EngclSstimmcn erArmz! Nnwürdigcrweffe hatten auch wir diesenhehren Hymnus. »Ze ihn die Kirche je nach den verschiedenenFesten in der heil. Messe balv feierlich, bald minder feierlich er-tönen läßt, in der Nähe dieses Feldes angestimmt, und selig imGlücke, ihn an diesem Orte singen zu könncn, mehrmals wieder-holt, bis wir fast die Hälfte des Gebirges erreicht hatten. Sokahl und steinig die '-öcrge dahier auch seyn mögen, einige Kräu-ter unv — Schade, daß wir keine Botaniker waren — vielleichtmanche nützliche und heilsame bringen sie doch hervor. Es ist als habevon der Fruchtbarkeit des Bodens, der einstens, wie die heil.Schrift sagt, von Milch und Honig floß, noch eine letzte Spurübrig bleiben sollen; denn alle diese Pflanzchcn und Kräuter,so verschiedenartig sie auch seyn mögen, alle geben sie einen mehroder minder angenehmen, aromatischen Duft von sich, so daßman in den üppigsten Blumengarten versetzt zu seyn glaubenwürde — und ein Blinder würde eS sich nicht ausreden lassen,— wenn nicht die von aller Erde entblößten Felsen rund herumdem getäuschten Auge nur zu sehr eine öde Wüste darböten.In den Thälern links und rechts sieht man allerdings auch nochfruchtbares, von Beduinen angebautes Land. Auch mehrere Be-duinenlagcr sieht man hie und da in den Ebenen scstgestcckt. Wieschwarze Milben, die sich zu einem Häuflein zusammen gefundenhab>n, liegen sie da, die von Rauch schwarz und gelb gewordenenZelte. In der Nähe weidet gewöhnlich eine Hcerde langohrigerSchafe, und das Gebell dcö HurdcS vom Lager ciuö läßt merken,daß auch dort lebende Wesen sind. Was jedoch die armen Be-wohner dieser bcduinischen Lager betrifft, so soll man in Zeiten,wo der Boden die nöthige Nahrung nicht versagt, vor diesenBeduinen wenig zu fürchten haben. Sie stehen schon im größerenVerkehre mit der Stadt, und sind ungefähr das waS bei unsdie Bauern. — Zur Rechten jenseits des Thales schauten wirden himmelan sich erhebenden kegelförmigen Frankcnberg, zu dessenFüßen das Hirtcndvrflcin Thecua liegt, der Geburtsort des Pro-vhcicn Amos dcö Hirten von Thecua (vergleiche AmoS I.) Wasjenen Frankcnberg betrifft, so ist er eine zum Theil künstliche Er-höhung auf dem Rücken des Gebirges, von den Kreuzfahrern,die wie auch jetzt noch alle Europäer von den Orientalen Frankengenannt werde», als letzte Zufluchtsstätte benutzt, um sich vor dendas Land überschwemmenden Saracenen zu retten. Ucbcrbleibseleines Forts sollen noch vorhanden seyn.
Nachdem wir endlich nach etwa 2 und ^ stündigem Rittden Rücken des Berges erreicht hatten, bot sich uns ein überra-schender Anblick dar. Das todte Meer lag dem Anscheine nachkeine Stunde entfernt vor uns zu unseren Füßen. Doch mantäuscht sich sehr. Die erst nach und nach sich abflachenden, kreuzund aucr herumführenden Gebirge lassen wenigstens noch 3 Stun-den auf und ab steigen, ehe man das Ufer des Meeres erreichenkann. Doch dem seh, wie ihm wolle, es lag vor uns das Weltbekannte Meer, die schlimmberüchtigte Gegend von Sodom, wirsahen ans sie hinab, ohne des fast beständig darüber hängendenNebels wegen das Ende desselben mit den Augen erreichen zukönncn. Wir vergaßen Engaddi, stiegen ab von unseren Thieren,setzten uns nieder und öffneten die Schritt. Daß wir das Glückhaben sollten, bei einer anderen Ercursion das stille Ufer diesesSalzmccrcS zu erreichen, seine verbrannten schwarzen Steine zuschauen, von seinem Pcchharz ein Stück als Andenken mit in dieHcimath zu bringen, daß wir das jedem Sünder zu wünschendeGluck baden sollten, dahier mit der Natur die Folgen des Lasters
und der Sünde zu schauen und zu beweinen, wie Hütten wir daserwarten dürfen, da man uns ja diese Gegend als so gar ge-fährlich geschildert hatte. Das war also einstens jene Gegend umden Jordan, die da war wie das Paradies der Erde, und wieEgvvten; das die Gegend, die sich Loth erwählte, als der fried-liebende Abraham ihm die Wahl gelassen hatte, zur Linken oderzur Rechten zu ziehen. Lieber, so glaubten wir Abraham redenzu hören, laß keinen Zank seyn zwischen mir und dir, und zwi-schen meinen Hirten und deinen Hirten! denn wir sind Brüder.Siehe, das ganze Land ist vor dir, ich bitte scheide von mir;gehest du ,ur Linken, so bleibe ich zur Rechten, willst du aber dieGegend zur Rechten wählen, so ziehe ich zur Linken, l^l. Mos.13, 8.) Wir betrachteten Loth's Schicksal, der da bei allem zeit-lichen Glücke dieses nebst seiner Seele verloren hätte, wenn Gottnicht an Abraham gedacht, und um dessen willen ihn erlöset hättevon dem schrecklichen Gerichte, was über die Bewohner jenerStädte verhängt und vollzogen ward. (1. Mos. 19, 29.) Dort alsowar es, wohin eines Abends zwei Engel kamen als Loth eben am Thoreder Stadt saß. Dort in Sodom war es, wo die Männer derStadt vom Knaben bis zum Gr.is Loth's Haus, wo jene Jüng-linge nach alter Sitte gastfreundschaftliche Einkehr genommen hatten,bestürmten, und seine Gäste herausforderten, um mit ihnen, denUnschuldigen, jenes die Menschheit entehrende, Völker- und staatcn-zerrüttcndc, nicht mit Unrecht auch heutzutage noch sodomitisch ge-nannte Laster zu treiben. Schauderlich ist es, zu vernehmen: alleumgaben sie das Haus (s pusro usczuu sei senem,) und riefen:eciue illos live, ut cognosesmug eog. l^l.Mos. 19.) Wahrlichda mußte wohl das Maaß der Langmuth Gottes voll werden; anden Engeln des Herrn selber wollten sie sich vergreisen, an Fremd-lingen, an Gästen, denen doch die alte und ehrwürdige SitteAchtung und Schutz angedcihcn ließ! Doch wie alles eigene Ehr-gefühl, so war auch alles Rcchtsgefühl in Folge ihrer viehischenLüste längst erstickt. Kein Zureden Loth's half, das vor Leiden-schaft entbrannte Volk drang immer näher, die Thüren des Hauseswollte man erbrechen. Da streckten die Männer, die im AuftrageGottes hinübergckommencn Engel, ihre Hände hinaus und Alle,die draußen waren, wurden mit Blindheit geschlagen, vom Klein-sten bis zum Größten, so daß sie die Thüre nicht finden konnten,dann offenbarten sie den Zweck ihrer Reise. Alle die dein sind,so sprachen sie zu Loth, führe aus dieser Stadt; denn wir wollendiesen Ort vertilgen, weil sein Geschrei groß geworden ist vor demHerrn, der uns gesandt hat, ihn zu verderben. Also noch eineNacht blieben sie verschont, jene ungerechten, in den tiefsten Ab-grund von Unsittlichkeit versunkenen Menschen, sie die da verdienthatten, auf der Stelle in die tiefsten Tiefen der Erde zu versinken,sie blieben noch einige Stunden verschont. —(Schluß folgt.)
Frciburg, 4. Juni. Letzten Sonntag wurden in der Kirche!zu Unser Lieben Frau die von dem Jesuiten P. Morel eingeführten!Maricnandachten, welche den ganzen Maimonat dauerten, mit einer!auf den Sieg der Luzerner bezüglichen Predigt des Bischofs unter! ungeheurem Zudrang des andächtigen Volkes beschlossen. Eben> dieser von der Vorsehung geschenkte Sieg wurde auf bischöflichei Anordnung auch in den katholischen Kirchen der Kantone Waadt,iNcucnburg und Genf gefeiert.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Jnhab-r: F. C. Kr einer.