>etwas Bestimmtes zählen zu dürfen; sie soll gering und für Allegleich seyn, dem Armen zum Trost, dem Reichern zur Ehre. Obauch weit aussehend in jeder Beziehung das Unternehmen, alleHoffnung setze er auf den Beistand göttlicher Gnade.
Das Reglement enthält nur die nothwendigsten Bestimmungen.Jedes getaufte Kind kann als Mitglied des Vereins eingeschriebenwerden und bis zum cinundzwanzigsten Jahr es bleiben. Nebenden regelmäßigen Beiträgen werden auch Subscriptionen und Ge-schenke angenommen. Kurze tägliche Gebite der Kinder, wo eineAbtheilung des Vereins sich findet, jährlich eine Messe, sind damitverbunden. Für Verwaltung, Leitung und Verwendung sind einCcntralrath und Diöcesanräthe aufgestellt.
Jener wurde alsbald ernannt und bestand damals auö demHochwürdigstcn Herrn Bischof von Nancy, als Präsidenten (nachfranzösischer Sitte wurde in der Person des Herrn Erzbischofs vonParis ein Ehrenpräsident aufgestellt), den Vorstehein der Missions-häuser in Paris , einigen Gencralvicaricii, neun Pfarrern der Haupt-stadt und sieben Laien meist aus dem hohen Adel, so wie man dennan der Spitze aller, aus christlicher Liebe hervorgegangenen und fürderen Zwecke wirkenden Verbindungen Namen desselben begegnet.
Sobald das Unternehmen bekannt geworden war, erklärtenzwei Cardinäle, der Nuntius zu Paris , acht Erzbischöfe und fünf-undzwanzig Bischöfe, für dessen Förderung wirken zu wollen;andere versprachen das Werk zu empfehlen; Theilnahme ward ihmsofort in Belgien, Irland und England , und alle geistlichen Com-munitäten Frankreichs machten sich zum Mitwirken anheischig.
Während dieses Vorhaben bei dem Herrn Bischos von Nancygereift war, traf der früher erwähnte Pater Grosse anS Chinaein. Er versicherte, Anstalten zur Bekehrung vo» China könntenjetzt mit der größten Leichtigkeit errichtet werden. Unverzüglich,meinte er, sollte man Schulen eröffnen. Man könnte Kinder fürzehcn, zwölf Sous kaufen, solche selbst uncntgeldlich erhalten. Inden an die Engländer abgetretenen Theilen sollten die AusgangS-pnnctc begründet werden, und daß jene in dieser Beziehung gün-stige Gesinnungen hegten, dafür lägen Beweise am Tage.
Das Fest der Himmelfahrt Christi ,
auf der Spitze des Oelberges, im Mai 1844.( ^on Pater Aleronder, FranciScancr.)
Schon ist bereits ein Jahr verflossen, seitdem ich das un«ncnnbare Glück genoß, auf der mittlern Spitze des Oelberges, woder göttliche Heiland im Angesichts seiner Getreuen auf einer Wolkesich zum Himmel erhob, an der Erinnerungsfcier dieses glorreichenTriumphftstcS Theil zu nehmen; allein die Eindrücke, die das Festmit allen seinen rührenden Umständen in meiner Seele zurückließ,schweben noch gegenwärtig in so lebendigem Farbenspiel vor mciiunAugen, daß wohl kein Umstand meines Lebens vermögen wird,diese theuren Erinnerungen je ans meinem Gemüthe zu verdrängen.
Von der Feier dieses erhabenen Festes zurückgekehrt, hatte ichmich allein unter ein arabisches Gczelt zurückgezogen, und die Fest-lichkeit mit allen den vorgekommenen bedeutungsvollen Kirchenccremo-nien überdacht. Da fühlte ich mich — ich weiß nicht, soll ichsagen von Dankbarkeit oder Neue, von Vertrauen oder Schmerz,von Freude oder Betrübniß, oder von allen diesen Gefühlen zu-gleich durchdrungen. Aber wie hätte es wohl auch anders seynkönnen? Auf dem Platze sich befinden, wo der Sohn Gottes,unser Erlöser, einst mit seinen Aposteln und Jüngern stand undihnen mit dem Versprechen des heiligen Geistes den Lefchl ertheilte,in der ganzen Welt seinen Namen zu verkundigen: wo Er, seineheiligen Hände erhebend, die glückliche Schciar segnete, und end-
lich, umgeben von Engeln und Heiligen, nr feierlichem Triumph-zuge auf einer Wolke hinanzog zum Himmel, um „mit ausge-breiteten Armen", wie einst Moses, sein Vorbild, dem himmlischenVater die untenstehenden Getreuen und Jünger zu zeigen; aufdem Platze sich befinden, wo die Apostel rmd Jünger einst stan-den , und mit unverrücktem Blicke gen Himmel schauend vor seligerWonne, vor heißestem Verlangen nach dem Wohnort ihres gött-lichen Meisters vergaßen, daß sie noch unten stehen auf der Erde,bis die Engel auf Wolken hcrabschwcbtcn, um sie aus ihrer Ent-zückung zu rufen mit den Worten: „Was steht ihr da und schauetgen Himmel?" — als hätten sie ihnen sagen wollen, daß esnicht genug sey, sich nach dem Himmel zu sehnen, daß man den-selben auch verdienen müsse, daß Kampf und Leiden, Kreuz undDornen, Liebe nnd abermals thätige Nächstenliebe die Stufenseyen, auf denen man zum Himmel emporsteige, daß der Himmeldas Vaterland der unschuldig Verfolgten, der Verachteten, derungerecht Gemißhandelten sey: — auf einem solchen Platze sichwissen, und mitwirken mit der Erinnerungsfcier dieses so lehrrei-chen, herzergreifenden Festes — o! wessen Seele würde da wohlnicht von den nämlichen Gefühlen und Gedanken durchdrungenworden seyn, die mein Inneres beschäftigten! Danken, beten, froh-locken und trauern, bereuen und bitten, verzeihen und vornehmen,bedauern und hoffen. Dieß und AchnlichcS war es, was in mei-nem tiefbewegten Herzen von einem Augenblick zum andern wechselte.
Die Feier dcö Festes aber ging auf folgende Weise vor sich:Nachdem schon am Vorabend dcö FrstcS zwei Kamccle mit dennothwendigen Gcräthschaftcn beladcn auf die Anhöhe des Oelbcr-gcS geführt worden waren, wo dann auf der Ebene dieser Berg-spitze nach arabischer Sitte Gezclte unter freiem Himmel aufge-schlagen wnrdcn, wandelte auch die religiöse Familie — dcrCustosdes heiligen Landes in ihrer Mitte — den Weg hinan, den vormehr als achtzchnhundcrt Jahren der göttliche Lehrmeister im Kreiseseiner Trauten gewandelt hatte. Nur vier Religiösen waren zurück-geblieben, nm die nie zu unterbrechende Wache am heiligen Grabezu halten. Alle übrigen sah man um Ein Uhr nach Mittag ingeregeltem Zuge durch das östliche Stadtthor hinausziehen, dannhinab gegen das schweigsame Thal Josaphat und über die Zedronö-brllcke, links an dem Grabe Maria und an der heiligen Blut-schweißgrotte, rechts an Gctjcmani und dem Oelgartcn vorüber;endlich über den st ilcn Berg zwischen freundlich lachenden Blüm-chen, mit denen der sonst wenig bebaute Berg um diese Zeitrecht eigentlich besäet ist, hinaufsteigen, bis sie nach einer mühsa-men halben Stunde die mittlere Spitze des Oelberges erreichten.Indessen kamen die Religiösen und Missionäre aus Bethlehem vond^r südlichen Seite heraus und vereinten sich mit den Brüdern ausder heiligen Stadt. Vor und nach, neben und um diesen Zugzeigten sich Gruppen von Männern in buntgefärbten Kleidern, unddie Waffen um ihre Lenden; dann unter Kindern verschiedenenAlters gemischt arabische Frauen, die in ihre langen weißenSchleier vom Scheitel bis unter den Knöcheln g> hüllt langsamenSchrittes hinanzogen, und wirklich den Anschein boten, als warenviele der Hingeschiedenen aus den unten im Thalc liegenden Gräbernhervorgcstiegen, um sich mit Lebenden an der Feier dieses glorrei-chen Geheimnisses zu erfreuen. Auch Mönche verschiedener (nichtkatholischer) Religion bemerkte ich unter der hinanklimmendcn Menge— ein Anblick, der mich mit Mitleid und Betrübniß erfüllte überihre Verirrung, und zugleich den heißesten Wunsch in meinemInnern regte, daß doch der Herr der Verblendeten sich erbarmen,ihnen die Geistcsaugcn öffnen und sie zur Einheit des wahren,seligmachenden Glaubens führen möchte.