Ausgabe 
5 (22.6.1845) 25
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Nachdem ihr Haus nach der Regel geordnet war, begannensie sogleich ihre apostolischen Arbeiten, die der Herr überall mitreichlichem Segen begleitete. Die Oblaten der allerseligsten Jung-frau in Canada sind im Augenblick neunzehn Personen stark, un-ter welchen sich fünfzehn Missionare, welche die Gelübde abgelegt,und Vier Novizen befinden. Sie haben drei Häuser. Daserste, zu Longueil, wo der Generalvisitator residirt und das No-viciat sich befindet, ist besonders mit der Seelsorgc der Town-Ships beauftragt. Man bezeichnet mit diesem Namen die anden Gränzen von Canada und den Vereinigten Staaten zerstreutliegenden Niederlassungen, die, weil die Bevölkerung nicht zahl-reich genug ist, zu Pfarreien mit einem ständig dort resivircndcnPriester nicht erhoben werden können. Es ist klar, daß die reli-giösen Bedürfnisse dieses stiefmütterlich bevachtcn Theiles der Hecrdeeine besondere Pflege erfordern.

Eine andere Genossenschaft von Oblaten Maria, die Mon-signor Signay in die Diöcese Quebcck berufen, ist in den nord-östlichen Theil des Saguenay, an die Ufer des Stromes, welcherdiesen Namen trägt, verpflanzt worden. Außer den Missionenfür die katholischen Pfarreien beschäftigen sich die Bäter dieserStation damit, den Wilden das Evangelium zu predigen, vondenen immer noch einige Stämme an den Quellen des St. Mau-rice und Saguenay, so wie an den Ufern des Montmorencywohnen. Weiter gegen Norden, nach dem 52. Breitengrade zu,gibt es noch PapinachoiS-Jndianer, zwischen den Seen Amnitchta-gcm, Pcipimouagan und Pirretibi. Auf den rechten Ufern desSt. Lorenzo, nach dem östlichen Theile von Nieder-Canada hin,sind noch die Ucberreste der MisinakS oder Gaspcsier, die frühersehr zahlreich und wegen ihrer vorangeschrittencn Civilisation be-merkenswert!) waren. Die Trümmer dieser verschiedenen noch imHeidenthume lebenden Völker wurden seit mehreren Jahren vonden Mitgliedern der Kongregation von St.. Sulpice und anderencanadischen Priestern besucht, deren Eifer wirklich mit sehr schönenErfolgen gekrönt wurde, ja mehreren ward sogar, nachdem siedem Herrn viele Seelen gewonnen, der gewöhnliche Lohn derHingebung zu Theil, als Opfer ihrer Liebe unterlagen sie denBeschwerden eines so schwierigen Amtes. Gegenwärtig besorgendie Oblaten der allerseligsten Jungfrau alle diese Missionen undeinige der Väter müssen jedes Jahr alle die verschiedenen Postenbesuchen, wo die Indianer sich versammeln, theils um sie demChristenthum - zuzuführen, theils um jenen, welche schon Christensind, den Trost der Religion zu spenden. Nimmt später die An-zahl der Missionäre zu, so werden sie ihre Wanderungen bis nachLabrador und zu den EsquimoS ausdehnen, die zum Theile nochdem Götzendienste huldigen.

Das dritte HauS der Oblaten Maria ist zu Bytown , Diö-cese Kingston in Ober-Canada. Die Mitglieder dieser Genossen-schaft sind wie jene von Montreal dazu bestimmt ihre MissionS-thätigkeit den schon bestehenden Pfarreien zu widmen und der imInnern des Landes zerstreuten katholischen Bevölkerung das Evan-gelium zu predigen. Tausende von Holzhauern, die seither sechsMonate im Jahre in den Wäldern zerstreut waren, um dort dasSchiffsbauholz zu fällen, und in religiöser Beziehung sich in voll-kommener Verlassenheit befanden, können jetzt leicht an all' dengeistigen Tröstungen Theil nehmen, welche Liebe und Eifer zuvermehren wissen, sobald eS um das Heil der Seelen sich handelt.Den Vätern deö HauseS von Bytown sind außerdem noch dieAlgoncmins und Abbitibbes anvertraut, zwei Jndianerstümme imnordwestlichen Theile von Canada zwischen dem 50. und 52.Breitengrade. Früher zahlreich, sind diese Stämme jetzt sehr her-

abgekommen, denn nachdem die vielen Kriege, welche sie theilsunter sich, theils gegen die Weißen geführt, sie schon gegen Endedes vorigen Jahrhunderes sehr gelichtet, hat seitdem die stets an-wachsende europäische Emigration sie in die Wälder getrieben, wodie Mehrzahl derselben vor Hunger und Elend umgekommen ist.

Auch der hochwürdigste apostolische Vicar der Hudsonsbayverlangt Oblaten für seine ungeheuere Diöcese und sie werden dortihre Thätigkeit im Laufe dieses Sommers beginnen. In diesemLande, das fast so groß ist wie ganz Europa und sich vom 7t).bis zum 142. Grade westlicher Länge und vom 48. bis zum68. Grade nördlicher Breite, d. h. einerseits von den westlichenGränzen Labradors bis über die Felscngebirge nach dem stillenOcean hin, und andererseits von dem oberen See und den Grän-zen der Vereinigten Staaten bis zum Eismeere erstreckt, sinv nurfünf Priester, deren ganzes, von einer Bevölkerung von ungefährZWO Katholiken vielfach in Anspruch genommenes Leben kaumdazu ausreicht die verschiedenen Posten der englischen Compagniezu besuchen.

Allerdings haben diese Priester bei all' ihrem Eifer bis jetztnur hie und da den guten Samen ausgestreut in jenen ungeheuerenLänderstrecken, wo die meisten Jndianerstämme ihre Unabhängigkeitnoch bewahrt haben. Allein bald werden sie ihren festen Wohnsitzaufschlagen unter jenen fast noch unbekannten Völkern, die nachden Gegenden, welche sie bewohnen, verschiedene Namen führenund alle geneigt scheinen die Diener des Evangeliums mit offenenArmen aufzunehmen. (Katholik.)

Aus dem heiligen Lande.

Ausflug von Betlchem zur Wüste von Engaddi.Betrachtungen beim Anblick des todten Meeres.Das Dorf der Hirten.

Nach dem Tagebuche von I. G. Priester der Diöcese Münster.

Vetlehem, 24. April 1844.

77 Gleich nach dem Mittagessen ritten wir, unser dreiDeutsche, vom Kloster ab. Das Ziel unseres Ausflugs warDavids einstmalige Zufluchtsstätte, die Wüste von Engaddi. AlsBegleiter gingen mit unö zwei Betlehemitcn, auf deren Treue undRedlichkeit wir rechnen durften. Es war der Sohn des uns un-vergeßlich gewordenen Commandari, des ersten Bürgers der Stadt.Wir nannten ihn gewöhnlich den kleinen David; der rechte Nameaber des guten und wackeren Knaben war Antonio. Da er in derFranciscancr- oder katholischen Schule seinen Unterricht genossenhatte, so war es in der Ordnung, daß er wie überhaupt die katho-lischen Araber sehr gut italienisch sprechen konnte, obgleich es mit-unter recht naive Ausdrücke absetzte. Der andere Begleiter, dender Vater des Knaben zu noch größerer Sicherheit mitgehen ließ,war ein alter Araber, der aber keine Sylbe italienisch verstand,wohl aber, weil er sich zur griechischen Kirche hielt, einige WorteGriechisch redete. Dieser Alte der in seiner Tracht und seinemWeißen Barte wirklich etwas Ehnurchtgcbictcndcö an sich hatteer erinnerte uns an den heil. Joseph sollte, im Falle sich unsBeduinen nähern würden, das Wort für unS nehmen. So rittenwir also, mit einigem Proviant versehen, den uns die gutenMönche von Betlchem als Nachmittagbrod mitgaben, ab und kamenbald am Felde der Hirten vorbei zum flachanlaufcnden Gebirgehinauf.

Das F.ld der Hirten! wer könnte es passiren, ohne an dasAloria in exeeisis zu denken, was hier zum Erstenmale von