Ausgabe 
5 (8.6.1845) 23
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen
  

ihren Tempel hat. AndcrwäriS, auf den Trümmern jener altenStädte dcö Morgenlandes, in alter Zeit so berühmt durch ihregroßen Bischöfe und Kirchenvcrsammlnngen, gewahre» wir jetztdas Schisma in seiner tiefsten Erniedrigung. An den mcihomc-danischcn Völkern können wir sehen, wie unfruchtbar selbst derGlaubenssatz von der Einheit Gottes wird, wenn er durch denBetrug verdorben und durch ein gesellschaftliches Leben entehrt ist,das auf Gewaltthaten, auf der Sklaverei und Vielweiberei bcrnht.In noch weiterer Ferne von uns ist das Heidcnthum noch Herrund Meister in den schönen Landen von Indien «nd China; cSherrscht dort mit jenem Glänze, der cS einst bei den berühmtenVölkern des Alterthums umgab; es hat seine Schule», ciuc Lite-ratur und Künste, die ihm dienen, Gesetze, die cS schützen. Alleinuntc,r dieser schönen Außenseite verräth sich sein wahrer Geist durchdie Menschenopfer und das Hinmordcn neugeborener Kinder. GehenWir noch einen Schritt weiter und durchwandern wir die Insel-gruppen der Südsee, so finden wir dort bei jenen blutigen Festen,wo der Sieger den Besiegten verzehrt, die menschliche Natur inihrer tiefsten Herabwürdigung. Denn je mehr der Geist sich ver-irrt, desto größer wird auch die Uusittlichkeit und Zuchtlosigkeitim Leben, und Gott läßt nicht zu, daß das Böse unter demScheue der Lehre allein vciborgen bleibe, sondern er treibt cSauch hinaus iu'S Lcbcu und zwingt cs auf diese Weise, sich beur-theilen zu lasse» nach seinen Werken.

Von der cmdcren Seite bietet uns die Wahrheit einenganz verschiedenen Anblick dar. Jede Mission ist ein Kamps, dessenZeugen wir sind und das Christenthum findet dort dieselben Feindewieder, die schon früher cS befehdeten, cS hat alle Arten vonKämpfen zu bestehen. Alle theologischen Streitfragen, welche dieVertheidiger der Kirche schon früher durchgcfochten haben, müssendort von Neuem erörtert werden, um die ewigen Veränderungendes Protestantismus zu widerlegen, die griechischen Spitzfindigkeitenzu entwirren und die Wolken jener dunkeln philosophischen Weis-heit zu zerstreue», iu welche das orientalische Götzcntinim sich hüllt.Handelt cS sich aber um barbarische Völker, wo das Evangeliumkeine falschen Lehren zu überwinden hat, welche Anstrengungensinv nicht da erst nothwendig» nm einzudringen in jene Geister,!die unterdrückt sind durch die Sinnlichkeit, und die unsterbliche.Seele von dem Fleische und Blute zu erlösen, die sie zu ersticken ^drohen? Eben so gibt kein Bnßwcrk, keinen Kampf gegen -die Natur, den früher jene Einsiedler und Mönche bestanden,welche halb Europa bekehrt haben, der nicht auch in dem Helden-^müthigcn Leben unserer Missionäre sich erneuerte, wenn sie in ihrerfreiwilligen Verbannung aus stürmischem Meere, in den Wäldern,rintcr einem tödtlichcn Himmelsstriche und unter klcinmüthigcnChristen umherirre», denen ihre Anwrscnheit mitten unter lauern-den Ungläubigen Schrecken einflößt. Wahrlich, sie würden oftden Einsiedler um sein spä lichcs Mahl, um die Sicherheit seinerZelle und die Freiheit seines GcsangeS beneiden, wenn sie über-haupt des Neides fähig waren! Da aber die entscheidendste Prü-fung von allen die durch Verfolgung ist, so fehlt auch diese nichtin unserer Zeit und in Tong-King sind die Gefängnisse gefüllt,in China sterben die Bckcnner in den Einöden vor Hunger, inden Städten von Corca sind die Blutgerüste aufgeschlagen, damitdas Blutzcngniß für den Glauben nie aufhöre. So wiederholt^sich also in der Kirche der Kamps in allen seinen Formen, dcr^Kampf durch das Wort, der Kampf durch die Abtövtung, derKampf durch das Martcrthum, und was sie zu allen Zeiten ihrerGeschichte war, das ist sie auch jetzt noch. Sie beweist dadnrchaus unwidcrsprcchliche Art ihre Unsterblichkeit, indem sie stets leidet

nnd stets stirbt, ohne je zu erlöschen; sie beweist dadurch ihreFruchtbarkeit, denn all der Schweiß und das Blut werden nichtumsonst vergossen, und trotz alles Widerstandes dehnt daö Christen-thum seine Eroberungen aus und befestiget sie. In jenen großenReichen Asiens , wo die Mandarine das Bild dcö Gekreuzigtenmit Füßen treten lassen, schaciren sich jeden Tag mehr Neophytenzum Gebete um dieses theuere heilige Bild. Auf den FelsenOcccmicnS, die früher nur durch Schiffbrüche berüchtigt waren,blühen jetzt mit der modernen Civilisation die Tugenden der erstenZeiten auf. Denn, wie Fcnelon so scbön sagt,die Quelleder göttlichen Segnungen versiegt nie und durch die Erfüllungseiner Verheißung zeigt Jesus Christus , daß in seiner unsterblichenHand die Herzen aller Völker und aller Zeiten liegen." ') Sehet,so macht uns Gott die Kraft der Wahrheit fühlbar, denn er weiß,daß aufrichtige Herzen einer solchen Belehrung nicht widerstehen,schlaget jenes berühmte Sendschreiben der Gläubigen von Lyonüber den Martertod des heil. Pothinus und seiner Gefährtenauf und leset! Auch dort gab cs furchtsame Christen in der Stadt.Als sic aber sahen, wie ihre Brüder vor den Richter geführtwurden, als sie ihre Bekenntnisse und Antworten hörten, da wurde,wie sie erzählen, ihr Glaube wieder stark und sie rechnetensich zur Ehre an, öffentlich als Christen aufzutreten und laut denErlöser zu bekennen. Dieselben Erscheinungen wiederholen sich vorunsern Augen. Die Gerichte sind nicht geschlossen, die Beiletricscn noch von Blut, wir haben die Verhöre unserer Brüdervernommen, wir haben ihre Folterqualen und ihr glorreiches Endegesehen. Sollte da nicht auch in unsern Herzen der Glaubelebendiger und feuriger geworden seyn? Sollten da nicht auch wir,stolz auf diese Triumphe unserer Brüder, nuSruscn: Wir sindKatholiken!

Wenn wir so an diesen Kämpfen der Kirche für die EhreGottes, an dem glorreichen Hinscheiden unserer Märtyrer, an denunerschrockenen Bekenntnissen der Neubckehrtcn, an so vielen Op-fcrn und Tugenden Antheil nehmen: so müssen wir wohl überkurz oder lang unserer selbst uns schämen und den Entschlußfassen Gott mehr zu lieben, wir müssen uns inniger anschließenan jene ewige Güte, die ohne Unterlaß die Menschen an sich zieht,und ohne Unterlaß von dem Hasse und der Verachtung zurück-gestoßen wird. Und am Ende wird jene heilige Leidenschaft unsdnrchvringcn, die Bourdaloue so kräftig schildert, wenn ernachweist,daß die Sache GotteS so in unsere Hand gelegt ist,daß wir sie führen müssen; daß daher, so ost dieselbe Schadenoder Nachtheil erleidet, Gott das Recht hat sich an uns zu hal-ten, weil der Schaden, den sie erleidet, nur die Wirkung undeine Folge unserer schlechten Führung ist. . . . Wenn ihr fürcnch selbst arbeitet, sagt er, so werdet ihr, weil ihr selbst kleinseyd, bei aller Anstrengung uur Kleines und Beschränktes fertigbringen. Alles wird dem Nichts gleichen, daö von eurer Personund eurem Stande unzertrennlich ist. Wenn ihr aber für JesuSChristus arbeitet, so ist Alles, was ihr thuet, in gewisser Be-ziehung göttlich." ^ in der That keine leere Formel dieAnrufung:Heiliger Franciscus Zcaverius, bitte für uuS,"ein Gebet, das uns das Andenken dieses Mannes, dem die gött-liche Liebe nie Ruhe ließ, in das Gedächtniß zurückruft. DieserKreuzer, den wir alle Woche geben, ist eine Mitwirkung an derErlösung der Welt durch das Blut Jesu Christi ; dieß ist dasWerk, dem wir uns anschließen. Nach dem Beispiele unseres

t) Fenelon : Predigt auf das Fest der heiligen drei Könige.2) Bourdaloue: Predigt über den Eifer.