Ausgabe 
5 (20.7.1845) 29
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gncidigung eines jungen Engländers von guter Familie, welchermehr aus Unwissenheit als aus Bosheit, in halb betrunkenem Zu-stand, in einer Kirche von Pisa ein Verbrechen begangen, beimGroßherzog auszuwirken, und der gute Pater Thomas war wieimmer, auch in diesem Fall bereitwillig, sich für den Unglücklichenzu verwenden. Sobald er zurückgekehrt, rief er noch in der Thüreseiner Schwester zu, ihm seinen Staatsauzug zurccht zu legen,beifügend, ich muß noch vor der Mittagstafel zum Großhcrzog.Und nachecm er sich in seinem Schlafcabinet schnell umgekleidethalte, trat er wieder in den Saal zu seiner Schwester, die anseinem Anzug bald hier bald dort noch etwas zu ordnen fand,während er sie gutmüthig anlächelte und zu ihr sagte: Nicht wahrSchwester, du bist neugierig zu erfahren, was dieser so eilfertigeGang ;u bedeuten habe? Ich verrathe dir aber nicht, erstwenn ich mit froher Nachricht zurückkomme sollst du es von mirvernehmen. Gelingt mir mein Vorhaben, Bctty, so wollen wirheute zu Mittag eine der Bordeaux-Flaschen leeren, die der fran-zösische Gesandte mir verehrt, und ich will den Tag als einen ge-segneten preisen, an welchem ich zwei Unglücklichen zu helfen Ge-legenheit fand.

Alle deine Tage sind gesegnet, dein ganzes Leben ist ja nurein immerwährendes Wohlthun, dachte Betty, während sie ihremBruder nachsah, und Bctty hatte recht.

Deutschland .

Wallfahrten.

Aus Obcröstcrrcich, 28. Juni. Die Kirche hat sich zu allenZeiten für den Nutzen der Wallfahrten ausgesprochen, denn wenndiese nicht nützlich waren, wie könnte sie mit Ablässen Diejenigenbeschenken, die in redlicher Absicht und mit reinem Herzen Wall-fahrten anstellen an heilige Orte, wie nach Jerusalem , zu denGräbern der Apostel Petrus und Paulus , an die Gnadcnorte derheiligen Jungfrau u. f. w.? Entfernt von zeitlichen Geschäften,sind die Wallfahrer bloß mit Gedanken an Gott und göttlicheDinge beschäftigt. Sie stellen sich an den heiligen Orten Palä-stina'S vor, was dort geschehen: die Leiden des göttlichen Heilan-des, seine Angst am Oelbcrg, seine Geißelung und Krönung, seinenschmer^ollen Gang, da er mit d-m schweren K>euz beladen war,entlieh die Kreuzigung selbst. Wie soll das Andenken an all dießin einem Orte, wo es selbst geschehen ist, nicht von der eindring-lichsten Wirkung für das Gemüth begleitet seyn? Welch ein Ab-scheu gegen die Sünde und welche Liebe zu Christus muß in demHerzen Desjenigen entspringen, der bei sich erwägt: All dieß hatder Heiland mcincr Sünden wegen und um mir seine Liebe zuzeigen, an diesem Orte vollbracht. Und neue fromme Entschlie-ßungen tauchen auf in seinem Herzen; mit Gott will cr'S hinfürohalten und nicht mit der Welt, die so sehr im Argen liegt.Hiczu stärkt ihn das Beispiel von andern frommen Pilgern, dieer in Andacht vor dem Gnadenaltar hingestreckt sieht, die Gott suchen von ganzem Herzen. Golt läßt nichts unbclvhnt, jederTritt und Schritt, der seinetwegen gethan wird, wird von ihmgesegnet; wie sollten also die vielen Tritte und Schritte eines Wall-fahrers, oft unter Regen und Ungewittcr, unter den brennendenStrahlen der Sonne, oft bei ganz schmaler Kost, bei so vielemUngemach in den Herbergen umsonst geschehen seyn? So vielBitteres, dem man sich um Gottes w llcn unterzieht, sollte keines

Lohnes werth sinn? Gewiß, wenn anders wichtigere Pflichtennicht darunter leiden. Darum wird zu Wallfahrten gemeiniglicheine Zeit gewählt, wo keine Kollision statt haben kann. Warumendlich die Kirche das Wallfahrten anrathet, ist die Rücksicht aufdie Buße. Die vielen Beschwerden einer Wallfahrt nimmt sie alsein Bußwerk an, als ein Mittel die Leidenschaften zu bezähmen.Wohl also dem Wallfahrer, der in der Absicht Wallfahrten unter-nimmt, um die begangenen Sünden abzubüßen; denn er bezahltdamit einen Theil seiner Schuld an Gott ab. Darum ist dieBeicht den Wallfahrern angerathen, damit die Buße Gott wohl-gefällig sey. Bekannt ist es von der heiligen Maria von Egyp-tcn, daß sie nach Jerusalem wallfahrtend selbst auf der Reise da-hin ein böses Leben führte. In Jerusalem angekommen, war sienicht im Stande, in die Kirche vom heiligen Grabe zu treten;sie versuchte es zu wiederholten M^len, aber eine geheime, unsicht-bare Gewalt hielt sie zurück. Dieß brachte sie auf den Gedanken,ihre Sünden mögen wohl Schulv seyn, daß sie nicht hincintretenkönne. Da befand sich vor der Kirche ein anmuthigcs Bild derMutter Gvtteö: vor diesem warf sie sich auf die Kniee, schluchzteund weinte ob der Größe und Menge ihrer Vergchungcn, undbat die seligste Jungfrau Maria um ihre Fürbitte bei ihrem gött-lichen Sohne. Beruhigt stand sie auf und konnte nun ohne An-stand den gottgeweihtcn Ort betreten. Reue und Buße also füh-ren uns Gott nahe. Wenn demnach so viel Gutes mit dem Wall-fahrten verbunden ist, so ist es gewiß erfreulich, daß ein solchervon der Kirche gebilligter*) Gebrauch, der seit einiger Zeit etwasin Versall zu gerathen schien, wieder in Aufnahme kömmt, undzwar unter Aufsicht der Priester. In dieser Hinsicht gereicht esdem Hause Oesterreich zum besondern Lobe, daß selbst unsere Maje-stäten Wallfahrtsorte besuchen, wie Maria Zell, so wie auch Per-sonen ersten Ranges, Mettcrnich, Schwarzenberg und Andere sichdieses Gebrauches nicht schämen. So geht von Wien aus untergeistlicher Begleitung jährlich eine Wallfahrt nach Maria-Zell.Und im heurigen Jahre hat auch Linz das Beispiel der Wiener nachgeahmt; denn während sonst die Wallfahrt nach Maria-Zell gemeiniglich in der Pfingstwoche ohne geistliche Begleitung unter-nommen wurde, ging Heuer unter Ansllhruug eines Priesters ausder Stadtpfarrkirche zu Linz eine Wallfahrt am Freitag nachChristi Himmelfahrt nach Maria-Zell vor sich. Der Zug wurdeunter dem Geläute der Glocken eröffnet, und der durch seineFrömmigkeit bekannte Stadtpfarrer und Domschvlafticus MathiasKirchstcigcr begleitete denselben unter Assistenz bis zur Donau , wodie Wallfahrer ein Schiff bestiegen, um bis Morbach unweitMaria Tafcrl zu kommen, das ein besuchter Wallfahrtsort ist,und gemeiniglich von Wallfahrern, die nach Maria-Zell gehen,besucht wird. Bei der Rückkunft dieser Wallfahrer, die 8 Tagedarauf statt fand, ging der Stadt- und Landdechant wieder bis zumPrater außerhalb Linz unter Assistenz entgegen, und unter Beglei-tung vielen Volkes zogen die Wallfahrer in Procession in dieStadtpfarrkirche, wo ein Dankgebct für die glücklich vollbrachteWallfahrt verrichtet wurde. (K. - Z. f. d. kath. Deutsch!.)

')Man soll den Leib nicht nur durch Fasten übeihaupt und durchjenes insbesondere, welches die Kirche angeordnet hat, sondern auchdurch Wachen, andächtige Wallfahrten, ui.d andere Artenvon C,>siciungen züchlig?n, und d e fleischlichen Begierden bezähmen."e->t. Kvm, pr-i^c, sext, p. 38!. Viermae. Llrauss.^

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