und frohlocket, nunmehr von der römischen Kirche los zu seyn,sehet zu, ob ihr nicht vielmehr von Gott und von Christo losseyd, ^icht eine Kirche Christi, sondern Feinde seines Reiches.Wir wollen euch weissagen, was kommen wird! Ihr werdet baldso viel verschiedene Sccten als Gemeinden seyn, und eine wirddie andere im Unglauben und in der Verwirrung überbieten. Dieprächtigen und rührenden Redensarten, mit denen ihr eucrc Tod-tcngräbcr übertünchet, eure neuen Gottesdienste und Einrichtungenansbictct, sollen uns nicht täusche» noch blenden. Auch die fran-zösische Revolution begann mit solchen schonen Redensarten: öffent-liches Wohl, Mcnschciircchtc, Liebe, Begeisterung; und Vieleließen sich dadurch täuschen. Aber Wem das Ohr geschärft war,der hörte schon damals durch diese Flötentöne das Fallen derGuillotine, das Heulen der Sturmglocken und den schrecklichenNnf: ü Iiss Iv Itcii! -> I)as Oicu!... O Deutschland, du einstvor allen Ländern gcbcncdcictvs, nun aber schier vor allen mitUnscgcn bcladcncs Land, dessen wankender Grund auch bei dieserneuesten Erschütterung offenbar wird; daß du dich vou deinembösen Engel, deiner Nachbarin im Westen, die dir zur Versuchungan die Seite gestellt ist, immer mehr verführen lässest, ihr nack-uiabmcn! Wer könnte es treu mit dir meinen und sollte nichtwünsckcn, er könnte in die Speichen deiner Räder greifen und denrollenden Lauf zum Stehen bringen, der dich immer näher hinabnn den Abgrund führt? Wie lange wird ein großer Theil deinerKinder, in die Knechtschaft der TagcSblättcr gegeben, blindlingsfolgen dem Zuge seiner falsche» Propheten, die ihnen Freiheitverheißen, während sie selbst Knechte des Verderbens sind? (2Petr.2, 19.) O, daß du doch bedächtest, waS zu deinem Frieden dient,ehe dich das Strafgericht treffe, das deine Nachbarin schon ereilet!Bekehre dich zum Herrn, so wird er sich dein erbarmen, und zuunserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung (Jes. 55, 7.).Das walte Gott !" (Katholik.)
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Die im Interesse des NcuglaubcnS, rcsp. Unglaubens ver-öffentlichten ZcitnngMrtikel tragen, wie das Schlcsische Kir-chcnblatt sehr richtig bemerkt, fast sämmtlich ein so ganz gleich-artiges Gepräge, als wenn sie aus einer und derselbe» Münzstättehervorgegangen wäre». „Ucbcrall soll der Geist für Einführungdes ChnstcnlhnmS sich kund geben; überall ist der Tag, an wel-chem Herr Rouge in irgend einer Stadt erscheint, ein ewig denk-würdiger und wird in den Annalen derselben fortleben; überall isttie Stunde, wo der neue Goltcsdicnst gehalten wird, von hoherWichtigkeit; überall spricht der Redner klar und mild tief in dieHerzen Vcr andächtigen Gemeinde; überall ist die Predigt tief durch-dacht und macht sichtbaren Eindruck; überall werden von dem gro-ßen Ernst und heiligen Feuer, mit welchem die r ine Lehre desHerrn verkündet wird, die Gemüther mächtig ergriffen; jeglicheFeierlichkeit ist wahrhaft hcrzerhcbcnd und tief erschütternd; dieVorbereitungen zur heiligen Communion sind natürlich höchst er-baulich; kurz und gut, der Gottesdienst wird in wahrhast erhe-bender Weise abgehalten, und so oft mit hinreißender Bcrcdtsam-teit nnd herzergreifender Innigkeit eine Predigt gehalten wird,so hört ein Jeder mit unverkennbarer Aufmerksamkeit und Andachtzu. Ob solche Phraseologie, wie sie aus einigen wenigen ZcitungS- jblättern hier zusammengestellt ist, so ganz buchstäblich Wahrheit!enthält, bleibt unentschieden, wenn auch ein schlichter Landmann!aus Obcrschlcsicn nach Brcslau reiste, um hier das Urcbristenthum
zu erkennen, oder ein Stadtoberhaupt ein solennes Mittagbrod zuHause veranstaltete; daß sie aber aus Effect berechnet ist, bedarfkeines weiteren Beweises. Dieser Zweck ist allerdings hie und daerreicht worden, indem bereits mancher gutmüthige Schlesicr, dervon publicistischer Diplomatie keine Vorstellung hat, der VesorgnißRaum gab, daß sowohl der Katholicismus als Protestantismusseiner Endschaft nahe. Aber Gott sey Dank, die Sachen stehenbesser; die Gotteshäuser sind überall jetzt zahlreicher als je besucht,die Anhänglichkeit und Liebe zur Lehre unseres göttlichen Erlösersbeseelt Katholiken wie Protestanten gleich stark, und in Eintrachtwerden beide Confessivnen als im Staate gleichgestellte neben undmit einander fortbestehen."
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Dem Katholik wird geschrieben: Unlängst sollte auch daseine halbe Stunde von Mainz gelegene Dors Weisen an wie-derum mit der neuen Schneidcmühlcr Hnlslchrc beglückt werden,nachdem schon früher einige Emissäre bei Einzelnen es versuchthatten, sie zum Abfalle von der katholischen Kirche zu verführen.Schon zu drei verschiedenen Malen trieb sich nämlich ein anstän-dig gekleideter Fremder auf den Straßen Heruni, gesellte sich freund-lich zu den größeren Schulkindern, fragte sie allerlei und knüpftedaran seine Belehrungen vom neuen Messiasrciche und dem Um-sturz der katholischen Kirche . Unter anderem Unsinne sagte er:unser lieber Herr Gott würde wieder auf einem Esel gerittenkommen und einen feierlichen Einzug halten. Dann forderte ersie auf, „deutschkatholisch" zu werden, wollte ihre Namen inein Büchlein schreiben und bot Einigen Geld dafür an. DieKinder, namentlich ein dreizehnjähriger Knabe, wiesen ihn jedochmit seiner Lehre und seinem Gelde ab und hielten ihn für einenNarren. Auch in Hänsern war er, besonders bei einem anspruchs-losen, frommen Winzer, zu welchem er sich begeben hatte, nach-dem ihm bei den Kindern seine Spcculation nicht gelungen war.Als ihn aber der schlichte Mann fragte, welcher Religion er denneigentlich zugehörc, hielt er es nicht unter der Würde einesGlanbcnsverkündigcrs, zu erklären: „Hier sind die Leute katholisch— da bin auch ich katholisch; und bet Protestanten bin ichprotestantisch." Da cntgcgncte ihm der durch solches Glaubens-bekenntnis; nicht befriedigte Winzer: „Da sind Sie also gar nichts!"wandte ihm den Rücken und ließ ihn mit Verachtung stehen.Ich kann bei der Gelegenheit die Frage nicht unterdrücken: Waswürde einem Katholiken (und zwar mit Recht) geschehen, der aufso unverschämte Weise in einem fremden protestantischen Orte sichSolches erlauben würde? Wie oft hat man die Katholiken undbesonders die Geistlichen als Proselytenmcichcr angeklagt, wenn sieihre tausendjährigen Rechte ausüben und ungehindert ihrem Glau-ben leben wollten? Wie übel wird es aufgenommen und fast alsKriegserklärung angesehen, wenn irgend ein Katholik, der garnicht bekehren will, sondern durch allerlei Neckereien und Ver-spottungen seines Glaubens und besonders der heiligen Gebräuchedesselben gezwungen, endlich erklärt, daß die katholische Kirche die einzig wahre nnd alleinseligmachende sey, daß es nur eineWahrheit gebe, also auch nur eine wahre Kirche geben könne?Und wir müssen uns von diesen Schwärmern Alles gefallen lassen!! Freilich, die katholische Kirche ist cS schon gewohnt, stets nach einembesonderen Maaßstabe gemessen und unter dem Aushängcschildc von„Toleranz," „Aufklärung," „religiöser Freiheit" und .allgemeinerMenschenliebe" gelästert und mißhandelt zu werden.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.