Ausgabe 
5 (29.6.1845) 26
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Postzeitttng.

Erlie Jahreshälfte.

SS. Juni 1845.

Aus dem heilige»» Lande.

Ausflug von Betlehem zur Wüste von Engaddi.Betrachtungen beim Anblick des todten Meeres.Das Dorf der Hirten.Nach dem Tugebuche von I. G. Priester der Diöcese Münster.

Betlehem , 24. April 1844.(Schluß.)

i-s Wie schwer und hart es jedoch selbst den Gerechten, aberdoch immer noch sinnlichen Menschen wird, diese Erde mit allenihren bösen und verführerischen Menschen zu verlassen, davon gibtLoth mit den Scinigcn ein schlagendes Beispiel. Mußten ihn dochdie Engel, da er zauderte, bei der Hand nehmen, und ihn fastgewaltsamer Weise hinausführen aus der unglücklichen Stadt.Und nun als eben die Sonne aufging über die Erde, alsLoth einging in Segor, als Sodom's Bewohner, von thierischenLüsten gesättigct, in viehischen Schlaf noch versunken daliegenmochten, da regnete der Herr über Sodom und GvmorrhaFeuer und Schwefel vom Himmel herab, und kehrte viese Städteum, und die ganze Umgegend, alle Bewohner der Städte undAlles, was da grünte auf Erden. Was aber dort geschah zuden Zeiten Loth'S, man, man trank, man kaufte und verkaufte,man pflanzte und baute bis zum Tage, wo Loth von Sodomauszog, und der Herr Feuer und Schwefel vom Himmel regneteund Alle vernichtete, das wird auch einstens geschehen, wenn derMcnschen-'sohn wieder kommen wird in Macht nnd Herrlichkeit,das wird um so gewisser geschehen, als er selber bei Lukas 27,28, ungefähr in der besagten Weise uns dieses Ende der Weltvorhcrgcsagt hat. Denn so heißt es ferner an jener Stelle: werauf dem Dache ist und Geschirre hat im Hause, der steige nichthinab, sie zu holen, eben so wer auf dem Felde ist, der kehrenicht zurück nach Hause u. s. w. Noch zwar ist das Maaß derLangmuth Gottes nicht voll. Noch gibt es der Gerechten in allenLänder» der Erde nicht wenige. Mehr noch denn 10, mehr denn109, denn 1000 von reinen und unschuldigen Seelen leben inKlöstern und Einöden, bei Tag und bei Nacht ihre Hände zumrächenden Gott erhebend, und Erbarmen erflehend, kraft des kost-baren Blutes, was ein Gottessohn für uns Alle vergoß, kraftder mächtigen Fürbitte, die eine Gottesmutter bei ihrem Sohne

! einzulegen vermag. Hundert und tausend Priester stehen noch! immer zwischen dem Vorhof und dem Altar, das Sllhnopfcr brin-gend für die Sünden der Welt. Dieß und dergleichen erwogenwir hier Angesicht's des todten Meeres, und wer, der mit unsdiese als ewige Warntascl für das Menschengeschlecht daliegendeWasserfläche gesehen hätte, würde nicht zu ähnlichen Gedankengekommen seyn!

Dort zur Nichten hinter jenem Berge, dachten wir dann,wird Hebron liegen, und hier zur Linken Jericho . Wie oft magAbraham diese Gegend durchwandert haben, er, dem gesagt ward:Mache dick auf, ziehe durch das Land nach seiner Länge undBreite; denn ich will es dir geben!" (I.Mos. 13, 17.) Untersolchen Gedanken gingen wir zu Fuße weiter bis wir zu einerHöhle kamen, die uns unser kleiner David als die bezeichnete,wohin die Pilger gewöhnlich gingen, wenn sie die Wüste vonEngaddi besuchten. Indessen befand sich nicht weit davon nocheine zweite ganz ähnliche Höhle, die eben so gut dafür ausgege-ben werten konnte; eine dritte noch entferntere, zu der wir aberwegen Mangel an Zeit nicht hinkommen konnten, soll ebenfallsDavids Höhle genannt werden. Eine oder die Andere mag wohldie richtige seyn. Die beiden Höhlen, die wir sahen, waren fastgleich groß, und man muß staunen, wie David von Sanl nichtbemerkt werden konnte, da sie innerhalb kaum 15z Schritte weitist. Allein wenn man bedenkt, unter wessen Schutz David stand,der da singen konnte: Doininu8 illumingtio mva 0t, 5ulusmva czuom timcko? si cvnsistgnt »«Ivvrsum nie oasln»,non timvl)i1 cor meum. (Ps. 26.); wenn man bedenkt, wessenAhnvatcr, wessen Borbild David war, der Vorfahrcr des Messias,des Sohnes Gottes, der sich nennen ließ den Sohn Davids ,den Sohn Abrahams , und unsichtbar ward, als man ihn in seinerVaterstadt Nazarcth vom Berge hinabstürzen wollte, dannkann man auch auf David und seine Begleiter anwenden, waswir bei Luc.-4, 30. lesen: ip5v gutem transiens per mu<iiuinillorum ilial; und liest man nicht AchnlichcS im Leben des hei-ligen Fclir von Nola, der durch einen unterirdischen Weg entfloh,worauf vor dem Loche ein dichtes Spinncngcwcbe sich bildete, sodaß die Feinde, die ihn aufsuchten, nicht mulhmaaßcn konnten, daßder verfolgte Greis durch diesen Eingang entflohen war? Wirsetzten uns an dem Eingänge der Höhle, nahmen daselbst unser