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XV
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Augsbttvger
Iweite Jahreshälfte.
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Eine freie Vetracliruna über die Heiligkeitder Kirche.
5 Wenn der Mensch in sich wahrnimmt, daß er nach höhe-rer Vollkommenheit streben soll, ihm eine höhere Lehre sagt, daßes hienicden seine Bestimmung sey: „Gott , dem vollkommen-sten Wesen ähnlich zu werden," was muß sein Inneresmehr begeisternd erheben, als ein unbefangener, vorurtheilssreierHinblick auf die römisch-katholische Kirche , die da auchheißt „heilig"?! Sie ist heilig in sich und Andere heiligend— ich mag betrachten ihre Lehre, oder ihre Satzungen, cder ihrehl. Sacramcnte, oder ihre Anstalten, Ceremonien u. dgl., überallwehet derselbe Eine Geist der Heiligkeit und Heiligung. UndWie kann es auch anders seyn, da ihr Aus- oder Aufgang vonder Höhe —- Oriens ex sl(o — aus ewigen Licht - Regionen,aus dem Reiche der Wahrheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit ist,da ihr Stifter die Heiligkeit selbst ist, und diese seineBraut als mackel« und fleckenlos unter namenlosen Schmerzen durchBlut und Wasser am Kreuze in seinem heiligsten Herzen uns ge-bar. — Auch vom Kreuze herab möchte ich von der Kirche sagen:Oiieiis ex alto — ciuao est ists, ciuas procossit sieut sol. . . Lle-Lta vt sol, pulclrrg. ut Kur» . . . sieut suror» eon-suigeris . . . puletna es . . ? ! Die Seite wurde geöffnet, undes flössen die Quellen des unsterblichen Lebens, die der heiligenKirche Daseyn und Fortdauer geben.
Der Mensch, zur Welt gebore», wie armselig! Die Erb-sünde mit ihren Folgen lastet auf ihm; er ist in den Augen desAllheiligen un heilig, ein Gegenstand des Zornes und Mißfal-lens. Wo ist nun für ihn ein Heiligungsmittel? In der Kirche,sie heiliget ihn durch daö Bad der Wiedergeburt undErneuerung des hl. Geistes. (Tit. 3, 5.) Er wird GottWohlgefällig , zum Kinde Gottes neugeboren, zu Gottes Ebenbildin Christo erneuert. „In den Wicdergcborncn hassetGott nichts"... (hl. Synod. v. Tr.)
Da nun aber nach Gottes Weisheit in den Getauften nochdie Begicrlichkeit, oder der Zunder der Sunde zurückbleibt — ohneaber eine wirkliche Sünde zu seyn; denn Sünde ist nur, woUebereinstimmung des Willens mit der Begierde ist — da dasFleisch gegen den Geist, und den Geist gegen das Fleisch gelü-
. stet, beide sich entgegen stehen (Gal. 5, 17.); da der Menschzum Kampfe gegen Welt, Fleisch und Satan auftreten soll, werwahret ihn vor unhciligen Wegen, wer lichtet das Dunkel seinesVerstandes, diese traurige Folge der Erbsünde, daß er Vöscö vomGuten unterscheide, nach dem Rathe der Bösen nicht gehe, aufrein Wege der Süudcr nicht stehe und wandle, und auf demStuhle der Pestilenz nicht sitze, daß die Bosheit seinen Verstandnicht verkehre, noch ersonnene Lehre seine Seele betrüge, der Zau-ber der Eitelkeit nicht verdunkle das Gute, und uustätc Begicr-lichkeit nicht verkehre seinen arglosen Sinn, sondern daß er seinenGlauben nach seinem Taufbunde standhaft bekenne, und nachsolchem — srvmm und heilig — lebe? Wer gibt seinemWillen, durch die Erbsünde geschwächt und zum Bösen geneigt,Kraft? Du bist es, heilige Kirche mit deiner heiligen Lehreund dem heil. Sacramente der Firmung, das sich zur Taufewie Wachsthum zur Geburt verhält, die Gläubigen, die durch dieTaufe unter die Fahne aufgenommen, zum Kampfe bewaffnet, ihnenKraft und volle Stärke des Gemüthes und die Vollkommenheit zurGnade ertheilt — die Taufgnadc vermehrt, im Glauben stärktund zum vollkommenen Christen macht.
Doch die Welt liegt im Argen, der Mensch wird mehr oderweniger nmsluthet von stürmenden MccrcSwogen reizender Lockun-gen auf unheiligc Pfade von innen und außen, und wird, ach!überwuudcn ein verlorener Sohn, und irret im flrnen Lande un--hciligcr Gesellschaften, losgetrennt vom Umgänge mit dem himm-lischen Vater — gottlos. Nun aber noch nicht ganz verloren,erkennt er sein Unrecht, seinen unhciligen Wandel; eine innereGottcSstimmc, das anklagende Gewissen, macht ihm bittere Vor-würfe, läßt ihn nicht ungestört bei seinem TagcSgcsä'äftc, noch imfröhlichen Zirkel trauter Freunde, noch im nächtlichen Schlafe,indem ihm nicht gilt: In paee iir i«.Ii'i??um, elvrmiam et re-cuiiescam; überall in sich beunruhigt schwebet ihm vor das zür-nende Antlitz des Allhciligcn, dessen Ebenbild er in sich so undank-bar und schändlich, vollgisättigt von thierischen Lüsten, verunstal-tet, und die himmlische Taufgnade verloren.
Unglücklicher! hast du Neue und gute Vorsätze, so verzagenicht, komm, komm! eile! der Vater zieht dich, er kann dichnicht so unhcilig und verloren sehen; eile der Kirche, dieser schö-nen Mutter, dieser Braut Jesu Christi , die dich sucht, in die