<K
^as- -
... t«r,
AttgSvurg-v
Erste Iahr-shältt
e.
S«.
Ppftz-itung.
R8. Mai R845
Der Fronleichnams-Tag auf dem Meere. )
-s Es wir sine Zrit, wo die Könige von Frankreich dachte»,daß ihre Ärmcen zu Land und Meer, da sie aus christlichen Sol-daten und Seeleuten bestanden, Fcldprediger nöthig hatten; cineZeit.wo sie des Kreuzes sich nicht schämten, und dasselbe an ihren sieg-reichen Fahnen und Flaggen sich sehen ließ. In so eine Zeit mnßder Leser bei dieser Beschreibung sich versetzen.
Die französische Flotte lag vor Anker in der Gegend vonlslo-tlv-!'rancl>. Dir Wogen, auf denen sie sich sanft wiegte,waren lazurblau, wir der Himmel. Frühe morgens, sobald dieGipfel der Schiffe mit den ersten Sonnenstrahlen sick vergoldethatten, waren auch alle Masten zur Feierlichkeit des TagrS, zumFronleichnamsfeste auf das herrlichste geschmückt.
Am Vorabende, zur Zelt des Abendgebetes, wenn die Kugeldes großen Gestirns in das Meer sich zu versenken begann, undnoch einmal zwischen den Tauwcrken der Schiffe erschien, mittenin Räumen ohne Gränzen, hatte der Schiffs-Pater den Matrosenund der Besatzung bereits verkündet, daß morgen der Fronlcich-niimstag einfalle, das Fest Gottcö, des Herrn der Natur, derdie Tiefen des Weltmeeres ausgehöhlet, und die Erde mit hohenBergen bedeckt bat, das F. st Gvttrö, der dir Wellen bäumet,und die Saaten wachse» laßt.
Unter den Menschen, die den Priester gehört hatten, warkeiner, der dieses Festes sich nicht erinnern konnte, das er in sei-ner Stadt, oder seinem Grburtsdorfe seiern sah, da, Wo er nochbei seinen Eltern und Geschwistern war. Die Seeleute verlierenwenig von der Erinnerung an das feste Land, und haben esnöthig in den Einöden des Oeeanö. Mit Freude schickten diealten Matrosen und Schiffsjungen sich an, ihre Fahrzeuge zu ver-zieren.
Dieser Tag hatte die Neiulichkeit und Pracht der Schiffeverdoppelt, und jedes Verdeck derselben glich dem Fußboden ineinem wohlbehaltenen Hause: die langen, gcfeanzctcn Wimpel,die schmalen, lieblichen Fähnlein, entrollten und verlängerten stch,bogen wieder ein, wie Schlangen von verschiedenen Farben, undspielten hoch an den Masten. Dit von Wappen bunten Flaggen,
Au« dem Französischen, und was von ältern Zelten gesagt wird,darf man wohl auch in des nrucrev sich zu Herze» nehmen.
besonders die Wappen von Frankreich in ihrer majestätischen weis-->'cn Farbe flatterten und klatschten in: Winde. Die ungeheuernSegel, gleich unermeßlichen Draperien, zeichneten sich wie breiteBlumengehänge unter dem blauen Himmel aus.
Daö Admiralschiff war gleichsam die Kathedrale der schwim-menden Stadt, und an seinem Bord mußte der Segen über dieganze Flotte gegeben werden.
Die Bewohner der Insel hatten mit Anbruch des TageS anunsere Seeleute die ganze Ernte ihrer schönsten Blume» iiberbracht,und ihre leichten, langen Nachen, ganz mit Astwcrk beladen, gli.chen kleinen von den Wellen getragenen und geschaukslien I»srln.
Die Matrose» empfingen mit freunvlichcr Erkenntlichkeit dieländlichen Gabe», und bedienten sich dieses grünenden und lieblichduftenden Tributes, um an den, Fuße des Hauptmastes dcS Admi-ralschiffeS einen herrlichen Altar herzustellen. — Es ist gewiß eingroßes Vergnügen, die Blumen auf dem Boden sich entfaltensehen, wo sie entstanden; sehen. Wie die Bäume ihre Arstc überdie Grasmalten ausbreiten, die sie duichbroch.» hallen, um großzu wachsen. Aber rS war auch ein süßes Gefühl, diese Ausbeu-tung der Wälvcr und Gärten zu betrachten, wie sie ihre Farbenund Grüne auf einem Schiffe initte» in den Wellen entsalirten;Blumen und Palmzweige getränt und verbannt von der Erde,um den A tar des Gottes der Natur zu zieren.
Morgens war der Fronleichnams-Gottesdienst in den Pfarr-kirchen der Insel gefeiert morde», und bis gegen Mittag konntenunsere Matrosen der Procelsion zusehen, von ihrem Auözug auöder Kirche bis on das Grab von Paulus und Virginia .
Um die Majestät des Festes zur See zu verherrlichen kamendie Priester von lsle-c!e-k'rnri<:l.', und die jungen Missionäre,die nach Indien wollten, sich an die Schiffsgcistlichtut anzuschlie-ßen. Die Abendzeit war gewählt zur E.rernonie der Anbetungund dcS Segens; eine geheimniß- und anmulhovollc Stunde, eineStunde, wo man andächtiger betet, weil man da von einem un-bestimmten Gefühle der Traurigkeit lingcnommcn ist, und dieWolken des Himmels wie purpurne, init Gold eingefaßte Drape-rien über unsern Häuptern stehen.
Im Augenblicke, da man in den Städten das Zeichen zumAngeluü Domini gibt, begann die Errrmonic am Borde des Av-miralschiffs; hundert und ein Kanonenschüsse kündeten es an, und