Ausgabe 
5 (15.6.1845) 24
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AS. Juni

Hirtenbrief

des Bischofs von Hildesheim gegen die jungdeut-schen Sectirer.

Dieser Hirtenbrief ist, wie schon in der Postzcitung erwähnt,am ersten Juni in alle» katholischen Kirchen Hildcshcims von denKanzeln herab verkündet worden. Es heißt in demselben:

In unseren Tagen ist das Reich Gottes Vielen fremd, jaManchem sogar zum Aergerniß geworden. Können wir diesesWohl in Abrede stellen, wenn wir sehen, wie so manche Land-lcute, die, um eine reiche Ernte zu thun, mit Anstrengung allerKräfte das Feld bebauen; so manche Handwerker, die eines irdi-schen Gewinnstes wegen die ganze Woche sich abmühen und selbstauch die Ruhetage des Herrn in Anspruch nehmen; so Mancheendlich, welche um geringer Aemter und Ehrcnstellcn willen lausenund rennen; wie alle Diese, wenn von dem Reiche Gottesund seiner Gmchtigkeit die Rede ist, so wenig Eifer unv Theil-nahme zeigen? Wenn wir wahrnehmen, daß schon Kinder, kaumder Schule oder dem Gymnasium entlassen, der gegebenen Ermah-nung uneingcdcnk, sich der Predigt und dem christlichen Unterrichteentziehen, die Heilsmittel der Religion vernachlässigen und ohneGott und Christum ihres Weges gehen? Wenn wir die Erfah-rung machen, daß viele Erwachsene, selbst Manche, schon hochbetagt, aus Trägheit oder böser Gewohnheit jahrelang der Ver-kündigung des göttlichen Wortes nicht beiwohnen, oder aus Stolzund Eigendünkel, nm nicht wie der gemeine Mann zu glauben,sich selbst eine NÄigion nach Gefallen zusammcnsctzcii und, obgleichsie die christliche Religion nie geprüft haben, dennoch über sie ciuabsprechendes Urtheil sich anmaßen? So ist denn die Kenntnißdes Reiches Gottes durch Nachlässigkeit und Hochmuth Vielen ab-handen gekommen; daher ihre Unwissenheit in der Religionund göttlichen Dingen. Das Auge des Glaubens, schwach bei!ihnen geworden, erblindet immer mehr, so daß es nicht mehrLicht von Finsterniß, nicht Wahrheit vom Irrthum zu unterschei-den vermag. Solche Menschen sind jeder Verführung, jedemWinde der Lehre preisgegeben. Allein so kann und darf esnicht bleiben. Erwachet daher, die ihr am Abgrunde schlum-mert, auf den Ruf des Heilandes:Thuet Buße, das ReichGottes ist nahe." Der Herr stehet abermals vor seiner Tenne

!mit der Wurfschaufel in der Hand, Spreu und taubes Korn wird!im Winde verfliegen, und nur gesunder Waizcn wird gesammeltwerden. Sehet doch auf die Zeichen, von denen der Herr beiMatth. t6, 3. spricht. Nie ist der Unglaube, der seither imFinstern schlich, offener und kühner aufgetreten, um die AltäredcS Herrn und mit ihnen alles Heilige zu stürzen, als in unserenTagen. Sein erster Angriff galt dem Reiche Gottes auf Erden,dem Felsen Pctri, der katholischen Kirche . Ihr wisset es ja,geliebte Diöccsanen, wie der Sturm, ein Vorbote schwerer Ge-witter, aus Südost dahcrbraus'tc, um wie durch KricgstrompctcnAlles wider den heiligen Stuhl aufzuruscn. Da aber katholischerSeits vicsem Rufe nur Wenige folgten, und die Gcsammtzahl derUcbrigcn sich um so inniger an den Mittclpunct der Einheit an-schloß, ergrimmten die Wortführer des Unglaubens und fandennun kein Mittel zu schlecht, die katholische Kirche in Haupt undGliedern zu schmähen. Eine Fluth von Erdichtungen, Lästerungenund SarkaSmen wurde über sie und ihre Diener auSgegosscu.Als auch dieses fruchtlos blieb, bedienten sie sich einer List, umschwache Katholiken zum Abfalle zu bringen. Wie Jcroboam einstzu Da» und Bcthel ein goldenes Stierkalb errichten ließ und zumVolke sprach:ziehe nicht mehr hinauf nach Jerusalem " (um dortanzubeten)siehe da sind deine Götter, die dich hinaus geführtaus dem Lande Egypten, 3 Kön, 12, 23.," so stellten sie derwahren Kirche das Phantom einer von ihnen selbst geschaffenenKirche entgegen und sprachen: Richtet eucrc Blicke nicht mehr nachRom, sehet da, ihr Katholiken, das ist die deutschkatholH'che Kirche,in der ihr Katholiken bleiben und nur vom Joche der römischenTyrannei und vom Aberglauben srci werden sollet. Da zeigte sichnun der Schaden Sions. Einzelne von Denen, welche das ReichGottes nicht aufrichtig gesucht, in ihrer Jugend vom christlichenReligionsunterricht wenig Vortheil gezogen und im spätern Alterjder Verkündigung des göttlichen Wortes nur selten beigewohnthatten und so in Unwissenheit und Glcichgiltigkcit gegen die Lehrender katholischen Kirche verfallen waren, wurden durch solche Vor-spiegelungen getäuscht und fielen einer Sccte anheim, während siewähnten in der wahren katholischen Kirche zu bleiben.

Kraft Unseres oberhirtlichcn Amtes obliegt Uns die Pflicht',die Uns anvertraute Heerde vor solchem Trugbilde zu warnen.Wir erklären daher feierlich vor Gott : Es gibt nur eine wahre