Ausgabe 
5 (29.6.1845) 26
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uns sofort frische Milch von ihrer Heerde, und war zufrieden alsWir unsere Erkenntlichkeit mit ein paar türkischen Piastern (einPiaster mag ungefähr 2 Silbergroschen oder 6 Kreuzer nach un-serem Gelve seyn) zu erkennen gaben; als wir ihnen dann auchein Stück frischen Brodes gaben, waS wir für die Reise mitge-nommen, wußten sie uns nicht genug zu unterstützen, um unswieder auf unsere Pferde zu helfen. Nachdem wir in die Ebenehinabgekommen, hatten wiroch einen müßigen Berg zu über-steigen um wieder in das Hirtenftld zu gelangen. Und vor unslag Bctlehem oder vielmehr die Kreuzkirche der Geburt mit ihremeinfachen Kreuze auf dem Dache, einen Thurm hat sie nicht.Die ganze Gegend verräth die größte Einfachheit nnv hat in derThat etwas Idyllisches an sich; denkt man sich, daß dieß dieGegend war, wo einstens die Hirten zur Nachtzeit bei ihren Heer-dcn wachten, wo die Herrlichkeit Gottes sie umleuchlcte (Luc. 2,g lg.), wer möchte da nicht mit ihnen ausrufen: transeamusLetlelrem. Indeß zuvor machten wir noch einen kleinen Abstecherzum sogcnantcn Dorfe der Hirten, das eine Viertclstunve vonBetlehem entfernt ist, einer der interessantesten Puncte bei Bctlehem.Denn jenes unbeschreiblich ärmliche Leben dieser Hirten, diese Klei-dung der Männer und Frauen die, wie man behauptet, noch ganzähnlich ist mit der Kleidung zur Zeit Christi, dann der Gedanke,daß dieß kleine Dörfchen es war, dessen Bcwohr.cr vor allen an-deren Mensche» der ganzen Welt zuerst mit der frohen Botschaftder Geburt des freiwillig ärmsten aller Menschenkinder beglücktwurden; der Gedanke, daß die Bewohner dieses OertchenS vonjeher Christen gewesen seyen, und sich bis heute zum Christenthumbekennen, wie sollte das Alles nicht mit Wehmuth und Freudeerfüllen, wie nicht zu drn erhabensten Betrachtungen über GottesVorsehung und Leitung stimmen? Leider sind di.se armen undguten Hirten durch die Ränke der Griechen zur Zeit als sie sichin der äußersten Noth befanden, durch Gold verlockt, zur griechisch-schismalischen Kirche übergetreten. So lange Katholiken in Betle-hem waren, waren sie kaiholisch; und ich glaube nicht unrecht zuhaben, wenn ich b Haupte, sie seyen noch katholisch, wenn auchnicht in ihrem äußeren Bekenntnisse, so doch dem Geiste nach;auf sie kann man gewiß anwenden:sie wußten nicht, was siethaten," dv-rti pureres s>>ii-itu> Wir ritten mitten durch dasDorf, das nur aus einigen 20 Häusern bestehen mag, die jedocheher Ställen als menschlichen Wohnungen ähnlich sind. Da liegendenn die Mütter mit ihren Kindern vor der Thüre mit Hausarbeit,gewöhnlich der Handspindel beschäftigt. Die Hauöthüre ist dieeinzige Ocssnnng des Hauses, ist sie verschloss n, so liegen sie wiein einem Stalle, der das einzige Wohnzimmer des ganzen HanscSist. Sie schlafen auf der Erde auf einigem Stroh liegend, undihr Kleid ist das Bett. Bei aller dieser Armnth scheinen sie je>doch froh und vergnügt zu seyn, denn sie sind cS nicht andersgewohnt, und so lange sie Brod verdienen, kennen sie keine Klage.Ucberall mögen die Sitten der Völker durch die Zeitoerhältnissesich geändert haben, in diesem Dörfchen ist Alles geblieben, wie war zur Zeit, als JesuS der Welterlöscr dort geboren wurde,und die friedlichen armen Einwohner zu sich lud zu der Krippe,wo dann auch wir unverdienter Weise gegen Abend unsre Dan-kcSthränen fließen lassen konnten.

Deutschland.

Urtheil eines Protestanten über Ronge.

Unter dem Titeldie neue deutsch -katholische Bewegung, andem Maaßstabc der heiligen Schrift gemessen," ist in Bcannschwcig

im Verlage von G. C. E. Meyer sc>n. ein sehr interessantesSchriftchen erschienen. Der Verfasser ist ein Gläubiger, und nachdun, was wir schon früher über ihn geho t haben, ein mit sehrgediegenen Kenntnissen ausgestatteter Candtdat der protestanti-schen Theologie, Hermann Scholz aus Wvlfenbüttcl, derzeitInformator in Lievland. Da er so dem Schauplatze der Bewe-gung serne steht, so ist sein Urtheil um so unbefangener. SeineWahrheitsliebe und Aufrichtigkeit, die wir bei andern Protestanten,wenn sie über katholische Angelegenheiten schreiben, leider so oftvergeblich suchen, läßt auch nicht zu, daß cr nicht unumwundenseine Ueberzeugung aussprcche, auf die Gefahr hin, von seinenGlaubensgenossen, wie das auch nicht das Erstemal geschähe, füreinen gchcimcn Anhänger der katholischen Kirche gehalten zu wer-de». Man muß gestehen, daß er bei Beurtheilung der Sccteüberall das Richtige gefunden hat Seine größte Aufmerksamkeithat cr dem ersten Urheber derselben, dem Apostaten Ronge selbstzugewendet. wird eine Betrachtung angestellt überNonge'SWerth als Mensch, als Priester und als Christ." Die Bcur-thcilungSgründe werden aus verschiedenen Sendschreiben des Apostaten hergenommen und diese theils als durch sich selbst verwerf-lich, nichtssagend und unsinnig da-gclcgt, tbcils mit den Wortender heiligen Schrift zusammengestellt, um dadurch ihre Nichtswür-digkeit und ihr Abweichen von allen christlichen Gruudsätzxr offenbar zu »rächen. Dabci spricht sich der Verfasser unvcrholen fürmehrere Glaubenslehren und Grundsätze der katholischen Kirche aus,welche der Protestantismus nicht anerkennt ;. V. für die Verehrungder Reliquien, die Priesterweihe, die mündliche Ueberlieferung, diehierarchische Ordnung, den Exorcismus bei der heiligen Tanfe undfür die Ohrcnbeichte. Die Gebrechen des Protestantismus sindihm wohl bekannt und cr verschweigt sie nicht. So sagt cr z. B.Hat sie (die katholische Kirche) doch nie in dem Grade, als esleider i» der protestantischen Kirche geschehen ist, den Glaubenverläugnet; hat sie doch nie, so wie es bei uns geschehen ist undnoch geschieht, ihre Freiheit an die weltliche Macht verkauft, dasRecht, sich frei nach ihrem Princip zu gestalten, das Recht, sichihr Regiment und ihre Diener selbst zu setzen, Unwürdige vonihrem Verbände auszuschließen u. s. w. Hat sie sich doch nie zurStaatsanstalt herabwürvigen lassen! Darum scheint cS uns eineGottlosigkeit, die römisch-katholische Kirche so mit Koth zu bcwer»fcn, wie Ronge mit seinem Anhange es thut :c." Wirkönnen nicht unterlassen, noch Einiges ans !c» Schlußworte» mit-zutheilen:Die katholische Kirche (heißt cS da) hat gcwisscrmaaßcuUrsache sich zu freuen, das; diese verderbten Bestandtheile ihresKörpers, welche bisher mehr verborgen zum Schaden der gcsundcnGlieder wirkten, nun von selbst wie durch ein Geschwür herauseitern; und sollten, wie schon hie und da geschehen, auch Protcstauten dieser »cueu Gemeinde zufallen, so wäre in ihr vielleichtauch unserer Kirche ei» Ab;ugScanal eröffnet, durch den von un-serer Kirche sich selbst ausschiede, was einmal nicht zu ihr gehört.Nicht vor der Verödung, sondern vor dem Lerderbniß hatsich die Kirche Gottes zu fürchten. Die Zeit ist vor der Thüre,ahnet dem Christen, wo der innere Abfall so Vieler, die jetzt imäußeren Verbände der Kirche stehe», sich in offener Loc-sagnng vomChristcnthumc offenbaren wird. Die Christenheit wird dann wohlsehr zusammenschmelze», aber was übrig bleibt, wird größtc»thcilsreines Gvlv seyn. Und das wären denn die Vorboten der Wiedc»crschcinung Christi und deS jüngsten TagcS, wie er vorher gesagthat Luc. 18, 3.:Wenn des Menschen Sohn kommen wird,meinest du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden?"'-Bergt. 2 Timolh. 3, 1. Iudä 13... . Ihr, die ihr euch rühmet