zu beten, ich willauch nicht widerstreben, und gern in der achten Stunde für Euchbeten, so unwürdig ich auch bin.
Unser Herr und Heiland, JcsuS Christus, der sür uns Allein namenlosen Schmerzen sein Blut am Kreuze sterbend vergossenhat, segne uns Alle, als unser oberster Hirt Euch, unser liebcS,deutsches Vaterland, die allgemeine, römisch-katholische Kirche . InSelbstverleugnung wollen wir auf der schmalen Bahn wandeln,betend, die Menschen rein liebend, duldend, Gott anbeten undlieben, GutcS thun und nnS lästern lassen, um wieder GutcS zuthun, so Weit die ewige Liebe Gelegenheit gibt.
Das Aufthaueu des Eises — das Zerbrechen der Felsen istallein Gottes Sache. Wir können es nicht.
Aber innthig vertrauend in Demuth! Gott lebt, liebt undwaltet herrlich, verläßt die Seinen nie. Wir wollen Sein seyn— ganz und ewig.
Gott , meine theuren Brüder! segne Euch in eurem Berufe,salbe Euch mit seinem Geiste zu auserlesenen Kämpfern für seineheilige Kirche, die in unseren Tagen von innen und außen somächtige Feinde, und ach! so schwache Vertheidiger hat.
Doch der Wächter Israels schläft nicht. Er ist mächtiggenug, allein sein Reich zu schirmen, und auch aus SteinenAbrahams-Sohne, und seinem Sohne, hoch gelobt in Ewigkeit,wackere Apostel zu erwecken.
Und nun empfehle ich Euch alle, liebe Brüder! der GnadeGottes. Er liebe Euch so, und schätze Euch liebend, daß vonEuch und in Euch nur immer Das geschehe, was Ihm gefällt,und Ench, liebe Brüder, ersprießlich ist.
Großwardcin, am 8. April 184».
Alexander Fürst Hohen lohe,ernannter Bischof von Sardica. Dvmpropst undGencralvicar des Großwardciner BiSthums.
Der hochwürdigstc Erzbischof-Coadjutor von Köln hat unterm25. März ein Pastoralschreibcn an den Klerus seiner Diöcesc,die Errichtung von Knaben-Seminarien betreffend erlassen, demWir folgendes entnehmen: „Bereits stehen über hundert Curat-stellen, deren Besetzung mehr oder weniger crwünschlich wäre,
seit längerer Zeit schon erledigt, und mit jedem Tage mehren sichdie Fälle, daß kränkliche oder altersschwache Pfarrer Uns angehen,ihnen einen Geistlichen in ihrer meistens mühevollen und ausge-dehnten Pfarrwirksamkeit beizugebcn, während Wir Uns, zu Un-serem Schmerze, aus Mangel an Priestern, außer Stande sehen,dem so gerechten Verlangen, wie wir so gern wünschten, zu ent-sprechen. Auch jetzt liegen Uns wieder mehrfache solche Gesuche wohl-verdienter Herren Pfarrer vor, welche, nachdem ihre Kraft unter derim Weinberge des Herrn lange getragenen Last des Tages zu ermattenanfängt, eine jüngere Beihilfe zu fordern so sehr berechtigt sind; undWir müssen mit Wchmuth die Unmöglichkeit beklagen, ihrem Gesuchezu willfahren, weil Wir zur Zeit leider nur sechzehn Alumnenhaben, denen Wir demnächst die heilige Priesterweihe ertheilen und siein die Seelsorge aussenden können. Was ist aber diese geringe An-zahl gegen Jene, die Noth thnt! Und auch die nächste Zukunft läßtkeinen größeren Zuwachs hoffen , indem sich in den nachfolgenden Kur-sen der Theologie-Studircnden bei Weitem nicht jene Anzahl findet,welche auch nur den gewöhnlichen Abgang von Priestern wieder zuersetzen hinreichend wäre. Eö drängt sich sogar die betrübende nichtsehr ferne Aussicht auf, daß in wenigen Jahren ein nicht unbeträcht-licher Theil der Caplancicn und Rcctorate, ja sogar auch der wenigerwichtigen Pfarreien könnte unbesetzt bl erben müssen, weil esan nachwachsenden Geistlichen zu ihrer Besorgung fehlen dürfte. Großist bereits die Ernte und sie wächst mit jedem Tage; dagegen hat sichaber die Zahl der Schnitter gemindert, nnd dieses Mißverhältniß stei-gert Unsere Besorgniß, wenn Wir die hohe Wahrscheinlichkeit inS Augefassen, daß auch die folgenden Jahre, wie das letzkeraaugenc, welchesin dem Wechsel VcS abgehenden und zuwachsenden DiöccscmklcruS miteinem Verluste von achtzehn Geistlichen abschloß, eine gleiche Vermin-derung bringen werden. Dieses Mißvcrhältniß muß Unsere ganze obcr-hirtliche Svrgc in Anspruch nehmen, nnd Wir sind von dem lebhaftestenWunsche durchdrungen, demselben dadurch zu begegnen, daß Wir ausallen Kräften dahin trachten, dem DiöccsantleruS den erforderlichen Nach-wuchs junger Priester ausreichend zu sichern. Zwar mangelt cS in derKölner Erzviöccse, in welcher — Wir sagen cS mit freudigem, vonDank gegen Gott erfülltem Herzen — unsere heilige Religion undKirche lebensvoll und thatkräftig blüht und gedeiht, keineswegs an from-men Knaben, welche, von Gott mit Talent begabt, auch die Neigunghaben, sich dem Dienste des Altars zu widmen; allein es fehlt ihnen dieGelegenheit, sich zu diesem Dienste auszubilden. Wie Manche würdendurch Wissenschaft und Wandel eine Zierde des Tempels werden; aberes bleibt ihnen das Hciligthum verschlossen, weil sie die Mittel nichtbesitzen, sich zum Eintritts in dasselbe vorzubereiten. Ihnen denWeg dahin anzubahnen und sie mit helfender Hand dem Altareentgegen zu führen, wäre daher ein wahres Goiteswerk, welchesdie warme Theilnahme jedes FreunteS der Religion und Kircheanzuregen gewiß geeignet ist. Dazu bedarf es jedoch besondererAnstrengungen; denn nur ein außergewöhnliches Mittel vermag es,dem außergewöhnlichen Bedürfnisse zu steuern. Ein solches Mittelaber findet sich, bei der besonderen Lage der Dinge, nur in derErrichtung eines 8vmin<irium r»u«rorum oder eines Convictcssür Heranbildung junger talentvoller Knaben zum geistlichen Stande,nach Art und Weise, wie solche Anstalten bereits auch in andernnahen und entfernteren deutschen Diöcesen gegründet sind undschon erfreuliche Früchte tragen.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.