göttlichen Erlösers fangen wir zuerst an die Menschen zu lieben,ohne auf jene engeren Bande dcS gemeinschaftlichen Stammes,Vaterlandes und der Religion Rücksicht zu nehmen, wir lieben ebenso viele Menschen, als der Erlöser am Kreuze geliebt hat. Injenen verkehrten, von den Reisenden verfluchten Völkern, in jenenmenschenfresscndcn Stämmen, deren schreckliche Festmahle unö schonoft beschrieben worden sind, sehen wir nur noch unsterbliche See-len, die unseres Mitleides und unserer Hingebung im höchstenGrade bedürftig sind. Wenn wir aber so dem fernen Elende bei-svrir-gen lernen, — wie könnten wir da wohl gefühllos bleibenbet dem Elende, welches wir sehen und mit Händen greisen, dasan unserer Thürschwclle, auf den Straßen, in den Gefängnissenund Hospitälern auf unö harret? So leitet der Verein zur Ver-breitung des Glaubens den Lauf der Liebe zwar nach fernen Lan-den hin, aber er entzieht darum unseren städtischen Armen nichts.Können wir dem Einsammler, der die wöchentliche Gabe abholt,dieselbe nicht versagen, so werden wir auch armen Kindern, dieum Brod bei uns betteln, die Thüre nicht weisen. Und wennarme Alvcnbcwohner, wenn die Fischer in dem Meerbusen vonGenua und die irländischen Soldaten, welche in Indien dienen,sich zum Besten der Missionen ihre Nahrung am Munde absparen,so dürfen wir wohl von einer solchen Gesinnung Alles erwarten.
Welche Gefühle müssen sich aber erst in uns regen, wennWir auf eine» höheren Standpnnct uns stellen und, irdischen Ge-danken mehr entrückt, es bedenken, wohin unsere Gaben gehen.Sie nehmen denselben Weg wie unsere Gebete und gehen in jenenSchatz Gottes, wo der Pfenning der Wittwe gezählt wird, woein GlaS Wasser nicht verloren ist, wo Niemand gibt, ohne vielmehr dafür zu empfangen. Unsere schwachen Verdienste werdenauf diese Weise Eins mit den Verdiensten der Apostel, der Mär-tyrer und so vieler leidenden und verfolgten Katholiken. Zwischenihnen und uns ist Alles gemeinschasllich, wir haben eine Blumein ihren Kronen und eine jede ihrer Thränen, welche die Engelaufsammeln, bittet im Himmel für unsere Sünden und zieht GottesBarmherzigkeit auf unsere Häupter und unsere Familien herab.In keinem ihrer Gebete werden wir vergessen, denn sie lernen füruns beten, wenn sie sehen, daß alle Jahre am Tage Allerseelenihre Priester für die verstorbenen Mitglieder der Gesellschaft zurVerbreitung dcS Glaubens an den Altar gehen. In demselbenGeiste haben die Väter der amerikanischen Kirchenversammlung zuBaltimore den Vischösen von China und Corca die Hand geboten,um uns zu segnen, ^) unv nichts kann einem so heiligen Ver-bände widerstehen. Wenn im scchözchntcn Jahrhundert die Hälftevon Europa den Versuchen unv Gewaltthaten der Reformationkräftigen Widerstand leistete, so wurde sie darin vielleicht mehr,als man glanbt, durch jene zahlreichen italienischen, französischen,deutsche», portugiesischen nnd spanischen Missionäre unterstützt,welebe den Glauben in die alte und in die neue Welt trugen.Vielleicht wnrde das Heil von mehr als einem Bolle durch dasfreiwillige Opfer jener Tausende von Christen, die in Japan star-ben oder durch das unschuldige Gebet jener armen Wilden inCanada entschieden, die eben erst die heilige Taufe empfingen.Und wenn wir jetzt sehen, das; so viele neue Kirchen sich grün-den, daß überall in Asien, Afrika und Amerika , auf allen InselnOceanicnö die Gemeinden sich mehren, — scheint es da nicht,als wolle die Vorsehnng, die rings um uns her so viele Herde
1) Vrrgl, da« Sendschreiben der Väter des zweiten Concils von Bal-timore un^ die Briefe des.apostolischen Viears von Siam und desBischofs von Capsa.
der Liebe entzündet, endlich auch jene alten Kirchen wieder leben-dig machen, in denen seither die Erstarrung noch das Ucbcrgc-wicht behauptet?
Und wir, die Mitglieder des Vereines znr Vcrbrcitnng dcSGlaubens, wir sind dazu bestimmt, diesen Plan auszuführen.Wenn in den Werften eines Hafens die Gehilfen unter den Bal-ken sich beugen, die sie zurichten, so begreifen wohl nur Wenigederselben die Wichtigkeit ihrer Arbeit. Nnd doch bilden diese Bal-ken alle zusammen ein Schiff, das die vaterländische Flagge mitallen ihren Erinnerungen aus allen Meeren glorreich entfalten wird.So sind auch wir die Gchilf.n und unsere Almosen sind die^schwachen Mittel, deren Gott in seiner Gnade sich bedient, um^ das Schiff des ApostolatcS zu bauen und flott zu machen. Dieses! Schiff aber trägt die Fahne dcS KrcnzcS, und mit ihr die ge-stimmte Bildung, die gcsammtc Civilisation der Welt!
Cormenin's Gespräch mit dem Ungenannten.
(Aus seiner neuesten Flugschrift.)
Eines Tages hielt Seine Hvchwnrdcn, ein Bruder Prediger,den ihr wohl kennet^), eine Rede; er gewahrte mich von derHöhe seines Lchrftuylcö herab, an dessen-Füßen ich mich demüthigniedergelassen hatte, um ihm zuzuhören.
Er hob an, mich anszufragcn. Er: Ist cS schon lange her,Timon, daß Ihr die lächerliche Rolle eines Sacristei-Vcrthcidigcrsübernommen habt? — Ich: Mein Vater, es möchten seiidcm 23Jahre verflossen seyn. — Der Pater meinte, das wäre doch mireine kurze Zeit, worauf ihm Cormcnin antwortet: Es wäre genugin der jetzigen Welt, 28 Jahre lang dieselbe Meinung z» ver-theidigen uud er hoffe auch noch im 30. Jahre für die nämlicheSache zu streiten. — Er: Nun ich gebe zn, daß Eure Stand-haftigkeit wirklich etwas Seltenes s,v; doch darnm handcll es sichjetzt nicht. Seyd Ihr Gallicancr? — Ich: Pah! Pah! —Er: Seyd Ihr vielleicht ein Ultramontanc? — Ich: Pah! Pah!— Er: Was sagt Ihr da? — Ich: Ich sage, mein Vater,daß ich weder das eine noch das andere bin. — Er: Timon,Timon, eins von beiden seyd Ihr gewiß. — Ich: Ich sage Euch,mein Vater, ich bin weder das eine noch das andere. — Er:Was seyd Ihr dann? — Ich: Ich bin bloß katholisch. — Er:Ihr wollt sagen, fanatisch, abergläubisch, götzendienerisch, jesuitisch,ultramontcinisch und blödsinnig; denn mit diesen Namen bezeichnenwir Andern die Katholiken. -— Ich: Ich wußte, mein Vater,daß Ihr die Katholiken mit jenen Beiwörtern beehrt. — Er:Wißt Ihr auch, daß ich in der Sorbonne wohne, ohne Doctvrderselben zu seyn? — Ich: Ja ich weiß cS, daß Ihr dort wohntund daß Ihr kein großer Doctvr seyd. — Er: Darnm gebe ichnicht viel und ich werde doch thun, als wäre ich es; ich werdeauch für Euch gut sorgen, wenn Ihr einer der Unsrigcn werdenwollt. — Ich: Was meint Ihr damit: einer der Eurigcn wer-den? — Er: Wenn Ihr zum Beispiel sagt, daß die Religionschon sehr alt sey. — Ich: Ja mein Vater, sie ist sehr alt, soalt wie Gott, weil sie Gott selbst ist. — Er: Wenn wir aberdoch, die Laterne t« der Hand, in der dunkeln Nacht, welcheruud um uns ist, mit einander eine neue Religion suchten! —Ich: Welche, mein Vater? — Er: Jene, welche Ihr wollt! —Ich: Ich wünsche mir keine bessere, und bedenkt wohl, die großeSchwierigkeit liegt eben darin, eine andere zu finden. - Er:Warum nehmt Ihr nicht wie ich, den Gott an, der im großen
') Cousin.