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Ppstzeitttng.
Erjle Jahreshälfte«
SS. Mai 1845
Der Verein der heilige»» Kindheit.
Von Fri edrich Hurter. ')
Um die Zeit, da ich nach Paris gekommen, war in weit-aussehender und, wenn er erkräftigt, in höchst solgcrcicker Brdcutung der neueste Wohlthätigkeitsverein durch den kürzlich verstor-benen Bischof von Nancy gestiftet worden: das Oeuvre lc>samtL onlanev, oder die Verbindung christlicher Kinder für regel-mäßige Beisteuern zum Ankauf der Kinder von Ungläubigen inChina und anderer, dem Götzendienste unterworfener Länder.Bewegt durch die Berichte über das entsetzliche Looö so mancherneugeborener Kinder, vorzüglich in China, trug sich der eifrigeBischof lange mit dem Gedanken, ob nicht zu leiblicher und geist-licher Rettnng dieser bcklagenswerthen Geschöpfe ein Versuch zumachen wäre? Von der Kinderwelt sollte das schone Unternehmenausgehen; an die Kinderwelt vorzüglich wendete er sich; ihr Ge-fühl über der Vorstellung des jammervollen Schicksals so vieler,durch gleiche Hilflosigkeit und gleiche zweifache Bestimmung ver-wandter Mitgcschöpfe bei verthierter Fühllosigkeit ihrer Erzeuger,dann bei dem Hinblick auf gedoppelte, so leibliche als geistlicheFürsorge, deren sie sich erfreuten, wollte er in Anspruch nehmen;besonderer Segen zu dem edlen Vorhaben, hoffte er, werde an dc>5Scherflein und die Fürbitte der Kleinen sich knüpfen, und Großeshervorgehen aus dem liebeSfrcudigen Zusammenwirken unzähligvieler, an sich unscheinbarer Kräfte, gleich dem Thau, der stillund unbemerkbar und dennoch lebenspendend die lechzende Flur er-quickt. So eben hatte der Bischof, die christliche Kinderwelt zuseinem Zwecke gleichsam geistig um sich schciarend, ohne tcßwegcnvon bereitwilligem Mitwirken auszuschließen, was jetzt schon oderin Zukunft ihr entwachsen seyn würde, dem Verein die äußereGestaltung und diejenigen Formen gegeben, die bei dergleichenUnternehmungen in Frankreich gebräuchlich sind. Ich traf densel-ben, ganz belebt von seinem Vorhaben, mitten unter Charten vonChina, Planen der Hauptstadt Peking und verschiedenen Merkwür-digkeiten des Landes, welche der Pater Grosse, der daö unge-heure Reich von der großen Mauer bis nach Cantvn zweimal
') Aus dessen neuester Schrift: Geburt und Wiedergeburt,deren zweiten Band die Hurt er'sehe Buchhandlung in Schuss-h.iusen eben ausgegeben Hai. II, 348 ff.
durchreiste, nach Frankreich gebracht hatte. Mit dem Ausdruckeder vollsten inneren Gewißheit über dem Bewußtseyn, einer segcn-reichcn Sache den ersten Impuls gegeben zu haben und vonGottes Gnade Segen und Gedeihen für dieselbe erwarten zudürfen, sagte er mir: »O, ich erfreue mich für mein Vorhabeneines kräftigen FürbittcrS vor dem Throne der Allmacht in demdieser Tage verstorbenen Bischof von Straßburg ." Dieser, HerrTharin, einst Erzieher des Herzogs von Bordeaux, hatte blo-szeinige Tage vorher unter der sorgfältigsten Pflege seines Freundesund vormaligen Nachbars, des Herrn Bischofs von Nancy, indessen Hütel seine irdische Laufbahn beschlossen. Die Sache, welcheder Bischof in seiner angeborenen Lebhaftigkeit mir darlegte, nahmmich wirklich in Anspruch, sein lebendiger Eifer für dieselbe rißmich hin; ich erbot mich zn dem Versuch, in Deutschland und inder Schweiz dafür zu wirken, was freudig angenommen wurde.Ich habe auch mein Versprechen treulich gehalten und wenn nichtmit großem, doch mit einigem Erfolg.
Während Großbritannien Kriegsflotten und Landhecre aus-rüstete, um China, welches gegen den ungehinderten Absatz desin kalter Gewinnsucht ihm aufgedrungenen, entmarkenden und zer-störenden Giftes des Opiums sich sträubte, zum Verbrauch desselbenmit Waffengewalt zu zwingen; während Frankreichs oberste LandcS-Jntclligcnzen in den Bewohnern der Marquesasinselu einen Stofffanden, dem man Bedürfnisse schaffen und aufvringen könne, umFrankreichs Erzeugnisse einen neuen Markt zu schaffen; währenddas fromme England den ungerechten Krieg flcg-n China als be-queme Gelegenheit betrachtete unter allmciliger Zerstörung des Herz-blutes seiner Bevölkerung sie durch seine Speculantcn ausbeuten zulassen, dagegen zu ctwelchcm Ersatz für bereiteten physischen undökonomischen Ruin einige Bibeln und etwelche metaphysische Ideenbei dem Volk an den Mann zu bringen; während das industrielleFrankreich in jenen Inseln nur einen neuen Ernteplah für seineFabrik-Nabobs begrüßte, reift in einem katholischen Bischof derzarte, rein christliche Gedanke, in eben jenem Reiche, welches unterKanonendonner und Säbclklirren zum Besten einer Kaufmannsgildemit entnervendem Gift überschwemmt werden soll, Kinder, die nurden Weg von der Geburt zu dem schrecklichsten Tode finden, die-sem zu entreißen, sie durch christliche Erziehung zu Werkzeugen desgeistlichen und leiblichen Wohls ihrer Landsleute, zu einstigen