Ausgabe 
5 (29.6.1845) 26
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mitgenommenes Abendbrot» ein, und hatten die Ehre von einemBeduinen besucht zu werden. Wir sahen ihn den stark Bewaffnetenschon lange sich mühsam an der steilen Seite des Berges hinaufarbeiten, und unser alter Araber schien nicht ohne Besorgnis unsert-wegen zu seyn. Er hieß uns, sobalv er zu uns käme, ihm fried-lich zu begegnen, von unserem Spcisevorrath mitzutheilen, dieTabacksdose zu öffnen, u. s. w. Der Beduine kam naher, unserAraber ging ihm entgegen, grüßte ihn auf orientalische Weise,die Hand an Stirn, Mnnv und Herz legend, sprach einiae Wortemit ihm auf Arabisch, unv führte ihn dann zu uns. Der jungeBetlchcmit glaubte ihn zu kennen, er meinte, es sey der Bruderdes Hauptmanncs jener Bcvuinen, die bei Jericho wohnten. Ergrüßte uns mit dem gewöhnlichen Gruß: tiiid (d. i. gehts gut?)und wir reichten ihm sofort von unseren Speisen, Brod, Nase;auch ein GlaS Wein nahm er an, was uns als Beweis diente,daß jene freiheitsliebenden Horden wenig Skrupel haben, ihresPropheten Gebot zu übertreten, tun hitziges Getränke zu nehmen.Er blieb ruhig auf türkische Weise neben uns sitzen, wir nahmendie heilige Schrift und lasen ziemlich laut die Stelle des erstenBuches ccr Könige, Cap. 24., vor. Als ob er Alles verstünde,hörte uns der Beduine z>,!. Die Stelle lautet also:David aberzog von da hinauf und weilte in den sicheren Orten von Engaddi."Wenn man die Gegend betrachtet, so kann man unter diesen siche-ren Orten unmöglich etwas anderes verstehen, als eben die steilenFelsen, die nur Steinböckcn gangbar sind, unv die durch die Na-tur gleichsam Festungen bilden. l^Wie dieß auch Allioli ineiner Anmerkung zu dieser Stelle meint.) Im zweiten Verse istdie Rede von einer Wüste Engaddi; die Gegend, wo wir hierverweilten, glich freilich einer Wüste. VerS -1 ist die Rede vonSchafhirten, deren wir im Thal überall sahen, und einer Höhle,wohin Saul , wahrscheinlich um zu schlafen, hineintrat. Davidund seine Männer lagen versteckt im inneren Theile derselben.Wenn eine jener Höhlen, die man für die Höhle von Engaddianszibt, die wahre seyn soll, so können nur wenige Männer mitDavid darin versteckt gewesen seyn, denn wenigstens die beidenHöhlen, die wir hier sahen, sind so klein, daß 5t) Mann sieganz ausfüllen würden. Hier also war es, wo David sich hätterächen können an seinem Feinde, dem Verfolger, und statt dessenseine Ruhe nicht störte, sondern heimlich ein Slück von dessen

spricht die Braut im hohen Liede 1, 13., ist mir eine Cypros-traube von den Weinbergen Engaddi's.) Diese Weinberge habenwohl mehr an den Abhängen der Berge, oder zwischen den Bergen,in denen auch jetzt noch fruchtbare Thäler sind, gestanden. Wirbemerkten besonders ein Thal oder einen flachen Hügel, dessen Erdehalbröthlich war, ja hie und da soll auch noch wirklich Weinwachsen, und der süßliche Wein, den man in Betlchcm cvnsumirt,soll zum Theil aus dieser Gegend von Engaddi kommen. Indessenhaben wir selber hier nirgends Weinpflanzung g,sehen. Nimmtman an, daß der CvproS ein Baum war, dessen Blüthen Trau-benweise an besonderen Stielen hingen, und einen angenehmen Duftgaben, und statt Weines einen Balsam lieferten, von welchenBäumen, wenn ich nicht irre, PliniuS irgendwo erzählt, und hin-zufügt, daß Titns einen solchen aus Palestina nach Rom gebrachthabe, so kann ich versichern, daß solche Bäume in Engaddi in derganzen Gegend nicht mehr cristircn, wohl aber, wie schon gesagt.Kräuter, die einen aromatischen Geruch von sich geben, den selbstdie, welche ich von dort in die Hcimath mitgebracht habe, bisheute noch beibehalten.

Bei der Rückkehr nach Bctlehem schlugen wir einen näherenWeg ein, indem wir dort, wo man vom Gebirge am ersten indie Ebene hinabsteigen kann, hinnnterklettcrtcn, und unsere Thierenachkommen ließen. Der Beduine, der bis dahin nicht von unsererSeite gegangen war, schlug teu Weg zum todten Meere hin ein,und entließ unö freundlich. Ja er ließ uns zuützt noch durch denAraber sagen, wenn wir ein andereömal etwa nach Jericho oderdem todten Meere gehen wollten, so wolle er dem Scheck,seinem Bruder anzeigen, und es solle uns eine hinlängliche Be-deckung zugeschickt werden, worauf wir jedoch nicht eingehen konn-ten, Da die Forderungen, welche man einzelnen Personen macht,gar zu bedeutend sind. Während wir den Berg hinunter gingenhörte ich, da ich einige hg Schritte voraus seyn mochte, von untenher einen andern Beduinen schreien. Anfangs achtete ich wenigdarauf, je näher ich jedoch der Ebene kam, desto genauer bemerkteich, daß mich das Rufen anging; ich glaubte anfangs er se» ver-drießlich darüber, daß wir in seine Ebene herunter kämen, undetwa durch sein angebautes Land ziehen mußten, blieb daher stehen,bis die Anderen herbei kamen. Der Beduine war ein Schäfer unvhatte seine Hccrde weithin zurückgelassen, und schrie mir in Einem

Mantel schnitt; der Herr sey mir gnädig, sagte David, daß ich, fort zu, und zwar so laut und grell, daß ich wirklich nicht anders

glauben konnte, als daß ich irgend wie ein Recht verletzt hätte;ich bat daher den Araber, der uns begleitete, ihn zu fragen, was

meine Hand an ihn lege; denn er ist der Gesalbte des Herrn;daher verdiente er es denn auch, daß Saul , als er jene Großthataus Davids eigenem Mnnde vernahm, ausrief:Du bist gerechterdenn ich! denn du hast mir Gutes gethan, ich aber habe dirBvseS vergolten!" Und Saul zog dann in sein Haus zurück,David aber und seine Männer verweilten auf dem Gebirge. Wahr-scheinlich lagen seine übrigen Männer in anderen Höhlen, und ermit 2 oder Z in dieser; und die Sprache, w.lche die Männer mitDavid führten, wird mehr durch Zeichen und Winke als in lautenWorten bestanden haben. Auch gegenwärtig scheinen die Arabersich dieser Höhlen noch zuweilen zu bedienen, denn die Deckenwaren schwarz von Rauch, auch die Tritte von Schafen bemerkteman inwendig, und es scheinen wie zur Zeit David'S auch jetztnoch diese Höhlen zu Schafhürden benutzt zu werden. Eine ähn-liche Höhle, ähnlicher Bestimmung dienend, war auch jene heiligeGrotte zu Bcllchcm, worin unser Herr und Heiland JcsuS Christusgeboren werden wollte, nur war diese nicht so schwer zugänglich,

er wolle, denn er höne nicht auf zu schreie» und zu rufen, undmit Händen und Füßen zu demonstriren. Und was war es, waser wollte? ein bischen Taback für sich ; dann wünschte er noch eineHandvoll mehr für seinen alten Vater. Diesen seinen einfachenWunsch hatte er nun vielleicht 20mal wiederholt, und mit solcherLebhaftigkeit, daß man niemals auf den Gedanken kommen konnte,daß von einer so geringfügigen Sache die Rede war. Mein Be-gleiter, der Taback bei sich hatte, gab ihm sofort all seinen Vor-rath, und die Freude und der Dank, womit er seine Hand anHer; und Stirn legte, war rührend. Er eilte alsvbald zurück zurHcerdc und wie wird er sich erst am Abend gcsrcut haben, alser seinem alten Vater eine kleine Hand voll Taback überbringenkonnte. So sollen überhaupt die Beduinen seyn, sie sordcrn wiedie Kinder Alles was sie sehen, und gibt man ihnen etwas, sosind sie zufrieden. Abschlagen dürste man ihnen nichts, das würde

wie jene in der Wüste Engaddi. Wird Engaddi in der hl. Schrift! sie kränken und zur Rache aufreizen. Ein ähnlicher Fall kam mireincSthcilS Wüste genannt, so ist an einer anderen Stelle auch ^cin anderes Mal vor, als wir ebenfalls an einer Schafhccrde vor-von den Weinbergen Engaddi's die Rede. (Mein Geliebter, so! bei kamen; als wir um ein Bischen Trinkwasser baten, reichte man